Weniger CeBIT-Besucher: Das Wetter war schuld
abgelegt im Archiv CeBIT 2006 am 16.03.06
Nachdem die CeBIT-Veranstalter zur Halbzeit noch Optimismus verbreiteten, mussten sie heute auf der Abschlußpressekonferenz eingestehen: Die diesjährige Messe ist mit einem kräftigen Besucherrückgang im Vergleich zum Vorjahr zu Ende gegangen. Waren es letztes Jahr noch 480.000 Gäste, kamen dieses Jahr nur rund 450.000 Besucher. "Das schlechte Wetter war an diesem Rückgang schuld", verkündete Ernst Raue vom Vorstand der Deutschen Messe den erstaunten Journalisten.
Der Messechef verfiel dann auch gleich in den üblichen Optimismus. Die diesjährige CeBIT habe die Branche "nach vorne" gebracht und positive Konjunkturimpulse ausgestrahlt. Rund 85 Prozent der Besucher seien Fachbesucher gewesen, die Hälfte von ihnen sei mit konkreten Investitionsvorhaben nach Hannover gekommen. "Die Aussteller haben rund 20 Prozent mehr Vertragsabschlüsse als im Vorjahr verzeichnet", nannte Raue einen weiteren positiven Aspekt.
Auch wenn dem so sein sollte, die Besucherzahlen der diesjährigen CeBIT dokumentieren erneut den permamenten Niedergang seit dem Ende der Interneteuphorie. Seit 2001 brach die Zahl der Besucher um fast 45 Prozent ein, die Ausstellerzahl schrumpfte um 23 Prozent. Zwei der CeBIT-Säulen wackeln bedenklich: Im Bereich der Telekommunikation entwickeln sich die "3GSM World" in Barcelona und die "Telecom" der Internationalen Telefonunion in Hongkong zu den führenden Branchentreffs. Die Unterhaltungselektronik geht dagegen auf die IFA nach berlin.
Die neue Verbraucherschau "Digital Living" auf der CeBIT sollte der künftig jährlich stattfindenden IFA den Wind aus den Segeln nehmen. Dementsprechend zeigte sich Raue auch mit diesem erstmals präsentierten Bereich zufrieden: "Rund 150.000 Besucher kamen in die Halle 27, um sich über die aktuellen Trends der Heimelektronik und des Home Entertainment zu informieren". Neues (zahlendes) Publikum wurde damit aber offensichtlich nicht angelockt. Die Besucher waren überwiegend sowieso auf der CeBIT, deshalb war für sie der Eintritt zur "Digital Living" frei.
Der versuchte Spagat zwischen einer Geschäftskunden- und Endverbrauchermesse ist gescheitert. Die Lücken auf den riesigen Freiflächen in Halle 27 konnten nur mühsam durch Bistrotische, Bars und große Stellwände kaschiert werden. Meistens herrschte gähnende Leere. Die wenigen Aussteller, die sich in die Halle gewagt haben, versuchten vor allem bei einem jugendlichem Publikum mit Spielen zu punkten. Mit mäßigem Erfolg. Ob sie sich im nächsten Jahr nochmal zu einem Engagement breitschlagen lassen, ist mehr als fraglich. Wenn die CeBIT ihr klares Profil nicht findet, dürfte der weitere Niedergang kaum noch aufzuhalten sein.

Tags: CeBIT IFA cebit besucher digital weniger+cebit besucher+wetter wetter+schuld
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