Zweifelhafte Umfrage: Blogs werden nicht erst genommen

Umfragen und Marktstudien erfreuen sich bei Journalisten großer Beliebtheit. Lassen sich doch damit sehr schön eigene Meinungen "wissenschaftlich" belegen und aktuelle Trends erkennen. Auch in den PR-Abteilungen der Unternehmen sind solche Meinungsbilder sehr beliebt – denn damit kommt man fast automatisch in die Medien und wird im Zusammenhang mit der Veröffentlichung genannt. Die Redakteure stehen schließlich auf solche Befragungen.
Da wäre auch gar nichts dagegen einzuwenden, wenn diese Studien auf einer halbwegs vernünftigen statistischen Basis beruhen würden oder – noch besser – sogar repräsentativ wären. Das ist leider meist nicht der Fall. Da nehmen dann etwa 235 Leute an einer Online-Umfrage eines Stellenportals teil und heraus kommt die Meldung im Branchendienst iBusiness: "Gute Nachrichten für Fachverlage: Blogs sind kaum Konkurrenz"
Ich kann mich zwar nicht erinnern, dass irgendjemand ernsthaft von einem Wettbewerb zwischen Weblogs und Fachzeitschriften ausgeht. Aber auf Basis einer Online-Befragung von 235 zufällig dahergekommenen Nutzern den Schluss zu ziehen, dass "Weblogs als Quelle von Fachinformationen nicht so richtig ernst genommen werden", ist mehr als gewagt. Ebenso wie das Fazit: "Fachverlage, wie WEKA, Haufe oder der Verlag für die Deutsche Wirtschaft, die mit Print-Newslettern und Lose-Blatt-Werken in der publizistischen Unternehmensberatung tätig sind, können also ein wenig aufatmen".
Genau das Gleiche dachte ich auch, als ich heute die Meldung las.
Nun würde ich ja Folgen des Sommerlochs sprechen, aber nachdem Google gestern sein neues Handy präsentierte und wir zudem seit vorgestern Herbst haben, gibt es eigentlich keine Entschuldigung.
Wie am hinterlassenen Namen leicht zu erkennen, würde ich, hätte ich es heute nochmal zu entscheiden, nur zu gern auf den Terminus “Blog” verzichten.
Denn leider, kann ich, zwar nicht wissenschaftlich aber doch aus persönlicher Erfahrung, die o.g. Ergebnisse bestätigen. Das Wörtchen “Blog” wird halt zu oft mit der Schülerzeitung verwechselt (nicht ganz zu Unrecht).
Aber: Das einzige Problem ist das Wort “Blog”.
Und ob dieser Erkenntnis vergleichen wir uns schon lange nicht mehr mit anderen Blogs. Wir haben den Wettbewerb zwischen Weblogs und Fachzeitschriften (Onlineformate) aufgenommen. Unser Ziel ist es seit geraumer Zeit die Reichweiten von w&v und horizont zu knacken. W.t.f. is eigentlich ibusiness?
Insofern: Schlechte Nachrichten für Fachverlage.
Was soll eine Umfrage mit nichtmal 300 Teilnehmern schon aussagen? Die großen Verlage hätten wohl gern, dass Blogs nicht ernst genommen werden. Dem ist aber schon lange nicht mehr so ..