Web 2.0-Index: Börse Stuttgart setzt auf den Hype und gründet ein Web 2.0-Komitee

Jetzt glaube ich es auch langsam, dass die Web 2.0-Blase bald platzt. Wenn schon die vorsichtigen Schwaben an ihrer Börse in Stuttgart ("Wissen, wo man handelt") einen "S-Box Web 2.0 Performance-Index" auflegen, muss das Ende nahe sein.
In dem 18seitigen Regelwerk dazu (Download) ist nicht nur diese interessante Definition zu finden:
"Web 2.0" ist eine neue Form des Internets (Mitmach-Internet), die von den Fachleuten unter diesem Schlagwort zusammengefasst wird. Dabei können Anleger benutzerspezifische Seiten aufrufen und sich selbst zusammenbauen. Einige Ausprägungen sind z.B. Online-Tagebücher, Musik, Shoppingmöglichkeiten, Urlaubsbilder, Videos, Informationen oder Tipps, wobei diese Angebote auf personalisierten oder -baren Internetseiten zu finden sind.
Sondern es wird auch ein Gremium für die Verwaltung des Index vorgestellt. "Entscheidungen über die Zusammensetzung des S-Box Web 2.0 sowie notwendige Anpassungen des Regelwerks fällt das Web 2.0-Komitee, das paritätisch von Mitarbeitern der Zertifikate Journal (Schweiz) AG und der Börse Stuttgart AG besetzt ist", heißt es in dem Leitfaden. Die Entscheidungshoheit in Sachen Web 2.0 bleibt aber bei den Schwaben: "Bei Stimmengleichheit im Komitee entscheidet die Börse Stuttgart AG."
Bisher ist allerdings die Zusammensetzung des Index nicht besonders aufregend: Amazon.com, Ebay, Yahoo, Google, Murdochs News Corp. und noch ein paar kleinere japanische Firmen. Aber wirklich Web 2.0? Die Spekulanten sind auch nicht mehr so risikofreudig wie früher.
Warum das Ganze? "Die Börse will Geld verdienen – und tut dies, indem sie Lizenzen zur Nutzung des Index für Derivate anbietet. Die Deutsche Bank hat schon zugegriffen und sogleich ein Zertifikat zum Internet-Trendthema Nummer eins auf den Markt gebracht (Isin DE000DB8BTR8)", schreibt die FAZ heute. Und da dahinter bekanntlich ein kluger Kopf steckt, folgt die Warnung auf dem Fuße: "Web 2.0 ist toll – um Videos anzuschauen, Gleichgesinnte zu treffen oder Bilder auszutauschen. Geld verdienen können Anleger woanders."