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Siemens: Kommunikativer Rettungsschlag
abgelegt im Archiv Branchen News von wolfgang am 02.10.06
Siemens: Kommunikativer Rettungsschlag
Nachdem das Kind kommunikationstechnisch schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen schien, hat die Siemens-Führung am Wochenende zum Rettungsschlag ausgeholt. Angesichts von Benq-Desaster und nicht endenwollender Kritik an der 30%igen Erhöhung der Vorstandsbezüge (nur der Papst hat dagegen bisher noch nicht protestiert), entschied sich Konzernchef Klaus Kleinfeld zur Offensive:

- In einem Interview mit der Bild-Zeitung kritisierte er den taiwanesischen BenQ-Konzern massiv: "Wir finden die Vorgehensweise von BenQ in Deutschland inakzeptabel und helfen, so gut wir können. Wenn BenQ die Mitarbeiter im Regen stehen lässt, wollen wir aktiv tatkräftig helfen - und zwar schnell." Den Vorwurf, die Pleite der ehemaligen Siemens-Tochter sei ein abgekartetes Spiel gewesen, wies er scharf zurück.

- Auf die Erhöhung der Vorstandsbezüge wird verzichtet (aus Gründen der "Solidarität" mit den betroffenen Benq-Mitarbeitern - das wirkt sehr gut).

- Das eingesparte Geld (5 Mio. €) fließt in einen 30 Mio. €-Fonds des Konzerns, mit dem die Umschulung und Weiterbildung der gefeuerten Benq-Mitarbeiter finanziert werden soll.

- Die Unterstützung von Bundeskanzlerin angela Merkel wurde auch noch eingeholt. Die lobt Siemens jetzt als "Traditionsunternehmen mit einer besonderen Verantwortung".

Insgesamt ein sehr geschickter Schachzug. Und sicher nicht freiwillig. Es bewahrheitet sich wieder einmal der alte Spruch: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Es waren eine Menge unterschiedlicher Faktoren, die zur plötzlichen Meinungsänderung der Siemens-Spitze beigetragen haben. Die wütenden Kommentare vieler Belegschaftsmitglieder im internen CEO-Blog zählten bestimmt dazu.

Nachtrag: Wie sich die Bild-Zeitung für eine Exklusiv-Story als Transporteur des neuen Kleinfeld-Images einspannen lässt, breschreibt sehr schön das Weblog blogMedien.de.

Siemens-Pressesprecher Peik v. Bestenbostel wird darin so zitiert: "Es ist in der Tat so, dass wir uns aus Zeitgründen dazu entschlossen hatten, die Entscheidungen des Wochenendes über einen Exklusivbericht in der Bild Zeitung bekannt zu machen. Nur auf diesem Weg erschien es uns möglich, möglichst schnell eine weite Verbreitung der Informationen sicherzustellen."

Ein wirklich cleverer Schachzug, denn aus Dank wurden "die hässlichen Bilder vom gierigen Manager Kleinfeld bei BILD.de längst entfernt und auch in den Kommentaren gibt's inzwischen sogar verbale Streicheleinheiten für den kurz zuvor noch so sehr gescholtenen Topmanager".



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Tags: Siemens  Klaus+Kleinfeld  CEOBlog  Vorstandsbezüge  Hilfsfonds  Protest  KrisenPR 
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