Siemens Enterprise Communications: Wird Matlin Patterson neuer Eigentümer?

Siemens Enterprise Communications: Wird Matlin Patterson neuer Eigentümer?

Wenn man der "Financial Times Deutschland" (FTD) von heute Glauben schenken darf, ist der US-Finanzinvestor Matlin Patterson als einziger potenzieller Käufer von Siemens Enterprise Communications (SEN) übriggeblieben. Der Siemens-Konzern muss die als eigenständige GmbH ausgegliederte Sparte für Unternehmensnetzwerke bis Juni verkauft haben, da sie seit fast zwei Jahren als "nicht fortgeführte Aktivität" in der Bilanz steht. Gelingt der Deal nicht, darf der Konzern seine Bilanzen der letzten beiden Geschäftsjahre komplett neu schreiben und riskiert (weiteren) Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC.

Nach Angaben der FTD hat Matlin Patterson Zahlen und Management von SEN intensiv geprüft, es gebe aber noch viele ungeklärte Punkte. Finanzkreise würden für die jahrelang defizitäre Sparte mit einem negativen Kaufpreis rechnen, schreibt das Blatt weiter. Matlin Paterson dürfte zudem einen größeren Stellenabbau planen, da die Fertigung überwiegend in Deutschland stattfindet.

Die Erfahrungen beim ersten großen Projekt des amerikanischen Finanzinvestors in Deutschland geben zu wenig Hoffnung Anlass: In Folge der Übernahme der durch kriminelle Machenschaften ihres Managements insolvent gewordenen Geldtransportfirma Heros durch Matlin Patterson wurde anschließend ein Drittel der Arbeitsplätze angebaut.

Der US-Finanzinvestor ist auf den Erwerb angeschlagener Unternehmen spezialisiert. So stieg er beispielsweise vor Jahren beim großen US-Chemiekonzern Huntsman gegen eine Finanzspritze ein. Auch die Pleite gegangene brasilianische Luftfahrtgesellschaft Varig wurde von den Investoren übernommen.

In Deutschland finanzierte Matlin Patterson im Jahr 2004 den Kauf der Rollenoffsetsparte Heidelberg Web Systems (HWS) von der Heidelberger Druckmaschinen AG durch das US-Unternehmen Goss International. Damals verkündete David Matlin, CEO von Matlin Patterson und gleichzeitig größter aktionär von Goss International: "Matlin Patterson betrachtet alle Investitionen immer auf langfristige Sicht, und diese große Akquisition bildet eine starke Plattform für künftiges Wachstum." Trotzdem wurden auch hier im Anschluss an verschiedenen Goss-Standorten zwischen 20 und 40 Prozent der Stellen abgebaut.

Matlin Patterson sieht sich selbst als "Finanzinvestor, der auf komplexe Übernahmen spezialisiert ist". Erworbene Unternehmen werden restrukturiert und bilanziell neu aufgestellt. Nach sieben bis neun Jahren ziehen sich die Investoren wieder zurück. Beim Weiterverkauf erzielen sie, wenn alles planmäßig läuft, einen erheblichen Gewinn. Sollte es tatsächlich in den nächsten Monaten zu dem geplanten Deal mit Siemens kommen, dürfte auf die Sanierungspezialisten ein hartes Stück Arbeit zu kommen. Denn ein "zweites BenQ" kann sich der Münchner Konzern mit seinem ramponierten Image wohl kaum leisten.


Posted on Donnerstag, Februar 14th, 2008 at 11:42 and is filed under Branchen News. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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