T-Systems: Stolpert auch Lothar Pauly über die Siemens-Affaire?

Im Moment kommt es für T-Systems-Chef Lothar Pauly ganz dick: Nicht nur der Streik bei der Telekom und die konkreter werdenden Gerüchte über eine Zerschlagung des Unternehmens setzen ihm zu, auch seine Verwicklung in die Siemens-Korruptionsskandale scheinen sich zu bewahrheiten.
So berichtet dér "Focus" morgen, dass ein ehemaliger Mitarbeiter Paulys – der für die Verteilung von Millionenbeträgen an ausländische Geschäftsanbahner zuständig war – gegenüber der Münchner Staatsanwaltschaft den Ex-Bereichsvorstand der Siemens-Telekommunikationssparte belastet hat. Lothar Pauly habe ihm direkte Zahlungsanweisungen erteilt. Diese Aussage werde laut dem Bericht auch durch interne E-Mails gestützt, in denen ein Vermittler aus Honkong in Zusammenhang mit Siemens-Geschäften mit dem chinesischen Mobilfunkanbieter Unicom Millionenzahlungen bei Pauly einfordert, die dieser auch genehmigt haben soll.
Der heutige Telekom-Vorstand bestreitet die Vorwürfe und sieht die Zahlungen "als völlig legale Provision". Wenn die Staatsanwaltschaft das anders einschätzt, dürften die Tage von Lothar Pauly an der T-Systems-Spitze gezählt sein. Zumal sich die Gerüchte über eine Zerschlagung des IT-Dienstleisters, dessen Umsatz im ersten Quartal 2007 verglichen mit dem gleichen Zeitraum im letzten Jahr um 5,1 Prozent auf 3,06 Milliarden Euro schrumpfte, verdichten. Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Capital muss Pauly bis Juli dem Telekom-Vorstand einen Kandidaten präsentieren, der bereit ist, den Großteil der IT-Sparte in Form eines Joint Ventures zu übernehmen.
"Strategisch lohnend wäre der Deal für große US-Wettbewerber wie EDS oder accenture, die weltweit deutlich mehr als zehn Milliarden Euro IT-Umsatz machen", spekuliert das Magazin. Auch indische Firmen wie Tata-Systems, die erst langsam auf den globalen IT-Markt vordringen, könnten Interesse haben. Knapp 10 Firmen – so Capital – stehen auf der Liste der potenziellen Käufer.
T-Systems setzt derweil erst einmal auf eine Imagekampagne – etwa zum Thema "Sex am Arbeitsplatz", wie der Female-Blog der Bluestone AG mutmaßt.
Manche Schatten sind eben doch länger als mancher so glaubt