Spiegel Online zur Web 2.0-Diskussion
Damit war leider zu rechnen: Auch Spiegel Online mischt sich nun mit einem Beitrag in die Diskussion um das Web 2.0 ein. Unter der "berschrift "Ich wär so gern Pixelmillionär" heißt es da "Als ob niemand aus der mit lautem Knall geplatzten Dotcomblase gelernt hätte, wispert und schwurbelt es mittlerweile an vielen Ecken und Enden über den neuesten Hype: Social Software, Web 2.0 und was der klingenden Namen mehr sind…. Mit schick formuliertem Neusprech und entsprechendem Etat können Marketing-Spezialisten bekanntlich aus Nichts wunderbare Welten erschaffen."
Das kennen wir doch schon alles von DonAlphonso und Thomas Knüwer. Der Computerwoche-Redakteur Wolfgang Sommergut greift jetzt in diese "trostlose deutsche Debatte über Web 2.0" ein und äußert ein paar sehr richtige Gedanken:
"Während in den USA grundlegende Aufsätze wie jener von O'Reilly, zu ajax oder Folksonomies den Boden für das Social Web bereiteten, gab es bei uns keine eigenständige Auseinandersetzung mit den neuen Entwicklungen im Web. Mit einiger Verspätung wurde schließlich hier die amerikanische Diskussion bruchstückhaft rezipiert. Um sich Vorurteile bilden zu können, reicht das aber offenbar. Einer intellektuell anspruchsvolle Debatte fehlten bei uns allerdings die realen Grundlagen."
Und nicht nur das. Wenn sich bei uns tatsächlich jemand an die Umsetzung von neuen Ideen macht, darf er mit Spot und Häme rechnen. Oder er wird als Phantast und Abzocker tituliert.
Wolfgang Sommergut schreibt dazu: "Und diejenigen, die jetzt vor einer neuen Blase warnen und sich schon wieder in einer Dotcom-Phase wähnen, sollten nicht vergessen, dass das Web 1.0 nicht nur Abzocke und Schwindel war. Amazon, Ebay, Google oder Yahoo entstanden in dieser Zeit. Europäische oder deutsche Gegenstücke dazu gibt es indes nicht. Und bei der nächsten Welle von Web-Companys sieht es nicht besser aus. Aber dafür gibt es bei uns jede Menge Leute, die genau wissen, dass das alles nur eine Blase ist. Wir bräuchten stattdessen ein paar mehr von denen, die Ideen, Talent und den Willen zum Erfolg haben – und mehr solche, die ihr Geld als Venture Capital zur Verfügung stellen, anstatt es in Steueroasen zu deponieren."
Und ein bischen mehr Marketing könnte auch nicht schaden. Es gibt in Deutschland jede Menge guter Ingenieure – siehe die Entwicklung von MP3. Aber die Umsetzung in funktionierende Geschäftsmodelle geschieht woanders auf der Welt. Wenn das Label "Web 2.0" dabei hilft, originelle Ideen in die Realität umzusetzen – auch mit Hilfe von Venture Capital – ist das gut und sollte nicht durch eine unsägliche Diskussion schon gleich am Anfang wieder tot geredet werden.
Ich glaube, die Diskussion geht in die falsche Richtung:
http://www.storyblogger.de/?p=47