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Strategie
von wolfgang am 17.12.06

Zur Vorbereitung dieses IT-Gipfels haben bereits Arbeitsgruppen getagt, und sie haben sehr konkrete Resultate erarbeitet: Wir werden eine Qualitätsoffensive für Call-Center starten, um Nutzer besser zu informieren. Wir werden beschleunigt daran gehen, die Barcodes auf Produkten in Supermärkten durch Radiochips zu ersetzen. Und wir werden eine neue Suchmaschine entwickeln, damit auch Deutschland hier besser an die Spitze kommt.
Gegen eine bessere Qualität der deutschen Call-Center hat sicher niemand etwas einzuwenden, von mir aus auch mit Gütesiegel (besonders wenn die Mitarbeiter dort lernen, keine unerwünschten Kaltakquise-Anrufe bei Privatpersonen durchzuführen). RFID-Chips in Supermärkten, na ja. Und eine neue deutsche Suchmaschine, nachdem schon das europäische Quaero-Projekt nicht von der Stelle kommt? Wobei die "Financial Times Deutschland" sogar vermutet, dass die Kanzlerin in ihrem Videocast Quaero gemeint habe könnte: "Das Projekt zur Entwicklung einer neuen Suchmaschine unter dem Namen Theseus ist Teil von Quaero, das den großen privaten Betreibern von Internetsuchmaschinen wie Google Konkurrenz machen soll".
Wie die Bundeskanzlerin mit solchen Initiativen ihrem selbstgesteckten Ziel "Deutschland soll wieder eine führende Rolle in der Informationstechnologie spielen" näherkommen will, ist mir allerdings schleierhaft. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" wird bei dem Treffen eine "Potsdamer Initiative" verkündet, "durch die der Hightech-Standort Deutschland gesichert werden soll". Was da genau drinnensteht, weiß das Blatt allerdings auch noch nicht.
Aber man kann davon ausgehen, dass die vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gemeinsam mit der Strategieberatung Roland Berger erarbeitete Studie "Zukunft Digitale Wirtschaft" dafür Pate gestanden hat. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet in seiner morgigen Ausgabe unter Berufung auf "regierungsnahe Kreise", dass die Bundesregierung die deutsche Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche "in den nächsten drei Jahren mit 1,2 Milliarden Euro fördern" will.
Vermutlich fließt das Geld in Großprojekte wie Quaero, in denen Konsortien aus multinationalen Konzernen riesige Bürokratien aufbauen, erhebliche Fördermittel verbraten und trotzdem nicht von der Stelle kommen. Doch gerade bei den Suchmaschinen gibt es Beispiele, wie es anders gehen könnte.
So wurde die Metasuchmaschine Kinkaa für den Reisesektor, die demnächst ihre Betaphase beendet, von einem kleinen Team ohne große finanzielle Unterstützung entwickelt. In Zeiten des Web 2.0 lässt sich so etwas mit relativ geringem Aufwand machen. Und auch Google hat einmal so angefangen.
In Deutschland gibt es jede Menge junge Firmen mit innovativen Ideen. Das beste Ergebnis des IT-Gipfels wäre es, wenn für diese Unternehmen eine unbürokratische Unterstützung beschlossen würde. Dann braucht man sich langfristig auch keine Sorgen um den "IT-Standort Deutschland" machen. Großprojekte, die viel Geld verschlingen und kaum Ergebnisse bringen, haben wir schon genug.
Permalink: IT-Gipfel: Noch eine Suchmaschine
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Wong
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