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Web 2.0
von wolfgang am 27.05.07

Auf Spiegel Online, in einem (an sich lesenswerten) Beitrag zum um sich greifenden Abmahnunwesen. Hier soll der - laut SpO - sich "derzeit in München in Gründung befindlicher Interessenverband der Blogger" Abhilfe schaffen und - ähnlich einer Gewerkschaft - Rechtsschutz für betroffene Autoren übernehmen.
Das Online-Portal zitiert die beiden Initiatoren, die "die Interessen unabhängiger Blogger vertreten" wollen: "Wir werden verschiedene Rechtschutzversicherer ansprechen, denn die Situation hat sich für Blogger extrem zugespitzt." Spiegel Online schreibt zwar, dass auf den beiden Weblogs mayers-notizblog.de und fellowpassenger.de "bald erste Informationen über den Bloggerverband zu finden" sind, der "neben der Rechtesituation auch Special-Interest-Themen von Bloggern behandeln" will. Doch außer dem kleinen Hinweis "Einzelheiten auf unseren Seiten im Lauf der kommenden Woche. Schönes Wochenende allerseits!" ist derzeit dort nichts zu sehen.
Schon merkwürdig: Da macht SpO Werbung für einen Verein, den es noch gar nicht gibt und dessen Gründer in spe davon offensichtlich kalt erwischt wurden. Nur schlechtes Timing oder Gefälligkeitsjournalismus, um Traffic zu erzeugen?
Und die generelle Frage: Brauchen wir überhaupt so einen Verein? Will da nur jemand sein Süppchen kochen? Wie realistisch ist eine Rechtsschutzversicherung für Abmahnungen? Warum findet in der Bloggosphäre keine Diskussion statt, bevor man mit der Gründung beginnt? Bevor es hier keine klaren Informationen und völlige Transparenz gibt, dürfte der Bloggerverband - ob er nun VUWA oder anders heißt - ein ziemlich totgeborenes Kind sein.
NACHTRAG: Auch Burkhard Schneider hat im best-practice-business-Blog ein paar Fragen gestellt. Ihm wäre wohler bei der Sache, "wenn hier einige Macher dabei wären, die mir bereits bekannt sind und die insbesondere auch die Business-Blogsphäre repräsentieren". Grundsätzlich findet er es aber gut, wenn sich "engagierte Blogger mit dem Thema beschäftigen und insbesondere mehr Aufklärungsarbeit bringen".
Die beiden Initiatoren aus München haben mittlerweile nicht nur hier im Blog kommentiert, sondern auch in ihren Weblogs nun etwas zu ihrer Idee geschrieben und teilen mit, dass sie "nicht ein spießiger Verein, der sich der Hege und aufzucht panasiatischer Kunststoffgartenzwerge verschrieben hat" sein wollen. Sondern "ein Zusammenschluß von unabhängigen Blog- und Internetschreiberlingen, die keine Lust haben, sich den Mund verbieten zu lassen. Eine Organisation, die Versicherer dazu bewegen kann, nicht nur überhaupt einen, sondern gar einen vernünftigen Rechtsschutz anzubieten. Eine Lobby, die das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt."
Neben den beiden Initiatoren aus München gäbe es "im Hintergrund noch 3-4 weitere Personen, die zumindest ihr ernsthaftes Interesse bekundet haben. Dazu kommt eine interessante Mail aus Kassel, in der erfreulicherweise auch der Wille zur aktiven Unterstützung angekündigt wird."
Außerdem wurde ein WIKI eingerichtet (mit meinen Fragen als FAQs). Es bewegt sich also einiges - und vielleicht wird aus dieser Sache ja tatsächlich etwas. Warum zum Beispiel allerdings bisher Don Dahlmann mit seinem Abmahn-Blog nicht an dem Projekt beteiligt wurde, ist eine weitere Frage.
Trackback: http://publish.creative-weblogging.com/publish/mt-tb.pl/72080
Wong
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Kommentar von:
tfp
(26.05.07 21:59 Uhr)
Kommentar von:
Wolfgang Müller
(27.05.07 9:00 Uhr)
Danke, dass in dem Komentar schon ein paar Fragen beantwortet werden und die Diskussion beginnt. Nur soviel zum Thema "neugierige Journalisten": Das Schöne am Bloggen ist ja, dass man einfach mal Fragen stellen kann und nicht im Vorfeld schon bei allen Seiten recherchiert haben muss, bevor man etwas schreibt.
Kommentar von:
Klaus Eck - PR Blogger
(28.05.07 19:33 Uhr)
Die Diskussion um einen oder mehrere Bloggerverbände ist eigentlich nichts Neues. Sie kehrt seit Jahren immer wieder. Ich bin gespannt, welche konkrete Folgen sie diesmal hat.
Es ist wirklich leicht, einen Verband zu gründen. Aber wen soll er dann vertreten? Nur private Blogger oder auch Businessblogger? Die Interessenslage der unterschiedlichsten Bloggerwelten lässt sich hierbei kaum zusammenbringen. Entscheidend bei alledem dürften die Ziele sein, die der (künftige?) Verband hat. Ich bin gespannt darauf.
Es ist wirklich leicht, einen Verband zu gründen. Aber wen soll er dann vertreten? Nur private Blogger oder auch Businessblogger? Die Interessenslage der unterschiedlichsten Bloggerwelten lässt sich hierbei kaum zusammenbringen. Entscheidend bei alledem dürften die Ziele sein, die der (künftige?) Verband hat. Ich bin gespannt darauf.
Kommentar von:
Michael Mayer
(28.05.07 22:25 Uhr)
@Klaus Eck:
Vielleicht möchten Sie ja mal einen Blick in den Satzungsentwurf werfen? Den kann man finden unter: http://vuwawiki.acc.de/VUWAWIKI/index.php/Hauptseite
Die zeitlich primäre Zielrichtung ist es den "kleinen" Blogger vor der Abzocke durch das "Abmahnunwesen" zu schützen. Darüber hinaus sind viele Themen vorstellbar. Evtl. eine Aktion "Fair zitieren", um Abmahnungen und Steit, die gerechtfertigt sein könnten klug vorzubeugen. etc. pp.... Warum machen Sie eigentlich nicht gleich mit? ;-) Ihre Erfahrung wäre hochwillkommen!
Vielleicht möchten Sie ja mal einen Blick in den Satzungsentwurf werfen? Den kann man finden unter: http://vuwawiki.acc.de/VUWAWIKI/index.php/Hauptseite
Die zeitlich primäre Zielrichtung ist es den "kleinen" Blogger vor der Abzocke durch das "Abmahnunwesen" zu schützen. Darüber hinaus sind viele Themen vorstellbar. Evtl. eine Aktion "Fair zitieren", um Abmahnungen und Steit, die gerechtfertigt sein könnten klug vorzubeugen. etc. pp.... Warum machen Sie eigentlich nicht gleich mit? ;-) Ihre Erfahrung wäre hochwillkommen!
Kommentar von:
fob marketing
Im Spiegel, im Best Practice Business Blog sowie im CIO Weblog wird momentan die Gründung eines Bloggerverbands beobachtet und kontrovers diskutiert.
Der Verband möchte quasi die Funktion einer Gewerkschaft und Rechtsschutzversicherung für Blogger ...
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Gefälligkeitsjournalismus um Traffic zu generieren finde ich eine sehr belustigende Hypothese. Vielleicht läßt sich das sogar zu einer hochkomplexen Verschwörungstheorie ausbauen in der erklärt wird, wie ich davon profitiere, wenn mein kleines werbefreies Blog durch einen Link von Spiegel-Online unter der Last der Zugriffe zusammenbricht.
Aber vielen Dank für Ihre Fragen. Weil Sie selbst keine Antworten finden konnten, schreibe hier mal ein paar auf:
F: Brauchen wir überhaupt so einen Verein?
A: Natürlich geht es grundsätzlich auch ohne. Speziell wenn Geld keine Rolle spielt und man sehr viel Zeit und gute Nerven hat, kann man Abmahnungen gelassen entgegensehen. Selbst dann kann eine Interessenvertretung kaum schaden. "Verein" klingt zugegeben furchtbar. Diese Rechtsform bietet sich aus juristischen Gründen an.
F: Will da nur jemand sein Süppchen kochen?
A: Meine Süppchen koche ich lieber zuhause. VUWA steht für alle Privatleute offen, die gerne ihre Meinung öffentlich äußern. Die sind jederzeit gerne eingeladen mitzumachen. Wenn Sie Anregungen haben, nur zu!
F: Wie realistisch ist eine Rechtsschutzversicherung für Abmahnungen?
A: Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Ich weiß nur daß es bislang keine gibt und bin sicher, daß es auch so bleiben wird, wenn man sich nicht gemeinsam dafür einsetzt. Genau das ist unser wichtigstes Ziel.
F: Warum findet in der Bloggosphäre keine Diskussion statt, bevor man mit der Gründung beginnt?
A: Die Diskussion hat schon vor Monaten stattgefunden. Leider war die Beteiligung nicht besonders hoch. Tenor war, "finde ich gut, habe aber keine Zeit aktiv daran mitzuarbeiten".
Abschließend noch eine Frage an Sie, lieber Wolfgang:
Wenn Sie sich für VUWA so sehr interessieren, daß sie dem Projekt einen Artikel widmen, was hat Sie davon abgehalten Michael Mayer oder mich zu kontaktieren? Ich dachte immer Journalisten wären besonders neugierig.