Wer ist der Mörder: Kriminalromane 2.0

Wer ist der Mörder: Kriminalromane 2.0

Grigori Tschchartischwili – ein unter dem Pseudonym Boris Akunin bekannter georgisch-russische Schriftsteller, der seit 1998 allein in Russland mehr als 15 Millionen Bücher verkauft hat und dessen Romane in 24 Sprachen übersetzt wurden – geht bei seinem neuestem Krimi ganz neue Wege.

Dessen Titel heißt "Kvest" und spielt in der Sowjetunion der dreißiger Jahre in einem Forschungslabor. Im Mittelpunkt steht ein amerikanischer Wissenschaftler, mit dem der Leser gemeinsam – und das ist jetzt das Besondere – verschiedene Rätsel lösen muss.

Das Buch soll zwar auch ganz normal als gedruckte Version am 20. Oktober erscheinen, aber gleichzeitig wird am 15. September eine interaktive Version des Krimis im Web gestartet. Die ersten Seiten zeigen bereits (wenn man russisch lesen kann), dass Akunin auch weiterhin auf den Text und das Lesen in seiner traditionellen Form setzt – ohne grafische Spielereien. In den Fließtext sind ein glossar, Fotos oder auch Musikstücke eingebunden.

Der Mitleser (oder eher Mitspieler) muss, um zum ersten Kapitel zu gelangen, etwas über 2 Euro bezahlen. An dessen Ende erwartet ihn eine Rätselaufgabe. Falls er diese lösen kann, ist der Zugang zum nächsten Kapitel gratis. Falls nicht, zahlt er wieder knapp einen Euro. Interessantes Geschäftsmodell: Mitdenken lohnt sich.

Auch in die gedruckte Ausgabe hat Boris Akunin eine Art geheimes Level eingebaut, wie es aus Computerspielen bekannt ist. Darüber lässt sich dann auch der Ausgang des Kriminalromans verändern. Wer sich an der elektronischen Version beteiligt, bekommt den dafür notwendigen Code günstiger.

Ob das die Zukunft des Kriminalromans ist? Vermutlich eher nicht, denn die meisten Leute wollen einfach nur schmökern – im Bett, am Strand oder in der Badewanne. Trotzdem ein interessantes Experiment, was der russische Bestsellerautor da startet.

Ganz so weit ist man in Deutschland noch nicht. Aber immerhin wird auch hier die Entstehung eines Regionalkrimis von einem Blog und Twitter begleitet. Mit Twiterrouter kann man sogar in Echtzeit seinen Spuren folgen. Der Krimi heißt "Aktion Störtebeker" und spielt auf der Insel Rügen. Der (noch unbekannte) Autor erlaubt einen Blick in seine Recherchen und die Arbeit an seinem Buch. Vielleicht lässt er sich durch Kommentare ja auch beeinflussen, die Handlung zu verändern. Zumindest solange, bis der Kriminalroman noch nicht gedruckt ist.


Posted on Mittwoch, September 10th, 2008 at 22:47 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

5 Responses to “Wer ist der Mörder: Kriminalromane 2.0”

  1. Michael sagt:

    Ich finde das eine gute Idee. Ich selbst habe mal einige Bücher gelesen, in denen es auch immer unterschiedliche Enden gab, je nachdem, welche Entscheidung man am Ende eines Kapitels getroffen hat, aber direkt beteiligt war man dort nicht. Und für alle Hobbydetektive ist so ein Buch doch ein muss.

    Ist die normale gedruckte Version, die am 20. Oktober erscheint dann in deutsch?

  2. CIO-Blogger sagt:

    Nein, das Buch und das gesamte Projekt sind erst mal auf russisch. Spätere Übersetzung nicht ausgeschlossen.

  3. Michael sagt:

    Na dann muss ich mich dawohl noch gedulden. Ist wenigstens in etwa schon ne Andeutung möglich, ab wann es in deutsch erscheinen wird?

  4. Nick sagt:

    Schade, ich interessiere mich sehr für Kriminalromane, nur leider bin ich der russischen Sprache überhaupt nicht mächtig.

  5. Ralf sagt:

    Ich verfolge die Entstehung des Krimi auf dem Blog mit – ist echt spannend. Bin dann auch mal auf das Ergebnis gespannt.

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