Rottenneighbour.com unerreichbar: Zensur?
Nachdem ich am Freitag in der Rheinischen Post den Artikel über den virtuellen Pranger "Rotten Neigbour" gelesen habe und mir dabei aufgefallen ist, dass diese Seite offensichtlich auch in Deutschland bereits stark genutzt wird, wollte ich sie mir endlich auch mal anschauen. Doch was passierte? Der Server war (und ist immer noch) über meinen DSL-Anschluss von Arcor nicht erreichbar. Sowas kann ja mal vorkommen.
Doch was muss ich jetzt auf Basic Thinking lesen: "Das Nachbarschaftsbewertungsportal scheint offensichtlich seit gestern von zahlreichen deutschen Internetzugängen aus nicht mehr erreichbar zu sein. Betroffen sind u.a. Kunden der Telekom, Arcor und 1&1". An ein Technisches Problem mag man angesichts dieser konzertierten Aktion wohl nicht mehr glauben.
Also eine bewusste Sperre oder – anders ausgedrückt – eine Zensurmaßnahme. Nun sind die Inhalte auf "Rotten Neighbour" zum Großteil wohl ziemlich übel und gehen, wie Robert schon vor einiger Zeit gebloggt hat, mitunter sehr stark in Richtung Ausländerfeindlichkeit und Neonazi-Sprache. Damit soll und muss man sich auseinandersetzen und darf nicht einfach darüber hinwegsehen. Aber ob das klammheimliche Abklemmen der Site hier der richtige Weg ist? Findige Köpfe werden ohnehin schnell Wege zeigen, wie man trotzdem darauf zugreifen kann. Und für den Betreiber ist das Ganze womöglich noch eine kostenlose PR-Aktion.
Wenn man zu einem solch drastischen Schritt greift, muss man ihn offen kommunizieren und an den Inhalten festmachen. Erst wenn tatsächlich eine Diskussion darüber stattgefunden hat, darf eine solche gravierende Maßnahme stattfinden. Denn wer garantiert einem sonst, dass Telekom, Arcor, 1&1 und Co. nicht bei nächster Gelegenheit wieder eine Website abschalten, die ihnen – aus welchen Gründen auch immer – nicht passt. Die Verfügbarkeit von Internet-Inhalten darf nicht von technischen Dienstleistern abhängen, die ohne demokratische Legitimation einfach nach Gutdünken den Schalter umlegen.