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RFID - Die beste Erfindung seit dem geschnittenen Brot?

abgelegt im Archiv Gastkommentare am 01.02.06

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Gastkommentar von Dr. Thorsten Wichmann*Dem Thema RFID zu entkommen, wird zunehmend schwieriger. Nicht nur zahlreiche Beiträge in IT- oder Logistikzeitschriften, sondern auch zahlreiche Veranstaltungen und Verbandsaktivitäten tragen zum zunehmenden Stimmengewirr bei. Ist das jetzt alles nur Hype? Oder sind die kleinen Funkchips wirklich - wie es einige Stimmen suggerieren - die beste Erfindung seit dem geschnittenen Brot, eine Erfindung, die Logistik und Transportketten revolutionieren wird?

Wer sich das Thema etwas genauer ansieht - wir haben das vor ein paar Monaten für RFID in der Pharmabranche getan -, der sieht sehr schnell unterschiedliche Diskussionen, die sich zwar alle mit RFID beschäftigen, aber eigentlich unterschiedliche Dinge meinen. Da ist zum einen die etwas undifferenzierte "RFID ist die Zukunft"-Sichtweise.

Eines der meistdiskutierten Szenarien in dieser Diskussion: Der Einsatz im Supermarkt an der Kasse. Mit dem Einkaufswagen langsam am Terminal vorbeigefahren, und schon steht zeit- und personalsparend der Einkaufsbetrag fest. Der Metro Future Store hat sicherlich maßgeblich zu diesem Bild von RFID in der ffentlichkeit beigetragen, in der Realität spielt dieses Szenario aber (noch) keine große Rolle.

Deren Vertreter sehen als letzte Hürde für die Omnipräsenz von RFID den immer noch relativ hohen Preis für die Funketiketten selbst. Sobald der Preis für Funketiketten deutlich sinke, so wird das Szenario oft weitergesponnen, werde RFID sich überall durchsetzen. Am Ende sehen die Visionäre RFID überall, sogar in der Pizza, die dem Ofen anhand des RFID-Chips die notwendige Backzeit übermittelt.

Eine etwas realitätsnähere Diskussion dreht sich um spezifische RFID-Anwendungen, oft mit einem logistischen Bezug. Hier geht es meistens um sehr konkrete Anwendungen in einem Unternehmen oder einer kleinen Gruppe. Hier bietet die Nutzung von Funkchips die Möglichkeit, für einen besseren Informationsfluss zu sorgen. Krankenhäuser, die ihre Patienten mit RFID-Armbändern versehen, um Patienten mit Patienteninformationen fehlerfrei verknüpfen zu können; Brauereien, die ihre Fässer mit RFID-Chips versehen und so den Standort auf dem Gelände leichter feststellen wie auch die zurückkommenden Leerfässer genau einem Kunden zuordnen können; oder Holzfällerbetriebe, die anhand von RFID-Etiketten an Baumstämmen den Transport der Stämme nachvollziehen und den Schwund vermindern können.

RFID wird hier für ganz konkrete Aufgaben mit einem vergleichsweise hohen erwarteten Nutzen eingesetzt. Deshalb lohnt sich der Einsatz auch bei vergleichsweise hohen Preisen für die Etiketten selbst. Die fallen in einem geschlossenen System mit Anschaffungskosten für die notwendige Hard- und Software ohnehin nicht so stark ins Gewicht.

Für den Einsatz von RFID-Technologie sprechen in diesen Beispielen besonders die Geschwindigkeit, die Fehlerfreiheit und die Robustheit der Funketiketten, die für diese Art der automatischen Datenerhebung erst einen Business Case ermöglichen. Die beste Lösung unterscheidet sich hier von Fall zu Fall. Notwendig ist also eine sehr detaillierte und bodenständige Analyse von Nutzen und Kosten des RFID-Einsatzes. abseits des RFID-Hypes finden solche Abwägungen auch zunehmend in Unternehmen statt.

Eine dritte Diskussion schließlich beschäftigt sich mit eher größeren Track- und Trace-Lösungen innerhalb einer Branche oder einer Warenkette. Hier geht es darum, einzelne Gegenstände auf ihrer Wanderung durch die Warenkette nachverfolgen zu können. Die Nutzung von RFID im Gesundheitssektor zur Verhinderung von Produktfälschungen ist ein Beispiel für eine derartige Diskussion. Auch hier laufen die Branchendiskussionen etwas abseits der breiten ffentlichkeit mittlerweile vergleichsweise sachlich und nüchtern ab.

Denn eigentlich ist RFID in diesen Szenarien meistens nur eine Technologie von vielen. Barcodes und Barcode-Lesegeräte liefern oft einen ähnlichen Nutzen. Die erste Herausforderung liegt vielmehr darin, sich zwischen den betroffenen Unternehmen auf die benötigten Informationen über ein Produkt zu verständigen. Dazu gehört bei Medikamenten z.B. eine eindeutige Identifikation des Medikaments, das Verfallsdatum und die Chargennummer (um z.B. Medikamente zurückrufen zu können). Wenn diese Informationen standardisiert auf jede Packung aufgebracht werden, dann können sie auch elektronisch ausgelesen und weiter verarbeitet werden. Ob das Auslesen über normale Barcode-Lesegeräte oder RFID erfolgt, ist zunächst einmal nebensächlich.

Die zweite Herausforderung ist dann der Aufbau eines Dienstes, der diese Informationen Mehrwert schaffend zur Verfügung stellt. Solche Dienste gibt es auch ohne RFID und Barcodes, wie der Informationsdienst des European Egg Consortiums (EEC) zeigt. Auf Basis einer europaweit eindeutigen Angabe des Erzeugerbetriebes als Stempel auf dem Ei ermöglicht der Dienst die Rückverfolgung eines jeden Eis in Europa zum Herstellerbetrieb -- auch für jeden Konsumenten. Kontrollen in den Betrieben und an Verkaufsstellen sowie von den Eierproduzenten zu liefernde wöchentliche Statistiken sorgen für eine weitere Transparenz und somit letztendlich für bessere Qualität.

Viele interessante Anwendungsbereiche von RFID gehören zu den letzten beiden Gruppen. Sie bilden den eigentlichen großen Nutzen dieser neuen Technologie. RFID in der Pizza ist im Vergleich dazu nur die Spitze des Eisbergs.

*Dr. Thorsten Wichmann ist Gründer und Geschäftsführer von Berlecon Research. Er forscht und publiziert seit Beginn der 90er Jahre zur Entwicklung und den wirtschaftsrelevanten Auswirkungen neuer Medien und Informationstechnologien. Er betreibt ein eigenes Weblog.

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Tags: RFID  Belecon  rfid  beste  seit  seit+geschnittenen  erfindung+seit  geschnittenen+brot 

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