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Microsofts Mobile Mail noch kein BlackBerry-Killer
abgelegt im Archiv Gastkommentare von wolfgang am 16.02.06
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Gastkommentar von Dr. Thorsten Wichmann*Microsoft hat diese Woche unter enormem Presseecho auf der 3GSM World neue Produkte für den Mobilfunkbereich vorgestellt. Besonders große Resonanz haben in der Presse die vorgestellten ersten Geräte auf Windows-Basis gefunden, die mobile E-Mail im Push-Modus empfangen können. Auf dem Server ankommende E-Mails werden in diesem System direkt an das mobile Endgerät weitergeleitet, so dass man seine Mail nicht jedesmal abfragen muss.

Diese Geräte nutzen jetzt das von Microsoft schon im vergangenen Jahr vorgestellte Betriebssystem Windows Mobile 5 in Kombination mit einem um neue Funktionalität erweiterten Exchange-Server oder einem vom Netzbetreiber bereitgestellten Dienst, der die E-Mails auf das Handy schickt.

Natürlich bewegt alle die Frage: Wird Microsoft damit zum BlackBerry-Killer? Wird das Unternehmen auch in diesem Bereich ein dominanter Player werden? Auf den ersten Blick sieht es so aus. Schließlich kämpft BlackBerry schon seit Monaten in einem sich immer mehr zuspitzenden Nervenkrieg gegen eine Zwangsschließung des BlackBerry-Dienstes in den USA aufgrund angeblich verletzter Patente. Das einflussreiche Analystenhaus Gartner hatte deshalb Anfang des Jahres risikoscheuen BlackBerry-Nutzern empfohlen, sich nach Alternativen umzusehen. Ein guter Moment für Microsoft also, die Axt an die Vorherrschaft von BlackBerry zu legen, oder?

Auf den zweiten Blick stellt sich allerdings die ganze Angelegenheit etwas weniger dramatisch dar. So entwickeln sich die Nutzerzahlen von BlackBerry nach wie vor hochdynamisch -- und das trotz der Patentdiskussion (die ohnehin auf die USA beschränkt ist). Anscheinend sind die Nutzer von der Diskussion wenig beeindruckt und halten es für unwahrscheinlich, dass der Dienst eingestellt wird. Die BlackBerry-Lösung bleibt auch deshalb für viele Unternehmen interessant, weil sie problemlos funktioniert und sich bewährt hat. Und Unternehmen, die eine entsprechende BlackBerry-Infrastruktur aufgebaut haben, können auch nicht so einfach wechseln, ohne die Investitionen in Software und Geräte abschreiben zu müssen.

Bei näherem Hinsehen zeigt sich außerdem, dass BlackBerry und Microsoft unterschiedliche Märkte bedienen. So zielt die BlackBerry-Lösung auf Unternehmenskunden. Unternehmen haben aber, gerade wenn viele BlackBerrys im Einsatz sind, besondere Anforderungen an Sicherheit und an Unterstützung bei der Administration vieler mobiler Endgeräte. Die BlackBerry-Lösung adressiert diese Anforderungen -- zwar nicht immer perfekt, aber immerhin.

Microsoft ist dagegen die Privatnutzung wichtiger. Bill Gates machte auf der 3GSM klar, dass er nicht an die Unterscheidung zwischen Privat- und Geschäftsnutzer glaubt. Was ihm vorschwebe sei, alle Informationen, die man gerade benötige, zusammenzuführen. Und zwar unabhängig davon, ob ein Kontakt, eine E-Mail oder eine andere Information jetzt einen geschäftlichen oder privaten Hintergrund hat.

Diese Denkweise von Microsoft lässt gestandenen IT-Administratoren tendenziell die Haare zu Berge stehen ob der vielen Sicherheitsherausforderungen. Sie trifft aber sicher die Realität in kleineren Unternehmen, bei Freiberuflern und auch bei Privatkunden, die Mobile Mail nutzen wollen. Diese Gruppe ist bislang von den Anbietern von Mobile-Mail-Lösungen noch kaum erschlossen worden, hier bietet sich Microsoft also ein großes Betätigungsfeld, ohne direkt auf Konfrontationskurs zu BlackBerry gehen zu müssen. Dazu müssen aber die Mobilfunknetzbetreiber mit ins Boot geholt werden, weshalb Microsoft auf der 3GSM besonders die neuen Kooperationen betont hat.

Bei dem viele faszinierenden Kampf der Titanen Microsoft vs. BlackBerry gerät auch etwas außer Sicht, dass sich neben den beiden Unternehmen noch mehr um den Mobile-Mail-Kuchen streiten, wie der Berlecon-Report Mobile E-Mail für Unternehmen zeigt. In Deutschland ist besonders iAnywhere nach der "bernahme von Extended Systems gut positioniert. In den USA steht Good Technology sehr stark im Wettbewerb zu BlackBerry. Und auch Nokia versucht sich nach der "bernahme von Intellisync in diesem Markt zu behaupten. Alle bieten Lösungen für Unternehmenskunden an, die auch mit mehreren Typen von Endgeräten funktionieren -- Flexibilität, die BlackBerry nicht bietet.

Viele dieser auf Mobile Mail für Unternehmen fokussierten Anbieter sind eine stärkere Konkurrenz für BlackBerry als Microsoft. Aber auch das kann BlackBerry vorerst noch egal sein. Denn der Markt für Mobile-Mail-Lösungen wächst nach wie vor und bietet Platz für viele Akteure. Diese Landschaft der Vielen statt einer BlackBerry-Monokultur dürfte das dominierende Bild für die nächsten Jahre sein. Erst wenn das Wachstum zum Stillstand kommt, wird sich der Konkurrenzkampf richtig verschärfen. Und dann kommen vielleicht auch die zum Zuge, die auf den großen Kampf BlackBerry vs. Microsoft warten.

*Dr. Thorsten Wichmann ist Gründer und Geschäftsführer von Berlecon Research. Er forscht und publiziert seit Beginn der 90er Jahre zur Entwicklung und den wirtschaftsrelevanten Auswirkungen neuer Medien und Informationstechnologien. Er betreibt ein eigenes Weblog.

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