GridMedia: Die Zukunft der Printmedien

GridMedia: Die Zukunft der Printmedien

Mit "GridMedia – (Überlebens-) Strategien für Publisher im digitalen Zeitalter" hat das Frankfurter Beratungsunternehmen TIMElabs Management Consulting eine (590 € teure) Studie vorgelegt, die es in sich hat. Ausgehend von der Annahme, dass "grundsätzlich alle medialen Leistungen digitalisierbar sind, digitalisiert werden und daher im Prinzip aus einer Hand angeboten werden können", beschreibt sie die absehbaren Auswirkungen der Web-Revolution auf alle Medienunternehmen.

In insgesamt 7 Thesen malen die Consultants ein düsteres Bild für die traditionellen Printmedien, wenn diese weiter die Zeichen der Zeit ignorieren:

1. Konvergenzthese
Die Digitalisierung wird die heute noch getrennt agierenden Medienbranchen in einem konvergierten, poly-medialen Raum zusammenführen, in dem alle Medienanbieter grundsätzlich in allen Formaten konkurrieren.

2. Integrationsthese
Im Zuge des Web 2.0 entsteht eine neue "Content-Macht", die etablierte Medienhäuser dazu zwingt, User in ihre redaktionellen Wertschöpfung zu integrieren.

3. Technologiekompetenzthese
In den künftigen Medienmärkten wird technologisches Know how zur strategischen Kernkompetenz – auch für Publisher.

4. 1:1-These
Die Modularisierung von Inhalten sowie die Ablösung der Inhalte von spezifischen Ausgabemedien führt zur Individualisierung des gesamten Medien- und Werbekonsums.

5. A3 -These

Die A3-Anforderungen (anything, anywhere, anytime) des mobilen Rezipienten modellieren die Medienleistung im Tagesverlauf nach wechselnden Kriterien und zwingen den Publisher zu einer hinreichenden Dynamisierung seiner Angebote.

6. Return-on-Advertising-These
Die vollkommene Transparenz aller Konvertierungsraten entlang des Marketing- und Sales-Prozesses ermöglicht in den digitalen Medien eine punktgenaue Kalkulation der Werbeeffizienz sowie eine Performace-abhängige Abrechnung. Werbeträgermedien, deren Angebotsformen dies nicht reflektieren werden sukzessive aus dem Markt verdrängt.

7. Selbstverständnisthese
Mit der Digitalisierung muss ein vollständig verändertes Selbstverständnis der handelnden Medien-Akteure einhergehen, das im Ergebnis zu einer neuen medialen Wertschöpfung in und zwischen den Marktbeteiligten führen wird.

Mal abgesehen vom Berater-Denglish und der Tatsache, dass TIMElabs Management Consulting Beratungsleistungen an Verlagshäuser verkaufen will, steckt in der Studie eine Menge Brisanz. "In der Zwischenzeit ist das Internet, und mit ihm die korrespondierenden Geschäftsmodelle, erwachsen geworden. Und es wird ein namhaftes Geschäft generiert – wenn auch von anderen (branchenfremden Playern). Mit heute schon alarmierenden Konsequenzen: Das Internet bindet hierzulande eine fast doppelt so hohe Mediennutzungszeit (14,6%) wie Zeitungen (5,2%) und Zeitschriften (3,7%) zusammen. Den Löwenanteil des stark wachsenden Online-Werbemarktes teilen Suchmaschinen und Portalanbieter unter sich auf (75,1%). Nur 15,9% der Online-Werbung findet auf Zeitungs-, Zeitschriften- und Fachpresse-Websites statt", warnt Verfasser Marc Ziegler alle, die (noch) die Augen verschliessen.

Wie etwa Christoph Keese, Chefredakteur der "Welt am Sonntag", mit dem sich heute Thomas Knüwer auseinandersetzt: "Es wäre deutschen Verlagsentscheidern zu wünschen, dass sie ihre gedankliche Grundlage einfach umdrehen. Statt ständig zu behaupten, Zeitungen würde es immer geben, weil es sie halt schon immer gegeben hat, wäre es sinnvoller einfach mal das realistischere anzunehmen: Dass es sie nicht immer geben wird. Derzeit liefert nämlich keine deutsche Zeitung einen Grund, warum sie mittelfristig noch existieren sollte."

Das sieht Ziegler ähnlich, wenn er bilanziert: "Außer Zukäufen von (vermeintlich) erfolgreichen Internet-Companies, ein bisschen Blogging-Chi-Chi hier und eine Portion Rich Media oder Search-Engine-Marketing dort, ist den allermeisten Verlagen noch kein (nachhaltiges) Rezept gegen die mahnenden Zeichen im Markt eingefallen."

Nun wäre ein Berater kein Berater, wenn er nicht auch die Lösung für die beschriebenen Probleme aus der Tasche ziehen würde. "Die Studie lässt den Verleger nicht mit düsteren Diagnosen und Prognosen allein – oder gar im Stich….. Sondern sie zeigt auf, mit welchen konkreten Maßnahmen Verlage bzw. Medienunternehmen im digitalen Geschäft bestehen können. … Zugegeben, die in dieser Studie propagierten Wege einzuschlagen, wird kein Spaziergang. …. Aber für all diejenigen Publisher, die bereit sind, ihr Selbstbild und ihre Marktsicht zu überprüfen, stellt die Studie einen Leitfaden bereit. Wir glauben, nein, wir sind davon überzeugt, dass die Studie Medienhäusern und Publishern richtungsweisende Impulse mit auf den Weg ins digitale Medienzeitalter gibt", wirbt der Autor.

Da trifft es sich gut, dass das 400 Seiten starke Werk für BDZV- bzw. VDZ-Mitglieder zum Sonderpreis von 475 €
inkl. MWSt. angeboten wird. Da würde ich an deren Stelle doch zuschlagen.


via media coffee blog


Posted on Dienstag, April 3rd, 2007 at 18:18 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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