In die Röhre gucken: TestTube, YouKnut, GodTube, PornoTube, stripfire, TimsTube

In die Röhre gucken: TestTube, YouKnut, GodTube, PornoTube, stripfire, TimsTube

Nachdem Google YouTube übernommen hat, muss sich das Videoportal nicht nur etlicher Urheberrechtsklagen erwehren, sondern übernimmt auch die Innovationsmethode des Internet-Riesen. So wurde jetzt der Bereich TestTube gestartet, in dem interessierte Nutzer schon mal neue, noch in der entwicklung befindliche Features vorab ausprobieren können.

Den Anfang in der TestTube machen zwei neue Dienste: "AudioSwap" und "Steams". Mit Hilfe von AudioSwap lassen sich Videoclips mit Musik unterlegen. Der Plattformbetreiber hat dazu bereits eine Reihe von Partnerschaften mit Musikern und Plattenlabels geschlossen. Weitere sollen demnächst folgen. Steams ist dagegen ein "virtueller Raum", in dem sich mehrere Nutzer treffen und miteinander kommunizieren können.

Neue Features sind für YouTube auch dringend vonnöten, wenn die Google-Tochter die Nase vorne behalten will. Denn die Zahl der Clones mit zusätzlichen Funktionen wächst täglich. Ein Trend geht dabei auch zu Nischen-Videocommunities mit spezifischen Inhalten.

Ein Beispiel dafür ist GodTube – ein Videoportal für wackere Christen. Die stellen – bisher ausschließlich englischsprachige – Ausschnitte aus Gottesdiensten, Tiraden gegen die Abtreibung, vertonte Bibelverse und Predigten online. Auch der Kampf gegen die Evolutionstheorie von Darwin – ein beliebtes Thema fundamentalistischer Christen in den USA – darf nicht fehlen. Genausowenig wie die Auseinandersetzung mit dem Islam. Betreiber Chris Wyatt spricht von täglich zwischen 50.000 und 60.000 GodTube-Besuchern, mehr als 1200 Videos stehen bereits zum Abruf bereit.

Ein völlig anderes Thema behandeln dagegen die Videoplattformen YouPorn.com, PornoTube.com oder – nicht ganz so offen schon im Titel ersichtlich – TimsTube.com. In dem Rotlichtbezirk gibt es kostenlos und teilweise ohne jede Alterskontrolle eindeutige Filmschnipsel zu sehen. Meist sind es nur Trailer für kostenpflichtige Seiten, aber zum Teil laden auch Amateure ihre Hausfrauenpornos hoch. So auch bei dem Copycat www.stripfire.com, dass mit dem leicht abgewandelten YouTube-Spruch "Broadcast your sex life" wirbt. Wenn die angezeigten Zugriffszahlen stimmen, offensichtlich mit großem Erfolg. "Zeig uns wie Du fickst! Wenn Deine Amateursex-Videos gut sind, kannst Du bald auch Geld damit verdienen!", lockt die Plattform.

Mehr der Gaudi mit einem kleinen Bären dient dagegen YouKnut.com . Die Seite – so die macher "ist die Anlaufstelle für jeden, der sich in Beziehung zu Knut setzen will: Du und Knut.In welcher Form diese Relation ihren Ausdruck findet, bleibt auf YouKnut dem Nutzer selbst überlassen. Bei YouKnut bestimmt der Nutzer, wie er die gebotenen Möglichkeiten nutzen will. So ist YouKnut.com ein Ort der Dokumentation und Information, ein Sammelarchiv für Gedanken, Hintersinniges und Einwürfe, für Emotionen und Begeisterung. YouKnut.com gibt den Einblick in das Echo, das rund um den Globus hallt."

Das YouTube-Prinzip nicht nur für Videos – sondern für Texte, Bücher und Zeitschriften – nutzen will Scribd. Jeder Interessent kann hier seine Dateien in Formaten wie PDF und Word oder als einfache Textdatei hochladen. Ähnlich wie bei YouTube gibt es einen eingebetteten Viewer, eine Art Acrobat-Reader light. Die Dokumente haben eine eigene Internetadresse und tauchen damit in den Google-Trefferlisten auf. Zugleich können sich die Besucher die Inhalte aber auch in verschiedenen Formaten herunterladen. Ähnlich wie bei YouTube dürfte hier bald mit urheberrechtlichen Problemen zu rechnen sein. Denn die Verlage werden kaum ruhig zusehen, wenn auf diesem Wege komplette Zeitschriften und Bücher verbreitet werden. Wer will schließlich auf Dauer in die Röhre gucken?


Posted on Sonntag, April 1st, 2007 at 10:18 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply

Impressum