TRIZ: Kreativität mit System
abgelegt im Archiv Strategie am 12.08.07
Ich wollte mich ja am Blog-Karneval "Kreativtechniken" von off the record mit dem Thema TRIZ beteiligen. Kurz vor der Deadline morgen Abend nun ein Posting dazu. Bei der Recherche war ich wirklich erstaunt, wie viel Websites sich mit dieser Methode beschäftigen: Mehr als 100.000 Treffer vermeldet Google alleine in deutscher Sprache. Auf russisch sind es sogar 150.000.
Denn die Kreativitätstechnik TRIZ kommt ursprünglich aus der Sowjetunion und heißt im Original "теория решения изобретательских задач", was übersetzt "Theorie des erfinderischen Problemlösens" bedeutet. Der 1926 in Taschkent geborene Genrich Saulowitsch Altschuller entwickelte im Laufe der Jahre einen Baukasten von Lösungsmethoden, dessen Kern aus der Analyse von vielen Tausenden Patenten besteht. Altschullers zentrale Erkenntnis: Es gibt zwar unendlich viele Probleme, aber nur eine begrenzte Anzahl von Lösungen. 40 Grundideen fasste er schließlich zu einem Regelwerk zusammen.
Um damit effektiv arbeiten zu können, ist mindestens ein zweiwöchiger Lehrgang nötig. Deshalb erspare ich mir hier die Details. Nur soviel: Altschuller ging davon aus, dass eine Erfindung immer die Lösung eines vorhandenen Widerspruchs ist. Der muss zunächst erkannt und formuliert werden. Dazu hat er eine Widerspruchsmatrix entworfen, die 39 technische Parameter mit den 40 innovativen Grundprinzipien kombiniert. Der Anwender wird mit Hilfe dieser Widerspruchsmatrix zielgerichtet von seinem speziellen technischen Konflikt auf die geeigneten innovativen Grundprinzipien geleitet, die zu seiner Aufgabenstellung passen.
Am Beispiel der Computertastatur kann man das Prinzip verdeutlichen.
Ausgangssituation: Eine Computertastatur soll gleichzeitig leicht und haltbar sein.
Problemstellung: Wird die bestehende Tastatur noch leichter gemacht, leidet die Haltbarkeit. Diesen Konflikt gilt es zu lösen.
Widerspruchsmatrix: Die Widerspruchsmatrix gibt folgende innovative Grundprinzipien:
- Grundprinzip Abtrennen - Entfernen des störenden Teiles und Konzentration auf die Hauptfunktion.
z. B. die Entfernen der Mausfunktion, Displays, ... die primär nichts mit der Funktion der Tastatur zu tun haben.
- Grundprinzip Billige Kurzlebigkeit - Ersetzen des teueren Systems durch ein kostengünstigeres, wodurch sich aber z. B. die auf Langlebigkeit verzichtet wird. Z. B. Einsatz leichterer Materialien oder geringerer Dimensionen, auf Kosten der Langlebigkeit (etwa für Hobbynutzer, die nicht viel tippen).
- Grundprinzip Poröse Materialien - Gestalten eines Objektes porös oder zufügen von porösen Materialien zur Gewichtsreduzierung. Etwa Lufteinschlüsse im Material, das die Festigkeit durch die Wabenstruktur trotzdem behält.
Die Widerspruchsmatrix erfüllt damit zwei Funktionen: Man muss sich auf den Kernkonflikt konzentrieren und bekommt dann zielgerichtet potenzielle Lösungsansätze. Und sie unterstützt die Ausformulierung und Umsetzung der konkreten Lösung. Während die weitverbreitete Brainstorming-Methode zwar sehr viele, aber oft nur drittklassige Ideen hervorbringt, liefert TRIZ nur wenige, dafür aber umsetzbare Vorschläge.
Genrich Saulowitsch Altschullers Methode war in der Sowjetunion die meiste Zeit verpönt, teilweise musste er sie im sibirischen Straflager oder im Untergrund weiterentwickeln. Nur zwischen 1954 und 1974 konnte sich TRIZ im ganzen Land ungestört verbreiten. In der DDR wurde die Methode dagegen auch noch später an Erfinderschulen gelehrt. Sie passte schließlich auch ganz gut zur Hegelschen Dialektik (These, Antithese, Synthese).
Während Altschuller, der 1998 starb, sein Wissen immer als OpenSource der Allgemeinheit zur Verfügung stellte, begann nach dem Zerfall der UdSSR das Big Business mit TRIZ. Denn etliche große Konzerne in aller Welt - aus dem IT-Bereich z.B. AMD, GE, HP, Intel, Motorola, Samsung oder Siemens - setzen sie in ihren Forschungs- und Entwicklungsmethoden ein. Für zahlreiche Trainingsanbieter, Hersteller von Softwaretools oder Buchautoren ist dadurch ein lukratives Geschäftsfeld entstanden.
Der TRIZ-Problemlösungsansatz - ursprünglich vor allem auf Technologie-Erfindungen angewendet - wird heute auch für nichttechnische Bereiche wie Logistik, Personalmanagement und Marketing als denkmethodisch universelle Methode betrachtet. Wer kreativ sein will und das nicht nur aus dem Bauch heraus, sollte sich damit auf jeden Fall auseinandersetzen. Hier gibt es jede Menge weiterführende Links.

Permalink: TRIZ: Kreativität mit System
Tags: Kreativitätstechniken TRIZ Altschuller
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Wong
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