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Freistil
von wolfgang am 01.05.06

Apple zahlt den Musikkonzernen derzeit zwischen 60 und 80 Cent pro Musikstück und verdient also am Download kaum etwas. Der iTunes Music Store ist vor allem ein cleveres Marketingtool, um den absatz des Musikabspielgeräts iPod anzukurbeln. Mit Erfolg, denn alleine Jahr 2005 wurden davon weltweit über 37 Millionen Stück verkauft. Nichts desto trotz hat sich auch iTunes in den USA Ende 2005 erstmals in den Top Ten der führenden Plattenläden platziert und dabei schon drei traditionelle Händler hinter sich gelassen.
Das gibt dem Apple-Chef in den Verhandlungen mit den Musikkonzernen eine starke Position. Die Drohung der Labels, ihre Musik von der Download-Plattform zurückzuziehen, nimmt Jobs deshalb nicht ernst. Immerhin werden mittlerweile drei von vier legalen Musik-Downloads weltweit via iTunes abgewickelt. Doch die Plattenbosse wollen dieses Fast-Monopol knacken und verhandeln mit dem Suchmaschinenbetreiber Google und dem Online-Händler Amazon.com am Aufbau einer Konkurrenzplattform für legale Musik-Downloads. "Die Gespräche mit Amazon sind bereits weiter gediehen als die Pläne von Google", zitierten amerikanische Medien kürzlich den Chef einer großen Schallplattenfirma, der ungenannt bleiben wollte.
In einem Artikel des britischen Sunday Telegraph vom 31.4. bestätigt Brian McBride von Amazon.com.uk, dass über die Handelsplattform in Zukunft auch digitale Güter wie Filme und Musik per Download angeboten werden sollen. "Wenn wir zu lange warten, verpassen wir die Marktchancen", wird McBride zitiert.
Auch das Gerätemonopol beim Apple-Music Player iPod soll gebrochen werden. Dazu hat jetzt Microsoft seine Hilfe angeboten. "Wir werden gemeinsam mit Hardwarepartnern neue mobile Abspielgeräte entwickeln", verkündete Bill Gates Anfang des Jahres vor Studenten. In den nächsten Jahren werde es ein paar "echt heiße Produkte von Microsoft und seinen Partnern" geben. Sie sollen kostengünstiger und besser vernetzbar als der iPod sein sowie Bilder und Videos einfacher abspielen können.
Laut Gates beträgt der Marktanteil an Windows-kompatiblen Musik-Playern heute rund 20 Prozent - "viel zu wenig", wie der Microsoft-Gründer findet. Gemeinsam mit dem Musiksender MTV hat der Software-Weltmarktführer bereits den Musikservice "Urge" konzipiert und will ihn noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. "Urge ist von Musikfans für Musikfans programmiert worden", lobt Gates das Angebot. Songs aus einem Bestand von rund zwei Millionen Titeln können darüber - so der Plan - einzeln gekauft oder über ein monatliches Abo bezogen werden. Anders als Apple will Microsoft mit seinem Partner MTV dabei noch zusätzliche Informationen mitliefern und zum Beispiel Künstlerbiographien oder Song-Rezensionen zu den einzelnen Tracks anbieten.
Auch Amazon.com - so der Sunday Telegraph - überlege ein Hardwareangebot, mit dessen Hilfe die Audeo- und Video-Inhalte wiedergegeben werden können. "We are looking at everything. If you look at the MP3 market, here are a lot of guys out there like Apple, Samsung and Sony. The question we have to ask is whether people want to have an Amazon one, or are they just happy to buy things from us?", zitiert das Blatt den Chef von Amazon.com.uk.
Nachtrag: Laut Financial Times vom 2.5. haben sich Apple und die Plattenbose darauf geeinigt, die Preise im Download-Shop iTunes bei 99 Cent zu lassen. Universal, Warner Music, EMI und Sony BMG - die großen vier der Branchen - sollen dem bereits zugestimmt haben und verzichten (vorerst) auf ein geplantes variables Preismodell.
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