PR-Coup: Video von Hinrichtung macht Saddam Hussein zum Internet-Star

PR-Coup: Video von Hinrichtung macht Saddam Hussein zum Internet-Star

Ein Blick auf die Hitlisten bei Technorati oder YouTube zeigt es: Der gehenkte irakische Diktator Saddam Hussein wird als "Dead man walking" zum Internet-Superstar. Alleine bei YouTube sind inzwischen fast 7000 Videos zu ihm zu finden. Vor allem das mit einem Handy aufgenommene Video von seiner Hinrichtung sorgt für Rekordabrufzahlen. Bezeichnenderweise ist es meist in der Rubrik "Entertainment" abgelegt.

Für die irakische Regierung und ihre amerikanischen Hintermänner dürfte dieses Beispiel für "User Generated Content" eines bisher noch unbekannten "Citizien-Journalist" allerdings noch böse Folgen haben. Denn der mit dem Mobiltelefon gefilmte Wortwechsel vor der Hinrichtung und die Umstände seines Todes (Unterbrechung des Gebetes) tragen dazu bei, einen Märtyrermythos um Saddam Hussein zu stricken. Nicht als ein für seine Untaten von einem ordentlichen Gericht zum Tode verurteilter Massenmörder erscheint der Ex-Diktator, sondern als Opfer der Besatzungsmacht und ihrer Marionetten.

"Wenn die Umsetzung dieses Images gelingt, handelt es sich um einen der den größten politischen PR-Coups des Informationszeitalters: Wenn nämlich aus einem skrupellosen Kriegstreiber und Massenmörder posthum ein Märtyrer für den Glauben wird", schreibt der ehemalige CIA-agent und Irak-Kenner Robert Baer in einem Kommentar für die Online-Ausgabe des US-Magazins "Time".

Irakische Blogger teilen diese Befürchtung. Ob Satire-Videos wie dieses, die Saddam auf dem Weg zur Hölle oder im Gespräch mit dem Teufel zeigen, da noch etwas daran ändern können, scheint fraglich. Das Web 2.0 hat seine eigenen Superstars.


Posted on Dienstag, Januar 2nd, 2007 at 13:34 and is filed under Freistil. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

3 Responses to “PR-Coup: Video von Hinrichtung macht Saddam Hussein zum Internet-Star”

  1. Torsten sagt:

    Macht eine Handykamera einen “Citizen Journalist”? Dieses Video ist kaum ohne Kenntnis der Verantwortlichen entstanden.

    Den “größten PR-Coup” sehe ich auch nicht, das ist das altbekannte Spiel von Inszenierung und Gegen-Inszenierung. Die Terroristen publizieren schon seit Jahren wacklige Videos ihrer Anschläge. – diese Form scheint daher ein akzeptiertes Medium zu sein.

    Noch eins: Egal, wie die Hinrichtung publiziert worden wäre, es wären immer Märtyrer-Gerüchte aufgekommen.

  2. CIO-Blogger sagt:

    @Torsten: Das mit dem “Citizen Journalist” war eher satirisch gemeint. Ich gebe Dir recht, dass die Erstellung und Verbreitung des Videos sicher mit Absicht geschehen ist. Nur, wer hat hier welches Interesse? Vielleicht stimmt ja Deine Theorie, dass die irakische Regierung – oder bestimmte Kreise darin – die Gelegenheit nutzen wollten, um Saddam weiter zu schmähen. Aber geht diese Absicht nicht nach hinten los? Denn es kommt doch jetzt ein Bild rüber, dass er sich nicht einfach zur Schlachtbank hat führen lassen, sondern sich stattdessen noch in seinen letzten Minuten Wortgefechte mit seinen Gegnern geliefert hat. Das macht ihn doch in den Augen seiner Anhänger zum Märtyrer und Helden.

  3. Torsten sagt:

    Deine Augen sind da nur relativ uninteressant – hier gucken die Teenies das Video aus Nervenkitzel, im Irak sterben täglich Dutzende. Ich möchte nicht wirklich beurteilen welche Dynamik Handyvideos in Bürgerkriegsgebieten entfalten können. Bei den Schädeleien in Afghanistan wussten wir es auch nicht.

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