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OpenBC: Das Web 2.0 schlägt zurück
abgelegt im Archiv Web 2.0 von wolfgang am 10.09.06
OpenBC: Das Web 2.0 schlägt zurück
Die Business-Kontaktplattform OpenBC wird gerne als das Musterbeispiel für eine deutsche Social-Software-Plattform genannt. Lange bevor alle Welt über Web 2.0 zu sprechen angefangen hat, wurden dort schon "User Generated Content" und Networking realisiert. Schon vor einiger Zeit hat sich OpenBC-Gründer Lars Hinrichs im Interview den kritischen Fragen der WirtschaftsWoche gestellt (zur langfristigen Vorbereitung des Börsengangs?) - die aktuellen Konflikte bei OpenBC konnten dabei noch keine Rolle spielen.

Und davon gibt es mittlerweile einige. So hat das Unternehmen die "openBC Community Berlin" geschlossen. Deren 6.396 Mitglieder wurden dazu nicht befragt und prompt taucht in Weblogs die Frage auf: "Dürfen die das überhaupt?". Denn wem gehört so eine Web 2.0-Community - dem Plattformbetreiber, den Mitgliedern, den Moderatoren? Silke Schippmann, Community-Managerin bei OpenBC, begründet den Schritt so: "Die Moderatoren der Gruppe haben die Schließung aufgrund persönlicher und anhaltender Meinungsunterschiede gewünscht". Doch statt neue Moderatoren zu suchen, wurde das Forum einfach geschlossen - über die Köpfe der Mitglieder hinweg.

Auch in einem zweiten aktuellen Konfliktfall beweist Silke Schippmann wenig Fingerspitzengefühl. Da kommt der Moderator der Gruppe "Webdesign und Usability" wegen einer Verkettung unglücklicher Umstände mit der Zahlung seines Premiumbeitrags in Verzug und das Unternehmen hetzt ihm einen Inkasso-Dienst auf den Hals.

Die Geschichte eskaliert und endet mit dem Rücktritt des ehrenamtlichen Moderators. Mit den Worten "Herr xxx, darum geht es doch nicht. Sie haben monatelang nicht gezahlt und nun beschweren Sie sich darüber, dass daraus weitere Kosten entstanden sind?" wird der säumige Zahler von der Community-Managerin öffentlich abgekanzelt.

Und bekommt einen Maulkorb verpasst. "Ich möchte alle bitten, die eine Reaktion von mir erwarten, mich per PN zu kontaktieren, da ich von openBCs Seite gebeten wurde, meine die Diskussion fortführenden Beiträge und Antworten auf andere Beiträge zu beenden. Den Grund dafür möchte ich hier nicht nennen, sonst bekomme ich noch einmal den Hinweis, gemäß AGb nicht aus PN zu zitieren", ist zu lesen. Die Reaktion der Community-Mitglieder lässt nicht lange auf sich warten. Weitere Austritte, seitenlange Postings, empörte Stimmen aus der Bloggosphäre. Das Web 2.0 schlägt zurück.

Und das ist das Kernproblem: Wer auf Vernetzung, Einbeziehung der Mitglieder und eine selbstbewußte Gemeinschaft setzt und damit Geld verdienen will, muss die Menschen ernst nehmen. Wegen ein paar Euro (die zudem noch über ein Inkasso-Büro eingetrieben werden) sein Image aufs Spiel zu setzen, zeugt nicht gerade von Professionalität. Und auch nicht von Offenheit, wie der Namen OpenBC suggeriert.

Aber dazu hat Lars Hinrichs im Interview mit der Wirtschaftswoche bereits angekündigt: "Der Name wird sich ändern. Er wird kürzer, internationaler. In englischsprachigen Ländern steht BC für Before Christ und open wird oft als unsicher wahrgenommen. Wir müssen einen Global Brand aufbauen."

Mehr wollte er damals dazu noch nicht sagen, aber immerhin dies: "Ich werde die Kunden mit auf eine Reise der Umbenennung nehmen". Zumindest scheint bei Hinrichs die Erkenntnis vorhanden zu sein, dass ohne die Mitglieder der Traum vom Börsengang ganz schnell ausgeträumt sein wird. Wenn jetzt den hehren Worten auch noch Taten folgen ....

NACHTRAG VOM 11.9. 19.00 Uhr. Immerhin: Die PR-Abteilung von openBC nimmt die Krisenkommunikation ernst. Bereits heute vormittag wollte Daniela Waschow, Vice President Corporate Communications, mir mir Kontakt aufnehmen. Da ich den ganzen Tag unterwegs war, kam es erst jetzt zu einem Gespräch. Inzwischen hat sie aber auch (siehe unten in den Kommentaren) ihre Sicht der aktuellen Konflikte schriftlich dargestellt.

Auch wenn ich nicht alles nachvollziehen kann (so tief stecke ich da als einfaches OpenBC-Mitglied auch nicht drin), versucht sie eine sachliche Diskussion und ist durchaus selbstkritisch. Sie will jetzt auch direkt Kontakt zu Arne Kriedemann, den zurückgetretenen Moderator (der weiter unten ebenfalls mit einem Kommentar vertreten ist), aufnehmen und die Mißverständnisse klären. Das finde ich gut, denn die Kommentarspalten dieses Weblogs sind eigentlich keine Plattform für einen solchen Meinungsstreit.

In dem Telefonat hat sich Daniela auch deutlich vor die Community-Managerin Silke Schippmann gestellt und gegen persönliche Angriffe, wie sie mittlerweile in Blogs auftauchen (sollen), in Schutz genommen. Ich habe solche Beschimpfungen zwar noch nicht gesehen, aber sie sind sicher nicht der richtige Weg zur Lösung der Probleme.

NOCH EIN NACHTRAG: Daniela hat sich gestern Nacht noch hingesetzt und im OpenBlog unter der Überschrift "Lessons learned" etwas zu der ganzen Diskussion und den Erfahrungen daraus geschrieben. Offensichtlich ist nicht nur der Punkt "Communities schlafen nicht - gewöhn dir das also auch ab" in der kleinen Community-Fibel von Werbeblogger Patrick Breitenbach auf fruchtbaren Boden gefallen.



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