Große Softwareanbieter integrieren Web 2.0

Große Softwareanbieter integrieren Web 2.0

Web2.0-Technologien werden Kernanwendungen in Unternehmen wie Lotus Notes oder Office effizienter machen. Das erwarten jedenfalls ein Drittel der Teilnehmer einer Online-Befragung auf dem Portal CIO.de und sehen darin den Hauptvorteil von Web2.0.

"Und tatsächlich entwickeln soziale Anwendungen ihr volles Potenzial erst dann, wenn sie untereinander und mit der oft historisch gewachsenen Anwendungslandschaft integrierbar sind", meinen die Consultants von Berlecon Research in Berlin. Durch die Migration hin zu IP-basierten Kommunikationslösungen gelte das auch für die Sprachwelt.

Die Softwareanbieter bemühen sich nach den Beobachtungen der Marktforscher derzeit massiv, ihre Kernanwendungen um Web2.0-Komponenten zu erweitern und entsprechend zu vermarkten. So bietet IBM mit "Lotus Connections" Funktionen wie Blogs, Communities oder Social bookmarking an. Mit "Connections for Partners" können auch unternehmensexterne Organisationen eingebunden werden. Dies kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise ein neues Produkt gemeinsam mit den Zulieferern entwickelt wird.

Microsoft – so Berlecon Research – warte mit dem SharePoint-Server auf und ermöglicht so beispielsweise den Einsatz von RSS-Feeds, Tagging oder Wikis. Einen etwas anderen Ansatz verfolge Oracle. Mit der "WebCenter Suite", die als Teil der Fusion-Middleware angeboten wird, sollen nicht nur Wikis, Blogs oder Diskussionsforen Einzug ins Unternehmen halten. Durch die Unterstützung des offenen SIP-Standards könnten zusätzlich VoIP-Lösungen eingebunden werden.

"Die Ansätze der großen Anbieter erscheinen aus unserer Sicht sehr erfolgsversprechend", meint Berlecon Research. Doch neben allen Hoffnungen auf verbesserten Informationsaustausch im Unternehmen stelle die Einführung von Web2.0-Technologien zunächst einige Anforderungen an die ITK-Verantwortlichen. So müsse etwa die Schaffung neuer Wissenssilos vermieden werden. Denn mit Weblogs, Wikis oder Social Bookmarking komme eine ganze Reihe neuer Anwendungen zu den bereits genutzten Instrumenten etwa im Bereich Wissensmanagement hinzu. "Nur durch unternehmensweite Integration und eine dadurch ermöglichte zentrale Suchfunktion kann das über die verschiedenen Plattformen verstreute Wissen tatsächlich auffindbar bleiben", betont der Berlecon-Report "Web2.0 für Unternehmen".

Weiter sei ein Effizienzgewinn für Unternehmen erst dann erzielbar, wenn möglichst viele Mitarbeiter die Web2.0-Tools aktiv nutzen. Daher sollten die Web2.0-Anwendungen eng in die gewohnten Arbeitsprozesse und Geschäftsabläufe eingebunden werden. Auch dies spreche für eine Integration in Kernanwendungen, die mit fortschreitender Automatisierung immer größere Teile der Abläufe in den Unternehmen bestimmen. Dadurch seien die Mitarbeiter auch mit möglichst wenigen Medienbrüchen konfrontiert, d.h. sie müssen nicht mit unterschiedlichen Benutzeroberflächen neuer Anwendungen umgehen. Berlecon: "Und je vertrauter der erste Eindruck, umso geringer ist die Berührungsangst mit für viele noch unbekannten Technologien. Schließlich kann nicht bei allen Mitarbeitern davon ausgegangen werden, dass sie schon privat eifrig aus dem Urlaub bloggen oder Bookmarks mit ihren Freunden austauschen".

Auch eine Integration der Web2.0-Tools in die IP-basierte Kommunikationsinfrastruktur ist laut dem Beratungsunternehmen sinnvoll. Denn bei allen Aussichten auf Innovation, Vernetzung und Effizienzsteigerung könnten Blogs, Wikis und andere Technologien das persönliche Gespräch nicht immer ersetzen. Im Gegenteil: Sei über einen interessanten Blog-Eintrag oder das Profil in einem internen sozialen Online-Netzwerk ein relevanter Kollege oder Geschäftspartner identifiziert, müsse dieser (ebenfalls möglichst effizient) kontaktierbar sein. "So sollte etwa der Verfasser eines Blog-Beitrags oder der Profilinhaber einen Link einfügen können, durch den er über einen Mausklick telefonisch, per Instant Messaging oder E-Mail für den interessierten Kollegen erreichbar ist – je nach aktueller Erreichbarkeit des Mitarbeiters", meinen die Consultants.

Für die CIOs in den Unternehmen kann die Integration neuer Web2.0-Tools in die bestehende ITK-Infrastruktur allerdings eine erhebliche technische Herausforderung darstellen. "Sie müssen bereits jetzt mit einer hohen Komplexität der vorhandenen Infrastruktur und erhöhten Anforderungen etwa in den Bereichen Datensicherheit und Compliance umgehen – da lösen neue Technologien, die auch noch den Nutzern größere Handlungsfreiheit versprechen, nicht gerade Begeisterung aus", hat Berlecon festgestellt. Die Einführung von Web2.0-Anwendungen als Komponenten einer Business Suite hingegen, erleichtere die Interoperabilität zwischen Web2.0-Technologien und den übrigen Anwendungen und bereite damit weniger Kopfzerbrechen.


Posted on Freitag, Mai 18th, 2007 at 09:19 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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