Von China lernen, heißt spionieren lernen

Hendrik Thalheim, Pressesprecher der Bundestagsfraktion der Linken, erinnert sich angesichts der Aufregung über die angebliche Ausspähung der deutschen Regierungs-PCs durch "chinesische Trojaner" an einen alten Kinderspruch: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andren zu". Denn auch die Bundesregierung plant ja mit Hilfe von "Remote Forensic Software" (RFS) – wie der "Bundes-Trojaner" nun beschönigend genannt wird, das Ausspähen fremder Rechner.
Frau Merkel – so Thalheim – habe jetzt zwei Optionen: 1. Weil der Schutz vor Trojanern für die Bevölkerung, wie für Wirtschaft und Ministerien gleichermaßen wichtig ist, könne die Bundeskanzerlin die Regierungspläne für die Online-Durchsuchungen per Softwarespion beerdigen und so auch mit hoher Glaubwürdigkeit gegen "chinesische Schnüffelei" eintreten. Option Nummer zwei würde immerhin dem Bundeshaushalt Geld sparen: Statt hohe Summen für die Entwicklung eines deutschen Bundes-Trojaners auszugeben, könne Angela Merkel bei ihrem aktuellen Staatsbesuch in China dort günstig einen Trojaner für das Bundeskriminalamt einkaufen. "Ich plädiere für die erste Option", meint der Linken-Sprecher.
Aber auch die Variante 2 hat was. Denn wie man zwei umfangreichen Papieren der Regierung entnehmen kann, die der Chaos Computer Club heute online gestellt hat, ist der Bundes-Trojaner "aufgrund des gegenwärtig verfügten Entwicklungsstopps noch nicht fertig gestellt". Ob sich das geplante Vorhaben technisch realisieren lassen wird, steht deshalb überhaupt nicht fest.
Die RFS der Chinesen scheint dagegen – wenn man der Boulevardpresse Glauben schenken darf – ganz gut zu funktionieren. Also warum nicht im Reich der Mitte billig einkaufen? Um Plagiate scheint es sich ja diesmal nicht zu handeln.