Twitter im Journalismus: Ich bin skeptisch

Im US-Blog ReadWriteWeb (von dem auch die lustige Birdreporter-Grafik hier stammt) geht man der Frage nach, wie sich der Microblogging-Dienst Twitter sinnvoll im Journalismus einsetzen lässt. Insgesamt kommen die Kollegen auf vier Punkte:
1. Recherche – spannende Nachrichten entdecken: Weil Twitter so einfach zu bedienen ist, schicken viele Leute bei spannenden Neuigkeiten erstmal eine Kurznachricht per Twitter, bevor sie einen längeren Beitrag bloggen. Findige Journalisten kriegen dadurch frühzeitig mit, wenn sich irgendwo was tut.
2. Interviews vorbereiten: Man kann vor einem Interview seine Follower fragen, welche Fragen man seinem Gegenüber denn stellen soll.
3. Qualitätskontrolle: Oftmals beschweren sich Leute nach Erscheinen eines Artikels über falsche Schreibweisen von Namen, falsche Zahlen oder andere Fehler. Die kann man vermeiden, wenn man kurz seine Follower dazu befragt.
4. Promotion: Neue Artikel kann man über Twitter bekanntmachen.
Bis auf den letzten Punkt, der mir sofort einsichtig ist, hege ich hier doch meine Zweifel über den Sinn des Twitter-Einsatzes. Um wirkliche Neuigkeiten im rasant anschwellenden Zwitscher-Strom zu finden, müsste man entweder gezielt nach Stichworten filtern oder ständig Unmengen von Kurzmeldungen im Blick haben. Das mit der Interviewvorbereitung könnte was sein, aber in der Regel habe ich sowieso schon mehr Fragen, als hinterher im veröffentlichten Text Platz finden. Warum soll ich dann also noch mehr stellen? Und auch der Punkt mit der Qualitätskontrolle erscheint mir nicht so sehr praktikabel zu sein – weder habe ich Lust dazu, unbezahlt irgendwelchen Journalisten ihre Arbeit abzunehmen, noch erwarte ich das von meinen Followern.
Also beschränke ich mich auf Punkt 4 und mache jetzt unter twitter.com/CIOBlogger Werbung für dieses Posting.
Und genau weil es sich auf Punkt 4 beschränkt, sind Journalisten Tweets so uninteressant. 1-3 bezweifle ich jedoch ebenso. Wenn ich Twitter-Enthusiasten höre, dann soll ja Punkt 1 die Magie ausmachen. Wie man die “Infos”, die man aus Twitter ziehen kann, jedoch wirklich effizient verdichten soll, konnte mir noch keiner erklären. Gut, ich bin bisher auch nicht lange dabei, vielleicht komm ich ja noch auf den Twitter-Trichter. Würde mich jedoch überraschen.