IT-Gipfel: Wähle 115 am Telefon ...
abgelegt im Archiv Freistil am 18.12.06
Während es sich Bundeskanzlerin Merkel in Potsdam mit den Spitzen der IT-Konzerne beim Lunch auf dem "1. nationalen IT-Gipfel" schmecken lässt, sickern immer skurilere Dinge nach draußen. Das "Hamburger abendblatt" berichtet über einen bundesweit einheitlichen Notruf unter der Nummer 115, den Bürger bei Problemen mit Behörden und Ämtern nutzen können.
In einem Call Center (mit Qualitätssiegel!) helfen Experten den Anrufern sieben Tage in der Woche rund um die Uhr weiter - egal, ob es sich um ein Schlagloch in der Straße, die verdreckte Bank im Bushäuschen oder Probleme mit Antragsformularen handelt.
Für das Projekt verantwortlich soll das kürzlich gegründete Isprat-Institut ("Interdisziplinäre Studien zu Politik, Recht, Administration und Technologie") sein, hinter dem der hessische CDU-Staatssekretär Harald Lemke steckt. Der ist dort als Bevollmächtigter der Landesregierung für E-Government und Informationstechnik zuständig und bezeichnet sich gerne als "erster CIO im öffentlichen Dienst".
Die Isprat-Gründungsmitglieder sind ziemlich identisch mit den Teilnehmern des Potsdamer IT-Gipfels: Unter anderem Cisco Systems Deutschland GmbH, CSC Deutschland Solutions GmbH, Deutsche Telekom AG, Fujitsu-Siemens-Computer, Hewlett-Packard GmbH, IBM Deutschland GmbH, McKinsey & Company, Microsoft Deutschland GmbH und SAP Deutschland AG.
Auf der rudimentären Website des Instituts findet sich bereits ein mehrseitiger "Projektvorschlag" für den Notruf 115. "Projektbeginn soll nach Möglichkeit spätestens der 1. März 2007 sein", heißt es dort. In zwei bis drei Jahren soll der neue Service dann bundesweit störungsfrei funktionieren. Nach den Vorstellungen der Isprat-Initiatoren werden die Experten des Notrufs Fragen in insgesamt 171 Sprachen beantworten können. Vorbild ist der telefonische Bürgerservice der Stadt New York. Der unter der Nummer 311 erreichbare Dienst stelle "eine einheitliche Plattform für den Zugang von Bürgern und Wirtschaft zur Verwaltung, zur Integration von Verwaltungsdienstleistungen und zur Steuerung von Ressourcen der Stadt" dar.
Mehr Bürgerservice ist sicher nichts Schlechtes und die von den Isprat-Initiatoren kritisierte Zersplitterung bei den Ansprechpartnern auf Behördenseite stellt sicher ein Problem dar. Aber ob der "Behörden-Notruf 115" da tatsächlich weiterhelfen kann? Und ob seine Einrichtung tatsächlich ein zentrales Thema für den "1. nationalen IT-Gipfel" sein sollte - da kommen mir doch erhebliche Zweifel. Netzpolitik.org hat übrigens zusammengefasst, was es noch an dem Event in Brandenburgs Landeshauptstadt zu kritisieren gibt.

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Tags: ITGipfel ISPRAT Merkel Behördennotruf 115 Call+Center
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Kommentar von:
unionsbuerger
(19.12.06 0:02 Uhr)
Kommentar von:
mephitic.de - alles ist verpestet
Wie bei Heise, Golem, Spiegel Online und im Hamburger Abendblatt gestern schon zu lesen war, will Bundeskanzlerin Angela Merkel bzw. die Bundesregierung eine bundesweite “Behörden-Notrufnummer” einführen, die bei diversen Probleme...
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