Merkwürdigkeiten bei der elektronischen Gesundheitskarte
abgelegt im Archiv Branchen News am 26.11.06
Gerade hat die gematic GmbH als der Betreiber des Systems der elektronischen Gesundheitskarte (egK) in Deutschland auf der medica in Düsseldorf deren Funktionsfähigkeit vorgeführt. Doch nun wirft ein in ihrem Auftrag erstelltes Gutachten des Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton etliche Fragen auf.
Die dem Chaos Computer Club (CCC) zugespielte Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) geht nämlich von Eckdaten aus, die nach Ansicht von Experten nicht den Anforderungen an ein bundesweit ganztägig im Einsatz befindliches System genügen. "Im Ernstfall droht ein Totalausfall des Systems zu kritischen Zeiten, wie zum Beispiel im Fall einer Grippeepidemie", befürchtet der CCC.
Felix von Leitner nimmt das Papier der Unternehmensberater in seinem Blog im Detail auseinander. So macht er auf etliche Rechenfehler aufmerksam und zweifelt die geplante Dimensionierung der Hardware an.
Merkwürdig: Ein Ausfall-Rechenzentrum für das System wird von Booz Allen Hamilton als nicht notwendig gesehen, da es die Infrastrukturkosten deutlich erhöhen würde. In dem Papier wird dazu ausgeführt: "Im Falle von regionalen und überregionalen Desastern, darunter Überschwemmungen und Erdbeben, kann es aber auch zu Totalausfällen eines ganzen Rechenzentrums kommen, sodass nur über ein Disaster-Recovery-Rechenzentrum (DR RZ) der Betrieb des ausgefallenen Rechenzentrums aufgenommen werden kann. Da solche Disaster-Recovery-Architekturen die Gesamtkosten eines solchen Dienstes oft verdoppeln und die verpflichtenden Anwendungen auch offline allein auf Basis der eGK funktionsfähig sind, wird von einer Berücksichtigung von Disaster Recovery für die KNA abgesehen."
Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass die Gutachter die erforderlichen Ausgaben für die elektronische Gesundheitskarte in möglichst günstigem Licht erscheinen lassen wollen. So werden die Kosten für die Erstausgabe der 80 Millionen Karten in der KNA nicht berücksichtigt - immerhin 585 Mio. Euro. Aber vielleicht hat dieses "Vergessen" auch System. "Eine Sache ist noch auffällig: bei mehreren Punkten ignorieren sie Kosten mit dem Hinweis, daß das ja bei den Kosten für die Karten schon drin sei - diese Kosten werden aber anscheinend den Bürgern aufgedrückt, und zählen deshalb nicht als Projektkosten", schreibt Felix von Leitner.
Auch an vielen anderen Stellen der Analyse werden die Kosten extrem niedrig angesetzt. So kommen die ursprünglich eingeplanten 5,3 Mio. Euro für die Anschaffung von Lesegeräten und laptops für 4850 Rettungsfahrzeuge nun nicht mehr vor, weil "die Rettungsdienste nicht zu den Leistungserbringern im Gesundheitswesen zählen". Immerhin werden knapp 60.000 solcher mobilen Geräte für die Hausbesuche von Ärzten und Pflegediensten gebraucht. Diese Liste lässt sich noch lange fortsetzen.
"Kurz gesagt: das Papier liest sich wie ein einziges Desaster. Sie haben da mit teilweise deutlich unseriösen Methoden an den Zahlen geschraubt, und selbst mit derartigen Methoden kommen sie nur gerade so auf einen Break Even", resümiert von Leitner in seinem Blog.
Laut der Studie wird der Aufbau der Gesundheitstelematik selbst mit den geschönten Zahlen in den ersten 5 Jahren 2,818 Mrd. Euro kosten, denen nur Einsparungen von 818 Mio. Euro gegenüberstehen. Die Berater betonen dabei in ihrem Papier, das ein positives Ergebnis nur unter optimalen Bedingungen mit dem Erreichen aller Maximalwerte zustande kommen kann. Erst im Zeitraum von zehn Jahren wird das Verhältnis von Kosten und Nutzen nach ihrer Ansicht positiv sein. Dann stehen - laut KNA - Kosten von 4,583 Mrd. Euro ein Nutzen von 5,273 Mrd. gegenüber. Allerdings ist dieser Nutzen sehr ungleich verteilt: Den Löwenanteil dürfen die gesetzlichen Krankenkassen erwarten, gefolgt von den Privaten Krankenkassen und den Krankenhausträgern. Ärzte und Apotheker bleiben nach dem Papier dagegen auch in zehn Jahren noch im Minus.

Tags: elektronische+Gesundheitskarte Studie Kosten
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Ich wünsche allen Lesern des Medblogs ein gutes und vor allem gesundes Jahr 2007.
2007 wird sich einiges ändern, zu diesen uns ins Haus stehenden Änderungen gehört auch die Gesundheitsreform. Dachte ich zumindest mal. Dachten wir alle mal. Und in der T
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