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Web 2.0-Studie: Banken sollen in den Fahrersitz

abgelegt im Archiv Web 2.0 am 04.08.07

Web 2.0-Studie: Banken sollen in den Fahrersitz
Die Researchabteilung von Deutschlands größtem Geldinstitut stellt ab und zu ganz nette Studien zur Verfügung - und das sogar kostenlos. Die jüngste trägt den Titel "Be a driver, not a passenger - Implications of Web 2.0 for financial institutions" (PDF-Dowload hier, leider nur auf englisch).

Darin stellen die Analysten der DB Research fest: "Die Anbieter von Finanzdienstleistungen müssen sich auf eine neue Ära der Kommunikation einstellen und diese zu ihrem Vorteil nutzen". Nur wer beim Web 2.0 der Fahrer sei und nicht der Passagier, könne "den Gefahren begegnen, die das Social Web reihenweise mitbringt". So kämen den Banken und Sparkassen in der Masse eventuell große Geschäftsbereiche abhanden, wenn ihre Mittlerrolle - beispielsweise in Teilen des Privatkundenbereichs oder bei den Standardprodukten - nicht mehr als zwingend notwendig erachtet wird.

Denn die Menschen vertrauten heute bereits neuen Peer-to-Peer-Kreditvermittlungsplattformen wie Zopa, Prosper, Kiva, Smava und Boober - so die Befürchtung der etablierten Finanzdienstleister - oft mehr als professionellen Anbietern. Die Kunden erhielten durch "Social Websites" die Möglichkeit, ohne Mittelsmann einfache Finanzgeschäfte zu tätigen - z.B. die Aufnahme von Krediten. Vor allem der Community-Aspekt dieser Angebote macht den trafitionellen Geldverleihern zu schaffen. "Die Idee, dass sich die Kunden untereinander besser helfen können, als ein Dienstleister mit eigenen Interessen, ist für viele potentielle Kunden attraktiv", konstatieren die DB-Research-Experten Stefan Heng, Thomas Mayer und Antje Stobbe.

Blogs oder Wikis - so ihre Erkenntnis - "bestimmen die Geschäftswelt immer mehr und machen auch vor den Finanzdienstleistern nicht halt". Gerade deshalb müssten diese die neuen Technologie einsetzen, bevor die Kunden abwandern oder das Web 2.0 zum ungeregelten Wildwuchs werde. "Ein Weblog kann entweder nützliche und gesicherte Informationen enthalten oder schädliches Geschwätz", warnen die Analysten und verweisen auf eine Gartner-Studie, wonach bis zum Jahr 2012 drei Viertel der Anbieter finanzieller Dienstleistungen "echte Social Networking-Tools" anbieten werden.

Den Gefahren des Web 2.0 könnten die Banken und Sparkassen nur dadurch gegensteuern, in dem sie selbst auf das "Social Web" setzen und sich möglichst schnell als innovatives Unternehmen in diesem Sektor präsentieren. "Derzeit können Anbieter, die die neuen Werkzeuge in ihrer ganzen Breite einsetzen, sogar noch echte First-Mover-Vorteile in Deutschland mitnehmen", heißt es in der Studie. Dabei müssten sie allerdings einige Regeln beachten: So sollen die Geldfirmen die Sphäre des Web 2.0 professionell beobachten und perrmanent auf Möglichkeiten hin untersuchen, welche Werkzeuge geschäftlich eingesetzt werden können. Und sie müssten sich selbst als Unternehmen im "Social Web" und ihre Web-2.0-Angebote ebenso fest im Griff haben wie ihre traditionelle Pressearbeit.

Das heiße auch, "dafür extra Mitarbeiter abzustellen und Verantwortlichkeiten für sie aufzubauen und einzuhalten". Für die internen Einsatzmöglichkeiten bedürfe es einer strikten Web-2.0-Policy, die das Institut schützt - ähnlich der Security-Policy, die jedes Unternehmen heute haben müsse. "Die interne Kommunikation kann am meisten und am schnellsten vom Web 2.0 profitieren und sollte deshalb als erste Einsatzmöglichkeit gewählt werden", empfiehlt die Studie.

Bei einem externen Einsatz sollten sich die Geldinstitute und eventuell beteiligte Partner an ein strenges Regelwerk halten. Ein vorheriger Check der verwendeten Tools und der Bedingungen sollten unbedingt jedem Einsatz vorausgehen. "Die Grenzen des Web 2.0 im Geschäftsalltag müssen fix sein und verteidigt werden", schreiben die Verfasser. Sonst werde die Transparenz und das Tempo der neuen Angebote schnell zur Falle.

Eine Vogel-Strauß-Politik mache auch angesichts dieser Risiken keinen Sinn, denn "das Web 2.0 lässt sich nicht aufhalten und die ersten in der Branche spüren bereits schon die wachsende Konkurrenz der Finanz-Communities". Das Fazit der Studie: Nur die Finanzdienstleister, die die Web-2.0-Welle reiten können, werden von ihr profitieren und die Vorteile, die diese Werkzeuge bringen, sogar zu ihrem Vorteil nutzen können.

Gut gebrüllt Löwe. Ich bin mal gespannt, wie lange es dauern wird, bis die warnenden Stimmen im eigenen Haus gehört werden? Und vor allem, wann jemand daraus entsprechende Konsequenzen zieht und das Projekt "Deutsche Bank 2.0" startet?



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Tags: Web  2.0  Banken  DB+Research 

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