YouTube-Fake: Spielt Jessica Rose das LonelyGirl15 Bree?

Bei vielen Mitgliedern der Video-Plattform YouTube muss derzeit die Enttäuschung verarbeitet werden, dass sie bei den Kultvideos von "LonelyGirl15" einem geschickt inszenierten Fake aufgesessen sind. Unterdessen geht die Suche nach der Schauspielerin weiter, die unter dem Namen "bree" mit ihren Clips für Aufsehen gesorgt hat.
Der SiliconValleyWatcher will nun die Lösung gefunden haben: "Bree wird von Jessica Rose dargestellt, einer 19jährigen Schauspielerin aus Mount Maunganui in Neuseeland. Sie ist vor Kurzem nach Los Angeles/Hollywood gekommen, um Arbeit zu finden".
Das scheint ihr ja erfolgreich gelungen zu sein. Über 2,3 Millionen Menschen sollen die sich seit Juni 2006 geposteten Filmchen eines "etwa 16-jähriges Mädchen" auf Youtube inzwischen angeschaut haben und sogar die renommierte New York Times veröffentlichte ein Interview mit ihr.
Die Clips zeigen ein Teenie, dessen Eltern einer strengen Religion angehören. Deshalb darf sie das Haus nur selten verlassen und wird zu Hause unterrichtet. Neben ihren Eltern erwähnt sie in den Filmen ihren Freund Daniel, einen "schüchternen Teenager, der ihr den Hof macht". In den Videoclips spricht Bree über ihre Religion, die ein geheimnisvolles Ritual beinhaltet, das sie über sich ergehen lassen muss.
Also schon fast ein Hollywood-reifes Drehbuch. Und tatsächlich führte die Spur über den MySpace-Account und die IP-Adresse der Website "LonelyGirl15.com" zu einem Computer von "Creative Artists Agency" – eine der grössten Talentschmieden in Hollywood. Mittlerweile haben sich auch zwei Filmemacher, die sich "The Creators" nennen, in einem Diskussionsboard auf der Fanpage von Bree zu dem Fake bekannt. Sie bezeichnen darin "LonelyGirl15" als "eine ganz neue Kunstform, die auf Interaktivität, dem Internet und VideoBlogs basiert".
Dabei betonen sie aber ausdrücklich, dass sie nicht zu einer großen Medien-Firma gehören und eine Viral-Marketing-Aktion durchgeführt haben. Sondern sie sehen das Ganze als künstlerische Aktion. Auf einer demnächst ans Netz gehenden Webseite wollten sie mit Ton- Video und Textbeiträgen das wachsende Kunstwerk "LonelyGirl15" begleiten.
Das Beispiel zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie die Grenzen zwischen Realität und Fiktion im Web zunehmend verschwimmen. Aber das kennen wir ja schon aus dem Fernsehen. Ohne Medienkompetenz und eine gehörige Portion Skepsis wird man schnell Opfer von geschickt eingefädelten Inszensierungen.
Und was war nun Sinn der Sache? Wurde irgendetwas beworben? Warum so ein Aufwand. Youtuber haben sowieso einen Schatten.
Aber dass die Marketing-Strategie (für was auch immer) aufgeht, beweist allein, dass ich auf die Sache erst durch viele Nachberichterstattung (vor allem druch die Weblogs) darauf aufmerksam geworden bin. Wenn das ein Experiment der Werbebranche war, dann muss man sagen: Taktisch gut gemacht, moralisch fragwürdig!