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Weblogs bei Siemens: Kleinfeld unter Feuer

abgelegt im Archiv Web 2.0 am 27.09.06

Weblogs bei Siemens: Kleinfeld unter Feuer
Still und leise hat der Siemens-Konzern vor ein paar Wochen das interessante Experiment "Blog 100" gestartet: 100 Tage lang sind alle Mitarbeiter aufgerufen, zu frei gewählten Themen und Fragestellungen Weblogs zu etablieren. Ob Entwickler, Manager oder Abteilungsleiter - alle sollen die "dialogorientierte Variante Blog in der innerbetrieblichen Kultur" erproben.

"Die Blogs erfreuen sich wachsender beliebtheit bei den Mitarbeitern", berichtet Michael Rossa (Vice President Corporate Media bei Siemens). Aus ehemals 60 Weblogs beim Start sind mittlerweile über 200 geworden - Tendenz weiter steigend. "Im Gegensatz zu den früher gängigen Chats und Foren, bei denen Mitarbeiter sich nur zu vorgegebenen Themen äußern konnten, kann sich beim Blog jeder sein Thema selbst wählen - und das kommt an", sagt Helmut Lehner (Senior Manager Corporate Media bei Siemens). Es gelte, Kommentare zu beantworten, seine Ansichten zu verteidigen und auf der Bühne der Blog-Plattform öffentlich zu denken und zu reden.

Das Hauptthema dieses virtuellen Firmen-Marktplatzes sind bisher Technikfragen, Open Source und Kultur, aber auch das Experiment "Blog 100" selbst. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist ebenfalls schon vor einiger Zeit unter die Blogger gegangen und hat seit März ein eigenes Blog, das wöchentlich thematisch aktualisiert wird und teilweise bis über 15.000 Visits verzeichnet. Im Moment geht es dort allerdings ziemlich rund, wie Spiegel Online meldet. Ein paar der Kommentare in Kleinfelds Blog wurden sogar zu einer eindrucksvollen Flash-Show zusammengestellt.

Angesichts der rigiden Sparmaßnahmen in den Siemens-Bereichen Com und SBS sowie der ungewissen Zukunft sind die Mitarbeiter ziemlich sauer über die geplante Steigerung der Vorstandsbezüge im Konzern um 30 Prozent. Dass sie trotz namentlicher Anmeldung ihre Empörung in so großer Zahl in Kleinfelds Blog zum Ausdruck bringen, ist schon erstaunlich. Und zeigt deutlich die Stimmung im Unternehmen. "Man darf solche Äußerungen natürlich nicht bagatellisieren, Herr Kleinfeld nimmt diese Kontaktmöglichkeit zur Belegschaft sehr ernst", lässt der Konzern verlauten.

Doch ändert sich dadurch etwas - das ist die Frage? Verzichtet der Vorstand angesichts der kritischen Stimmen auf seine Gehaltssteigerung? Wird über andere Wege zur Sanierung der Problembereiche nachgedacht? Gibt es etwa keinen Personalabbau? Das Web 2.0 nur als Spielwiese, um mal richtig Dampf abzulassen, ist noch keine neue Kommunikationskultur. Und daran werden sich die schönen Konzepte wie "Blog 100" messen lassen müssen.

Mehr darüber gibt es übrigens im Podcast "Pimp My Brain" zu erfahren. Dort befragt Alexander Wunschel die Siemens-Verantwortlichen Michael Rossa, Christoph Engels (Head of Message Development) und Helmut Lehner über erste Erfahrungen mit "Blog 100" und weitere Pläne. Nur schade, dass die Gespräche vor dem aktuellen Proteststurm im Kleinfeld-Blog stattgefunden haben.



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Tags: Siemens  Kleinfeld  Weblog  Blog  Podcast  Kommunikationskultur  Protest  siemens  siemens+kleinfeld 

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