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Kein Aprilscherz: Holtzbrinck-Verlag kauft StudiVZ
abgelegt im Archiv Web 2.0 von wolfgang am 03.01.07
Kein Aprilscherz: Holtzbrinck-Verlag kauft StudiVZ
Erst dachte ich ja einen sehr verfrühten aprilscherz. Aber es scheint zu stimmen: Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ("Handelsblatt", "Wirtschaftswoche", "Die Zeit") hat zum Jahresende 2006 die Online-Studenten-Kontaktbörse StudiVZ gekauft und sich damit im Bieter-Duell gegen die Axel Springer AG ("Bild") durchgesetzt.

Die habe - laut Focus Online - in letzter Minute ein 120-Millionen-Euro-Angebot nachgeschoben. Über den letztlich erzielten Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, er soll aber "deutlich unter dem Springer-Angebot" liegen.

In der Pressemitteilung des Verlages wird Konstantin Urban, Geschäftsführer von Holtzbrinck Networks, wo StudiVZ künftig angebunden sein wird, mit den Worten zitiert: "studiVZ kann auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die Community hat inzwischen über eine Million aktive Mitglieder. Den Erfolg verdankt die Plattform ihren Gründern und allen Mitarbeitern, die auch die schwierige Phase des schnellen Wachstums in den letzten Monaten erfolgreich gemeistert haben. Wir freuen uns deshalb, dass das bewährte Team an Bord bleibt." studiVZ runde "das breite Angebot der Verlagsgruppe Holtzbrinck für Studierende - das Webangebot e-fellows.net sowie die Magazine karriere und Zeit Campus - optimal ab."

Angesichts der massiven Auseinandersetzungen um die Plattform in den letzten Monaten wirft der erste große Web 2.0-Deal in Deutschland jede Menge Fragen auf. Waren vielleicht die Attacken von Don Alphonso auf das Internet-Start-Up eine gezielte Aktion, um StudiVZ für den Verkauf "sturmreif" zu schießen und die US-Konkurrenz von Facebook zu vergraulen, die ebenfalls ein Auge auf die Plattform geworfen hatte? "Eine unternehmensnahe Quelle bezifferte den von mir verursachten Schaden auf 80 - 100 Millionen", schreibt er in einem Kommentar bei Basic Thinking und etwas ausführlicher an der Blogbar.

Holtzbrinck, bisher schon an StudiVZ beteiligt, kennt das Unternehmen und seine Gründer genau und wird sich nicht mit Absicht ein "faules Ei" ins Netz geholt haben. Egal, wieviel Millionen die Gründer Ehssan Dariani und Michael Brehm jetzt kassiert haben: Für sie hat sich das Geschäft immer noch gelohnt. Und Holtzbrinck konnte vielleicht ein paar Millionen sparen, nachdem Imageverlust und Sicherheitsprobleme den Marktwert das StartUps nach unten gedrückt haben.

Wie lässt sich Dariani so schön in der Pressemitteilung zitieren: "Mit Holtzbrinck haben wir den optimalen Partner für das weitere Wachstum der Plattform gefunden. Mit der Übernahme ist studiVZ langfristig abgesichert. Jetzt können wir uns voll auf den weiteren Ausbau der Plattform und neue Angebote für unsere Nutzer konzentrieren." Und das bischen Imageschaden kriegen die PR-Profis von Holtzbrinck auch wieder hin.

NACHTRAG: Inzwischen ist auch der Preis durchgesickert. Die Bewertung des Unternehmens soll bei etwa 85 Mio. Euro liegen. Die Internet-Beteiligungssparte Holtzbrinck Networks, die ja bereits 15 % der Anteile von StudiVZ besitzt, zahlt aber deutlich weniger: Nur 50 Mio. Euro gehen direkt an die Gründer, der Rest der Summe ist abhängig von der Erfüllung von Zielvereinbarungen für den wirtschaftlichen Erfolg der Plattform. "Nur wenn sie erfüllt werden, bekommen die Gründer der Seite die vollständige Kaufsumme ausgezahlt", wird Konstantin Urban zitiert.

Gleichzeitig kündigte er eine wesentliche Veränderung an, mit deren Hilfe das Verlagshaus sein eingesetztes Kapital amortisieren und Gewinne erwirtschaften will: "Wir werden Werbung schalten". Die Daten der Nutzer - so sein Versprechen - "verbleiben bei studiVZ und werden auch nicht bei anderen Holtzbrinck-Unternehmen verwendet". Da bin ich aber mal gespannt, wie das in ein paar Monaten aussieht?

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