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Verklagt Adobe Microsoft wegen PDF-Unterstützung in Office 2007?
abgelegt im Archiv Branchen News von wolfgang am 02.06.06
Verklagt Adobe Microsoft wegen PDF-Unterstützung in Office 2007?
Das "Wall Street Journal" berichtet heute, dass Microsoft eine Kartellklage von Adobe in Europa erwartet. Damit soll verhindert werden, dass im kommenden Büropaket "Office 2007" eine Unterstützung für das Dateiformat PDF angeboten wird. Viermonatige Verhandlungen zu diesem Thema - so das Blatt - seien gescheitert und diese Woche abgebrochen worden. Laut den Microsoft-Anwälten will "Adobe erreichen, dass die PDF-Unterstützung aus Office 2007 entfernt und stattdessen eine kostenpflichtige Zusatzsoftware angeboten wird, die das Abspeichern von Dateien im PDF-Format ermöglicht".

Angeblich hat Microsoft diesem Verfahren zugestimmt, ist aber nicht dazu bereit, für das zusätzliche Angebot Geld zu verlangen. Adobe nahm offiziell bisher nicht zu dem Streitfall Stellung, verweist aber auf Äußerungen von Firmenchef Bruce Chizen. Der hatte bereits vor einiger Zeit in einem Interview davor gewarnt, dass Microsoft sein Monopol bei PC-Software missbrauchen könne. (Nachtrag: Inzwischen hat Chizen auch zur aktuellen Situation Stellung genommen: Speaking at the World Business Forum in Chicago on Tuesday, Adobe Chief Executive Bruce Chizen said his company may file a lawsuit or complaint with government regulators about Microsoft. "Free is good - unless free ends up eliminating the competition and the consumer ultimately ends up with less choice," Chizen said.)

Adobe stellt die technischen Spezifikationen für das PDF-Format frei zur Verfügung und erlaubt es damit anderen Herstellern, Software zum Lesen und Schreiben von PDF-Dokumenten zu entwickeln. So verfügt etwa die OpenSource-Bürosoftware OpenOffice über diese Fähigkeit. "Auch in Microsofts Betaversion von Office 2007 ist eine solche Funktion enthalten, doch muss sie wohl nun entfernt werden", zitiert das "Wall Street Journal" einen "Microsoft-Vertreter". Brian Jones beschreibt in seinem Weblog den Vorgang aus Sicht eines Microsoft-Managers, der an diesem Projekt arbeitet.

Zum Hintergrund sollte man allerdings noch wissen, dass Microsofts neues Betriebssystem Vista das neue Dateiformat XPS (XML Paper Specification) enthält. Einige seiner Eigenschaften ähneln denen von PDF, Branchenkenner sehen deshalb eine ziemliche Konkurrenz zu Adobes Datenformat. ITWire versucht in einem Beitrag, Adobes Beweggründe zu erläutern: "Allowing Microsoft Office 2007 to integrate PDF document creation is quite something else. With about 90% of the office productivity suite marketshare, the inclusion of PDF files creation in Office 2007 would all but decimate Adobe's low-end Acrobat business. To complicate matters further, Microsoft plans to include its own competing paginated document format XPS (XML Paper Specification) with Office 2007. Microsoft having the ability to freely create PDF files as well as Microsoft's own competing XPS files is obviously too much for Adobe to bear."

Ryan Stewart sieht in ZDNet auch einen Zusammenhang zur RIA-Strategie (Rich Internet Applications) von Adobe und dem geplanten Universal-Client Apollo: "I think that Adobe is betting a lot on Apollo, the universal client that will bring together PDF, Flash and HTML. This technology is going to be a big part of their RIA strategy and Microsoft and WPF are the biggest threat to that. It seems possible that Adobe could wrap some significant PDF functionality into Apollo. But cutting of Microsoft and leaving everyone else be, the 90% of people using Windows will have some incentive to download Apollo and further Adobe's RIA agenda."

Das IT-Blog und netzpolitik.org haben sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt. Und Franz Neumeier meint im Internet-Pro-Weblog: Adobe nutzt die Situation aus meiner Sicht doch nur dazu aus, um Wirbel um PDF zu machen. Denn eine mikrige "Save as PDF"-Funktion bedroht doch nun wirklich das Geschäft von Adobe in keiner Weise.

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