Twitter: Überflüssiges Spielzeug

Twitter: Überflüssiges Spielzeug

So entsteht ein Hype. Erst jubeln ein paar bekannte PR-Blogger aus den USA die Web 2.0-Anwendung hoch. Dann nutzt ein Präsidentschaftskandidat sie. Und seit heute nun auch bei uns: Ablehnende bis skeptische Stimmen und PR-Blogger, die Feuer und Flamme sind.

Die Rede ist von Twitter, dem angeblich ganz großen neuen Ding in der Web 2.0-Welt. Dabei handelt es sich um eine Plattform, auf der man per SMS, am PC oder Instant Messaging kurze Posts von maximal 160 Zeichen in ein persönliches Tagebuch schreiben kann. Diese Einträge sind wie in einem Blog chronologisch geordnet und enthalten meist so interessante Informationen wie "Ich gehe jetzt in die Kneipe" oder "Bin gleich am Bahnhof und fahre im ICE nach Berlin".

Das können dann andere Leute lesen und den Kontakt herstellen, weil sie auch in dem Zug sitzen oder mit einem in der Kneipe ein Bier trinken wollen. Außerdem werden vorher festgelegte Personen ("Buddies") automatisch per SMS über jeden neuen Eintrag informiert. Auf dass sie sich spontan zu einem Kneipenbesuch oder zu einer Zugfahrt nach Berlin animieren lassen. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Ich beobachte die Tagebücher anderer Leute (weil ich ja sonst nichts zu tun habe) und stelle bei Bedarf den Kontakt zu ihnen her.

big brother is watching You – dieses Horrorgemälde aus dem letzten Jahrtausend wird damit im Web 2.0 Wirklichkeit. Nur halt auf freiwilliger Basis. Wem so was Spass macht, der soll es machen. Mir wäre das schon viel zu stressig, der uninteressierten Außenwelt ständig mitzuteilen, was ich gerade so tue. Und "echte Chancen für Kommunikatoren und Kampagnen" sehe ich bei diesem überflüssigem Spielzeug auch nicht. Aber es wird bestimmt nicht lange dauern, bis auf Anraten von Edelmann & Co die ersten Markenartikler ihre Schnitzeljagden mit Twitter veranstalten.


Posted on Sonntag, März 11th, 2007 at 15:31 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

4 Responses to “Twitter: Überflüssiges Spielzeug”

  1. Franz Patzig sagt:

    Eine entscheidendes Feature vergessen: Man kann anderen Twitter Mitgliedern auch private Nachrichten senden. So erhält er diese auch per SMS, ohne dass sie jemand sonst lesen kann. Das würde bei, wäre ich Mobilfunkbetreiber, den Angstschweiss auf die Stirn treiben.

    Ich finde Twitter klasse, man entscheidet auch selbst was man preisgibt.

    Verzeihung, aber ich glaube du hast das Ding nicht 100% verstanden.

  2. CIO-Blogger sagt:

    Wieso treibt das den Mobilfunkbetreibern den Angstschweiß auf die Stirn? Die verdienen doch an jeder SMS, die über das System an ein Handy verschickt wird.

  3. Franz Patzig sagt:

    Die kommen aber aus England (+44), kostet bei mir nix! Aber das ist nicht der eigentliche Punkt. Das wichtige ist, dass auch eine direkte Kommunikation möglich ist, die kostenfrei ist.

  4. Versi sagt:

    Auch wenn Robert am Dauerbloggen zu dem Dienst ist als sei er damit verbunden … das ist totaler Müll und braucht wirklich kein Mensch

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