Nokia: Schunkelnder Boykottaufruf

Nokia: Schunkelnder Boykottaufruf

Wenn ich Nokia-Aktien hätte, würde ich nun doch langsam an Verkauf denken. Nicht nur wegen der aktuellen Börsenturbulenzen, sondern vor allem wegen dem Imageverlust des Handy-Herstellers, der sich früher oder später auch in den Verkaufszahlen niederschlagen wird. Auf die Frage, ob sie wegen der geplanten Werkschließung künftig vom Kauf eines Nokia-Telefons absehen würden, antworteten laut einer Umfrage des Magazins "Stern" bereits 56 Prozent der Bürger mit "Ja".

Wenn jetzt schon Pappnasen wie Bernd Stelter erfolgreich mit solchen Liedern durch die Karnevalshochburgen im Rheinland ziehen, kann aus den vereinzelten Boykottaufrufen wirklich eine Massenbewegung werden:

"Seit 19 Jahren in derselben Stadt,/2000 Menschen tun da ihre Pflicht,/die Firma macht da nicht nur Kohle satt,/die macht ganz plötzlich ihre Tore dicht./Das Alles bei Rekordgewinn,/kein Wunder, dass ich sauer bin,/doch was will man schon tun so ganz allein?/Einfach nur hilflos mit ansehen,/ wie sie auf der Straße stehen, nein!/Wir müssen gar nicht so alleine sein, so alleine sein!"

In seinem neuen Blog lässt sich der Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Franz-Reinhard Habbel, allerdings nicht so recht von der Boykott-Stimmung anstecken. "Die Empörung ist groß. Nun will es die Politik richten. Aber womit kann sie das? Moralische Appelle nutzen nichts. Gleiches gilt für den Verzicht auf Nokia-Handys in Ministerien. Das ist reine Symbolpolitik, die die Bürger längst durchschauen", schreibt er.

Und weiter. "Die Antwort kann nicht sein, mit den Billiglohnländern zu konkurrieren, sondern sich auf wissensintensive Aufgaben zu konzentrieren. Hier liegt unser Potenzial. Das müssen wir entwickeln, pflegen und ausschöpfen. Förderprogramme sind nur sinnvoll, wenn sie den Strukturwandel unterstützen."

Ich finde, dass man beides tun sollte: Sich auf die Stärken des Standortes Deutschland konzentrieren, den Subventionswahnsinn abschaffen und den Herren in der Nokia-Chefetage Druck machen. Auch wenn es natürlich der Kapitallogik im Zeitalter der globalisierung entspricht, an den Standorten mit den geringsten Kosten zu produzieren, kann ein Imageschaden und die damit verbundenen Rückgänge beim Aktienkurse und den Umsätzen diesen Einspareffekt sehr schnell zunichte machen. Das sollten alle Unternehmen, die etwas Ähnliches wie Nokia planen, mit auf der Rechnung haben.


Posted on Mittwoch, Januar 23rd, 2008 at 14:17 and is filed under Branchen News. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Nokia: Schunkelnder Boykottaufruf”

  1. … und vielleicht hilft es ja auch, wenn in so genannten Billiglohnländern keine Billiglöhne mehr gezahlt werden? Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

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