Verschlüsselung: Brauchen Fußball-Fans künftig zwei Decoder für den Empfang der TV-"bertragungen?
abgelegt im Archiv Freistil am 06.03.06
Nachdem die einem Konsortium von Kabelnetzbetreibern gehörende Sportrechte-Agentur Arena Ende Dezember vergangenen Jahres überraschend die Live-TV-Rechte erhalten hat und im Sommer den Bezahlsender Premiere als wichtigsten Geldgeber der Bundesliga ablösen wird, erwägt Arena beim Empfang der Live-"bertragungen per Satellit nun den Einsatz einer anderen Verschlüsselungstechnik als Premiere. Die Konsequenz: Der Großteil der bisher für Premiere geeigneten Digitalreceiver ist damit nicht kompatibel und müßte ausgetauscht werden.
Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von heute verhandelt Arena mit dem Set-Top-Boxen-Hersteller Technisat über eine Kooperation. Denn im Kabel kann der Arena-Mutterkonzern Unity Media die Verbreitung der Fußball-Spiele ab August selbst übernehmen, für die Pay-TV-Ausstrahlung über Satellit benötigt die Sportrechte-Agentur allerdings Hilfe. So soll es Gespräche mit dem Satelliten-Betreiber SES Astra in Luxemburg geben, der mit seinen Satelliten auf der Position 19,2° Ost und der Ex-Premiere-Tocher APS alle 1,8 Millionen Sat-Decoder von Premiere nutzen könnte. Allerdings würde sich Premiere - so die Erwartung - die Nutzung der eigenen Receiver- und Karten-Infrastruktur durch die Konkurrenz vermutlich gut bezahlen lassen.
Der zweite Arena-Verhandlungspartner, der Receiver-Produzent Technisat, baut auf das Verschlüsselungssystem Cryptoworks. Dieses System ist nicht kompatibel zu den Premiere-Decodern, die Betacrypt bzw. Nagravision integriert haben. Nur wenige Receiver verfügen neben dem Schlitz für die Premiere-Karte noch über eine Common-Interface-Schnittstelle, über die das Cryptoworks-System theoretisch nachgerüstet werden könnte.
Damit müssten Fußball-Fans, die die Bundesliga bei Arena und die Champions League bei Premiere schauen wollen, einen zweiten Sat-Receiver anschaffen. Das Verschlüsselungssystem Cryptoworks wird in Deutschland bisher nur vom eher unbedeutenden Pay-TV-Paket easy.TV eingesetzt. In Österreich ist das System jedoch weit verbreitet, da es der ORF zur Verschlüsselung seiner Satelliten-Fernsehprogramme einsetzt. Im Falle einer Kooperation zwischen Arena und Technisat könnte die ORF-Sendetechniktochter ORS in wien die Abwicklung übernehmen und die verschlüsselten Signale zum Satelliten schicken.
Sollte Arena sich für die Technisat-Lösung entscheiden, muss das Unternehmen zwar keine Lizenzgebühren an Premiere zahlen, stattdessen wird man den potenziellen Abonnenten aber wohl subventionierte Decoder anbieten müssen - ebenfalls ein erheblicher Kostenfaktor. Ein Kampf der verschiedenen Systeme dürfte zudem viele verunsicherte Fußballinteressierte abschrecken, die sich nicht zwischen den beiden Technologien entscheiden wollen. Und ein zweiter Decoder im Wohnzimmer stößt (abgesehen von den Kosten) bestimmt auch nicht auf Begeisterung.

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