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Web 2.0-Kongress Offenbach: Siemens knickt nicht ein
abgelegt im Archiv Web 2.0 von wolfgang am 10.10.06
Michael Rossa, Vice President Corporate Media bei Siemens, berichtet nach eigenen Worten "hemdsärmelig" über das Blog 100-Experiment bei dem Münchner Konzern, dessen erste Phase bald abgechlossen sein wird. Zunächst erklärt er erst einmal, was Weblogs sind und verweist auf die ersten Erfahrungen bei Siemens im Jahr 1999. Schon damals gab es einen einfachen Webeditor zur Contenterstellung im Intranet und auch Feed-back-Möglichkeiten zu den Beiträgen.

Der CEO-Blog von Klaus Kleinfeld zählt ebenfalls zu den Vorreitern der jetzigen Initiative. Trotz der aktuellen Erfahrungen damit, auf die Rossa ausführlich eingeht, wird er auch künftig weitergeführt und ist für Kommentare offen.

Die Veröffentlichung von Mitarbeiterkommentaren bei Spiegel Online, war laut Michael Rossa "sehr schmerzhaft" und hat bei etlichen betroffenen Siemesianern ziemliche Datenschutzbedenken und Existenzängste ausgelöst. In der Tat ein Problem: Da schreibt jemand seine Meinung in einem internen Medium und findet sich dann plötzlich damit in der Öffentlichkeit wieder. Rossa: "Trotz dieser Erfahrung werden wir nicht einknicken und unser Konzept weiterverfolgen". Dass sich die gesellschaftliche Diskussion über Manager-Bezüge und BenQ-Pleite auch im Unternehmen - und damit im CEO-Blog wiederfinde - sei "nichts Schlimmes" und Siemens "halte diesen Diskurs auch aus".

Nun aber zum zentralen Thema der Präsentation: Die Mitarbeiterblogs bei Siemens sind Teil der "Employee Corner" auf dem Corporate Portal im Intranet. Der Corporate Media-Bereich des Konzerns hat dazu eine kleine Blog-Plattform bereitgestellt und vor dem Start der Blog-100-Initiative allerhand Hilfsmittel entwickelt: Von Guidelines mit 6 einfachen Regeln, über einen "Webzoo" (Vorstellung von externen Lieblingsblogs), FAQs und einer Voting-Funktion bis hin zu einer Bedienungsanleitung ("Kochbuch") und einem wöchentlichen Podcast.

Das dreiphasige Konzept sieht so aus: 100tägige Testphase (Trial & Error), Pilotphase und schließlich Live-Betrieb auf breiter Front. Das Ergebnis der ersten Phase, die bald zu Ende geht, ist vielversprechend: Derzeit existieren 252 interne Blogs mit 2100 registrierten Bloggern. Wovon 80 Blogs tatsächlich aktiv sind (mit Beiträgen in den letzten 14 Tagen). Ca. 15.000 Mitarbeiter besuchen diese Weblogs am Tag. Das Spektrum der Blogger ist recht breit - mit einem Schwerpunkt auf Fachexperten.

Zu den "Stars" der Siemens-Bloggosphäre gehören eine chinesische Werkstudentin ("Werkstudentenversammlung") und der Servicemanager für die Autobahn-Notrufsäulen, der über seine Erlebnisse schreibt. Ein Blog 100-Weblog des Media-Teams gibt es auch.

Was haben die Verantwortlichen in dem Experiment gelernt:

- Die "kritische Masse" wurde schnell erreicht. Bereits zum offiziellen Start der Initiative gab es 117 Blogs, da die Technik schon zwei Monate testweise vorher bereitstand. (Rossa: "Der schmerzloseste Start eines Projekts überhaupt").

- Die Nachhaltigkeit zu sichern, ist ist nicht einfach. Weblogs sind kein Selbstläufer.

- Zuwenig Manager und Kommunikationsprofis bloggen.

- Bisher kein Mißbrauch der Plattform. Aber für viele Firmenblogger ist es schwierig, sich auf unternehmensrelvante zu fokussieren.

Zum Abschluß: Siemens befindet sich mit seinen Mitarbeiterblogs auf dem Weg von der "Kontrolle zum Vertrauen". Michael Rossa: "Das Beispiel der Diskussionen um das CEO-Blog hat gezeigt, dass die Kommunikationskanäle heute mit klassischen PR-Mitteln nicht mehr zu kontrollieren sind". In der Diskussion seien die besseren argumente notwendig, um sich zubehaupten. Wo die fehlen, sehe man halt alt aus. Wichtig sei es für die PR-Leute, den stattfindenden Kontrollverlust anzuerkennen.

Nach außen will Siemens derzeit übrigens nicht mit Weblogs in Erscheinung treten. Zunächst sollen sich erst einmal die Experten aus dem Unternehmen an die Diskussionen in den Fach-Communities außerhalb von Siemens beteiligen und sich entsprechend vernetzen.^

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