Jamba-Übernahme: Das Spam 2.0-Imperium schlägt zu

Die News Corp. des Medienmoguls Rupert Murdoch übernimmt laut "Wall Street Journal" für 187,5 Millionen Dollar von der Sicherheitsfirma VeriSign die Mehrheit an dem umstrittenen Berliner Klingeltonanbieter Jamba. Das Unternehmen soll mit der Mobizzo-Sparte von News Corp. zusammengelegt, die z.B. kurze Videoclips ("Mobisodes") der TV Serie "24" als mobilen Content ausliefert, aber seinen Namen behalten.
Jamba-Inhalte werden künftig auch über das "Social Network" MySpace vermarktet, das – ebenso wie die Filmproduktionsfirma 20th Century Fox, der Fernsehsender Fox News und die "New York Post" – zum Murdoch-Imperium gehört. Dabei sollen neben dem traditionellen Abo-Modell auch neue Geschäftsmethoden getestet werden. "Schlechter Deal", meint Thomas Knüwer in seinem Blog "Indiskretion Ehrensache".
In den USA kratzt unterdessen ein freier Journalist am mySpace-Mythos als beispielhafte Web 2.0-Erfolgsstory. Nachdem die News Corp. seinen auftraggeber unter Druck gesetzt hat und eine Veröffentlichung abgelehnt wurde, verkaufte Trent Lapinski seine Enthüllungsgeschichte nun an an das berühmt-berüchtigte Klatsch-Blog Valleywag. Die Kernthese des Journalisten: mySpace.com ist Spam 2.0.
"Die gesamte Plattform stellt zusammengefasst ein Marketing-Werkzeug für jeden dar, der sich registriert hat", schreibt Lapinski. Die Mitglieder erhielten kontinuierlich Spam-ähnliche Nachrichten von Musikgruppen, Geschäftsleuten und Privateleuten, die "Freunde" (potenzielle Kunden, Fans oder Zeugen für ihre Online-Identität) suchen. "In der Welt von mySpace ist der Spam die Erde, die Luft, das Feuer und das Wasser", behauptet der Autor. Also buchstäblich alles.
In seinen Recherchen hat er auch herausgefunden, dass mySpace ("A Place for Friends") keinesfalls aus dem Nichts und nur mit Mundpropaganda seine heutige Größe erreicht hat. Sondern bereits in den Anfängen der Plattform seien massive Marketinganstrengungen erfolgt – einschließlich dem Anschreiben von 50 Millionen E-Mail-Adressen aus der Datenbank der Gründerfirma. Auch über das Führungspersonal der weltweit größten Online-Community berichtet der Freelancer und "hungernde College-Student" wenig Schmeichelhaftes.
Bei Valleywag wartet man nun darauf, ob das Murdoch-Imperium juristisch gegen die Veröffentlichung vorgeht. "It is possible that News Corp. may attempt to pursue legal action against me for publishing this work, but this article has been professionally fact checked and is the truth", schreibt Trent Lapinski und hofft dabei natürlich auf den David-gegen-Goliath-Solidarisierungseffekt der Bloggosphäre.
Robert Basic weist in seinem Blog übrigens auf eine Case Study zu YouTube, die den Erfolg der Plattform etwas "ruhiger und analytischer" erklärt.
zu myspace: Ach was, im Web2.0 gibt’s Marketing? Das war mir ja sowas von neu! Hätte ich niemals gedacht, dass die ihr Ding mit Mails angeschoben haben. Unerhört, sowas!
hm…