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Web 2.0
von wolfgang am 10.07.08

© Paleontour
Ich fühle mich soweit ja noch fit und gesund. Aber offensichtlich bereitet sich die erste Generation der Internet-User so langsam auf das Jenseits vor. Anders ist wohl kaum zu erklären, dass die Web 2.0-Angebote zum Totengedenken derzeit nur so aus dem Boden schießen. Wie beispielsweise die Straße der Besten, Memoseo oder trauer.de - letzteres ein Gemeinschaftprojekt der Verlagsgruppen WAZ, Ippen und Georg von Holtzbrinck, die offensichtlich das Geschäft mit herkömmlichen Todesanzeigen in ihren Blättern in die Zukunft hinüberretten wollen.
"Derzeit versterben in Deutschland pro Jahr etwa 850.000 Menschen und für sie werden über 400.000 Traueranzeigen geschaltet", beschreibt Martin Kunz den "Zukunftsmarkt" für clevere StartUps. Und so hat der Focus-Redakteur zusammen mit einem Programmierer jetzt eMorial gestartet, wo Privatpersonen, Vereine und Firmen Erinnerungsseiten für Verstorbene anlegen können.
"Dies ist eine Investition in die Ewigkeit, denn das Internet bietet wunderbare Möglichkeiten, die Erinnerung an Angehörige aufrecht zu erhalten", verkündet Kunz in einer Pressemitteilung. Der Basis-Eintrag mit dem Namen, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen ist bei eMorial kostenlos. Gedenkseiten mit Texten, Dokumenten, Fotos, Audio- und Videodateien kosten dagegen einmalig 19 Euro. Schließlich muss der "erste multimediale Friedhof im deutschsprachigen Internet" (so die Eigenwerbung) auch von etwas leben.
Bei den Premium-Einträgen kann auch eine animierte Kerze aufgestellt werden, die dann langsam in sieben Tagen abbrennt. Der Besuch von emorial.de - so der Gründer - sei ein sinnliches, bildendes Erlebnis, "wie der Spaziergang durch einen weitläufigen, gepflegten Friedhof mit interessanten Gräbern, Inschriften und Biografien". Dazu gibt es bei dem Erinnerungsdienst mehrere hundert Biografien von toten Prominenten - von Leonardo da vinci über Inge Meysel bis zum 2007 verstorbenen Oscar-Preisträger Ulrich Mühe.
Und weil wir ja schließlich inzwischen Web 2.0 haben, können neben Texten, Dokumenten und Bildern auch Musikdateien und Videos mit den Gedenkseiten verknüpft werden. Jedes dieser "multimedialen Memorials" - so die Initiatoren des Projekts - lasse sich individuell gestalten und erhalte eine eigene Internetadresse. "Durch zusätzliche Web 2.0-Dienste können sich die Portal-Besucher informieren lassen und sich auch vernetzen", blickt Martin Kunz in die Zukunft. Social Networking auf dem Friedhof sozusagen.
Die Gründer des Münchner Startups erwarten, dass in den nächsten Jahren "ein erheblicher Prozentsatz von Trauernden digitale Memorials für Verstorbene anlegen wird". Und gestorben wird schließlich immer. Vielleicht setzt sich in Zukunft auch die gute, alte Sitte der Grabbeigaben wieder durch. Mit einem iPhone oder einem kleinen EeePC im Sarg und einem WLAN auf dem Friedhof kann der Gedanke des Social Networking dann auch im Jenseits fortgeführt werden.
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Kommentar von:
David G.
(10.07.08 14:25 Uhr)
Hat ja irgendwie etwas makabres...
Kommentar von:
manuel
(15.07.08 14:30 Uhr)
Markaber ist gar kein Ausdruck. Irgendwie seh ich es als Geldschneiderei an um den trauernden Hinterbliebenen auch noch Kohle abzuzocken.
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