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Freistil
von wolfgang am 16.05.08

Vor etwas mehr als zwei Monaten habe ich über das "Projekt Deutschlandreise" berichtet, ein rollendes Event-Blog des Chipherstellers Intel. PR-mässig von der Agentur Häberlein & Mauerer betreut, fahren die beiden Videofilmer Thorsten Wehner und Nik Schäffler im Auftrag des US-Unternehmens Intel in einem VW "bulli" (Baujahr 1974) quer durch Deutschland. Unterstützt werden sie von Thomas Wanhoff - freier Journalist, Podcaster und Berater - als "Streckenposten". Auftrag der beiden "Innovationsreporter": Versteckte Entwicklungen aus mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu entdecken und darüber im Video-Blog zu berichten.
Das ist eigentlich durchaus ein gelungenes Beispiel für Corporate Blogging - mit offenem Visier und recht kurzweilig. Da man den Absender kennt, wundert einen die Auswahl der besuchten Firmen und die immer mal wieder auftauchende Werbung für Intel nicht. Doch nun erscheint das Projekt plötzlich auf der Website WELT ONLINE des gleichnamigen Springer-Blattes. Mit folgender Ankündigung:
Der Journalist Thorsten Wehner und sein Kameramann Nik Schäffler haben sich für WELT ONLINE auf die Suche nach innovationsfreudigen Unternehmen in Deutschland begeben. Im Fokus standen relativ unbekannte, mittelständische Unternehmen. Darüber berichten Sie regelmäßig in diesem Videoblog und auf ihrer eigenen Internetseite.
Mit etwas detektivischem Gespür gelangt man über den eingefügten Link auf die von Intel gesponserte Seite und erkennt den wahren Auftraggeber. Wer sich nur mit den Reportagen auf WELT ONLINE begnügt und nicht nachforscht, glaubt an einen redaktionellen Beitrag.
Wer zieht hier wen über den Tisch?
Hat die PR-Agentur im Auftrag der WELT ONLINE-Redaktion eine kostenlose Reportage-Serie untergejubelt und die hat begeistert zugegriffen?
Oder fand die Redaktion das Ganze so toll, dass sie es ohne Nennung des Auftraggebers als eigene redaktionelle Leistung verkauft?
Oder haben die beteiligten Journalisten ihr Projekt WELT ONLINE als Zweitverwertung angedreht (was angesichts der üblichen Honorare nicht so verwunderlich wäre).
Fragen über Fragen. Auf jeden Fall kein Musterbeispiel für den vielbeschworenen "Qualitätsjournalismus". Der Medienjournalist Stefan Niggemeier, dem die Undercover-Aktion aufgefallen ist, wartet auf jeden Fall noch auf eine Antwort aus dem Hause Springer.
Trackback: http://publish.creative-weblogging.com/publish/mt-tb.pl/123523
Wong
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