Handy-TV: WM-Spiele und Seifenopern
abgelegt im Archiv Telekommunikation am 26.05.06
Henrik Rinnert ist optimistisch. "Wir werden pünktlich zur Fußball-WM mit dem Handy-Fernsehen starten", sagt der Geschäftsführer der Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH (MFD) mit Sitz in Düsseldorf. Nachdem er von den Landesmedienanstalten die Lizenzen zur Aufnahme des Sendebetriebs bekommen hat und auch einige Rechtsstreitigkeiten gelöst werden konnten, geht es jetzt um die technische Umsetzung.
Bis Ende des Jahres will Rinnert 40 bis 45 Städte oder umgerechnet rund 25 Millionen Menschen mit mobilen TV-Empfang versorgen. Für 9,95 Euro erhält der Kunde vier Fernsehsender: MTV, ProSiebenSat.1 Comedy, N24 und ZDF. "Das Zweite" steuert auch die 24 WM-Spiele bei, die dann live über das Handy geschaut werden können.
Bis Ende des Jahres rechnet MFD mit einer Marktpenetration von 60.000 bis 70.000 DMB-Handys. Das im vergangen Jahr gegründete Start-Up, hinter dem mehrere Venture-Capital-Unternehmen und Privatpersonen stecken, versteht sich als "Mittler zwischen der Medienwelt und den Mobilfunkanbietern". Dazu hat der künftige Plattformbetreiber für das mobile Fernsehen ein für alle beteiligten Partner akzeptables Modell zur Aufteilung der Einnahmen entwickelt. Denn die TV-Sender wollen mit ihren Inhalten ebenso Geld verdienen, wie die Mobilfunkfirmen mit ihrem Übertragungsweg zu den Kunden. Dazu kommen noch die Infrastrukturanbieter und der Betreiber der Plattform. "Der Kuchen ist groß genug für alle", zeigt sich Henrik Rinnert jedoch überzeugt.
Auf Seiten der Mobilfunkanbieter ist auf jeden Fall die Stuttgarter Debitel mit im Boot. "Unsere Kunden wollen jetzt Fernsehen auf ihr Handy", sagt Debitel-Chef Paul Stodden. Deshalb plant er bereits zur Fußball-WM erste Übertragungen in den Austragungsstädten Stuttgart, Köln, München, Frankfurt und Berlin. Neben den Toren von Ballack & Co. sollen auch spezielle Seifenopern im Kurzformat zu sehen sein.
Die Hersteller BenQ Siemens, Panasonic, LG und wahrscheinlich auch Nokia werden schon bald entsprechend ausgestattete Handys auf den Markt bringen. Starten will Debitel ab dem 31. Mai in seinen eigenen Shops, bei Saturn und Media Markt mit dem Samsung-Modell SGH-P900. Es kostet rund 600 Euro ohne Vertrag und könnte subventioniert für etwa 200 Euro über den Ladentisch gehen.
Dass ein koreanischer Hersteller hier den Ton angibt, kommt nicht von ungefähr. Denn in Südkorea hatten bereits ein halbes Jahr nach dem Start im vergangenen Juni über 170.000 Kunden das neue Mini-Fernsehen abonniert und nutzten es - laut einer Studie von Samsung - am Tag durchschnittlich fast zwei Stunden lang.
Möglich wird das dank des vor zehn Jahren ursprünglich in Deutschland entwickelten Standards DMB (Digital Multimedia Broadcasting). Er setzt auf der bereits bestehenden Infrastruktur für Digitales Radio auf, wodurch ein flächendeckender Ausbau vergleichsweise schnell und günstig machbar ist. Allerdings hat dieses System einen wesentlichen Haken: Höchstens drei bis vier TV-Programme können derzeit über DMB bundesweit ausgestrahlt werden.
Das sieht bei der konkurrierenden Technologie DVB-H (Digital Video Broadcast - Handheld) besser aus. Bis zu 20 Sender lassen sich darüber verbreiten, außerdem verfügt DVH-H über einen digitalen Rückkanal. Der Pferdefuß hier: Der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur ist sehr aufwändig und nicht in wenigen Monaten zu schaffen.
"Für den Verbraucher ist die eingesetzte Technik relativ egal", glaubt Henrik Rinnert, der sich für eine Übergangszeit auf ein Nebeneinander beider Systeme einrichtet. Denn im Frühjahr 2007 soll ohnehin ein weiterer neuer Standard vorgestellt werden. Er heißt DXB (Digital eXtended Broadcasting) und wird ab 2008 auf der Basis des Internet-Protokolls die beiden mobilen TV-Standards und die Mobilfunk-Breitbandtechnologie UMTS miteinander kombinieren. "Wir sind technologieneutral und wollen mobiles Fernsehen realisieren, egal mit welcher Technik", betont der MFD-Geschäftsführer.
Während eine im Auftrag von Siemens durchgeführte Befragung von 5.300 Mobilfunknutzern in acht Ländern bei 59 Prozent der Teilnehmer ein "großes Interesse am Handy-TV" gezeigt hat, ist die britische Marktforschungsfirma Datamonitor eher skeptisch. In einer aktuellen Studie sehen die Analysten Schwierigkeiten für den Markterfolg des mobilen Fernsehens durch die konkurrierenden Standards. Außerdem werde das gleichzeitige Übertragen von TV-Sendungen an viele Teilnehmer die Funknetze zu stark belasten. Für ein langfristig profitables Geschäft müssten die Netzanbieter laut Datamonitor monatlich von jedem Teilnehmer rund 10 Euro Gebühren für das mobile Fernsehen verlangen. Ob die Verbraucher diesen Betrag zahlen werden, sei jedoch fraglich.

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Tags: MFD HandyTV handy seifenopern digital handy+spiele spiele+seifenopern henrik+rinnert
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Kommentar von:
GratisSMS
(27.05.06 5:07 Uhr)
Kommentar von:
Handy Fan
(10.07.06 17:35 Uhr)
also groß angenommen wurde die WM auf dem Handy glaube ich nicht, viele Leute haben dann doch eher die große Leinwand und das public Viewing bevorzugt. Mal sehen ob sich das bei der kommenden Bundeslige Saison ändert...
Kommentar von:
Klaus Langner
(28.08.06 19:53 Uhr)
Wer wollte denn auch auf den winzigen Displays irgendetwas erkennen? Etwa den Ball (macht vor allem Spaß bei einer Totalen auf das Spielfeld). Nee, ich habe es genossen, die meisten Spiele auf Großleinwand zu sehen.
Kommentar von:
Stefan Wertheim
(31.08.06 16:57 Uhr)
Sehe ich ähnlich wie Klaus, den das Display ist einfach viel zu klein. Und vor allem es ist doch viel schöner mit Freunden vor dem Fernseher oder einer Leinwand zu stehen.
Gruß
Stefan
Gruß
Stefan
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Handytarife
(06.09.06 21:35 Uhr)
Bei der ganzen Aktion ging es denke ich auch eher darum sich wenigstens die Tore anschauen zu können, wenn man eben keine Zeit für das Spiel hat.
Ich habe mir die Spiele aber auch alle auf einer Leinwand angesehen - dafür habe ich mir halt Zeit genommen :)
Ich habe mir die Spiele aber auch alle auf einer Leinwand angesehen - dafür habe ich mir halt Zeit genommen :)
Kommentar von:
Thomas Schwarzer
(09.11.06 22:26 Uhr)
Sehe ich genauso, als Notlösung diente selbst die Minidarstellung. Auf jeden Fall um einiges besser als ein Tor zu verpassen ... Beste Grüße, Thomas
Kommentar von:
Public Viewing
(10.12.06 6:59 Uhr)
Ist zwar nicht ganz aktuell das Thema, doch mit der Hilfe von Google gräbt man nunmal den ein oder anderen alten Blog Beitrag aus...
Ich seh' es wie meine Vorredner: Als Notlösung O.K. aber dann doch lieber eine Leinwand und das Public Viewing Erlebnis! :)
Ich seh' es wie meine Vorredner: Als Notlösung O.K. aber dann doch lieber eine Leinwand und das Public Viewing Erlebnis! :)
Kommentar von:
ngoccan
(01.04.07 0:44 Uhr)
Endlich brauchen wir nicht mehr vereinsamt in unserem Wohnzimmer zu hocken, sondern können unter unseren Mitmenschen den Fernsehgewohnheiten frönen. Was für Möglichkeiten sich da ergeben! Nachrichten in der Kaffeepause, die neueste Folge Gilmore Girls beim Friseur, Simpsons in der Vorlesung, King of Queens in der U-Bahn oder Fußball beim Besuch eines Handballspiels schauen.
Kommentar von:
Ivana
(14.04.07 15:48 Uhr)
Es ist still geworden um Handy-TV habe ich den Eindruck. Bei Olympia 2008 kommt die Idee wahrscheinlich wieder.
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