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Telekommunikation
von wolfgang am 30.07.08

Endlich geschafft. Alles paletti. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, übernimmt der US-Finanzinvestor The Gores Group bis Ende September 2008 zu 51 Prozent die Mehrheit an Siemens Enterprise Communications (SEN). Der Münchner Konzern will die restlichen 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, in das die Amerikaner zwei eigene Beteiligungen einbringen. Längerfristig ist allerdings ein Ausstieg geplant, da die Telekommunikationstechnik - einst der Kern des Geschäfts - heute nicht mehr zu den Schwerpunkten von Siemens zählt.
Aber wer ist der neue Herr in Münchens Hofmannstrasse - dem Stammsitz von SEN? Offiziell klingt das so:
"Die 1979 von Alec E. Gores gegründete The Gores Group, LLC ist eine mit Privatbeteiligungen finanzierte Firma, die sich auf den Erwerb von Mehrheitsbeteiligungen in ausgereiften und wachsenden Geschäftsbereichen fokussiert hat, welche dann von der Erfahrung im operativen Geschäft und der flexiblen Kapitalbasis des Unternehmens profitieren. Die Firma vereint operative Expertise und detaillierte Due-Diligence-Fähigkeiten eines strategischen Käufers mit dem erfahrenen Merger&Acquisitions-Team eines klassischen Finanzkäufers. The Gores Group, LLC ist zu einem führenden Investor geworden, der durch firmenbegleitendes Management eine lange und sichere Erfolgsbilanz mit substanzieller Wertschaffung in ihrem Portfolio von Unternehmen aufweisen kann. Der aktuelle Privatkapitalfond des Unternehmens umfasst verfügbares Beteiligungskapital in Höhe von 1.7 Mrd. US-Dollar. Mit Hauptsitz in Los Angeles/Kalifornien unterhält The Gores Group, LLC weitere Büros in Boulder/Colorado und in London."
Zuletzt aufgefallen war das US-Unternehmen im Januar, als es für 383 Millionen Euro von der französischen Safran-Group die Kommunikationssparte Sagem Communications übernommen hatte. Auch das Netzwerk-Sicherheitsunternehmen Enterasys Networks gehört inzwischen zur Gruppe. Insofern gibt es in der Tat einige Synergieffekte.
Firmengründer Alec Gores stammt aus Israel und kauft seit 1987 vor dem Ruin stehende Firmen oder Konzernteile, die von ihren Müttern verstoßen werden. Sein erster großer Deal war die Übernahme von "the Learning Co." vom Spielzeug-Konzern Mattel. Später verkaufte er einen Teil an einen irischen E-Learning-Konzern, einen anderen an den französische Spielehersteller UbiSoft. Mit erheblichem Gewinn, versteht sich.
Den Turnaround schafft der Finanzinvestor mit sehr unterschiedlichen Methoden. Mal wird die komplette Führungsmannschaft der übernommenen Unternehmen ausgetauscht. Mal werden überzählige Niederlassungen geschlossen. "Der Schlüssel zum Erfolg ist es, die Leute zu zwingen, ehrlich zu sich selbst und ihrer Situation zu sein", wird ein Manager in US-Medien zitiert.
Um 15.00 Uhr startet in München ein Pressegespräch von Siemens, das auch als Audiostream mit Folienpräsentation live im Internet übertragen wird. Dort erfährt man vielleicht mehr.
NACHTRAG: Leider zum Teil eine grausige Übersetzung. Aber ein paar Punkte: SEN soll Nr. 2 auf dem Markt werden (nach Cisco). In das Joint Venture kommt neben SEN und Enterasys noch der amerikanische call-Center-Lösungsanbieter SER. In 30 Tagen soll ein Vorstandschef für das Unternehmen gefunden werden (Wer bewirbt sich?). Über finanzielle Details des Deals will man nichts sagen - aber das neue Unternehmen startet mit 500 Mio. $ Cash. Auch zu weiteren Stellenabbau-Plänen wird nichts gesagt. Aber der Breakeven soll "sobald wie möglich" geschafft werden - "wir orientieren uns auf Wachstum".
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Wong
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