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CeBIT 2008
von wolfgang am 08.03.08

Eine frohe Botschaft für die derzeit arg gebeutelten Telekommunikationsausrüster hatten unlängst die Marktforscher von Datamonitor: Die Finanzkrise in den USA und der auch auf der diesjährigen CeBIT unübersehbare Trend zur "Green IT" sollen das Geschäft mit Lösungen für Unified Communications (UC) spürbar ankurbeln. Telefonanlagen und Videokonferenzsysteme - so die Analystin aphrodite Brinsmead - würden zunehmend als Managed Service genutzt, um Kosten zu senken. "Videokonferenzen zum Beispiel sparen Geld und schonen die Umwelt, die Unternehmen können so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", meint sie.
Nach Meinung von Datamonitor wird sich die Einführung softwarebasierter Kommunikations- und Videokonferenz-Lösungen in den Unternehmen 2008 deutlich beschleunigen. Bei Siemens Enterprise Communications (SEN) dürfte man diese Prognose mit Freude vernommen haben. Das derzeit nicht mehr aus den Negativ-Schlagzeilen kommende Unternehmen hat es auf der CeBIT 2008 erstmals in die Halle 13 verschlagen. Je nach Blickwinkel ans Ende oder an den Anfang des Messegeschehens. Denn am Ausgang dieser Halle kommt nur noch der ICE-Bahnhof Hannover-Latzen (über den ich auch gerne an- und abreise).
Auf jeden Fall hat SEN in diesem Jahr mit "OpenScape Video" erstmals eine HD-Videokonferenzlösung (High Definition) auf der Messe vorgestellt. "OpenScape Video ist das erste Unified-Videoconferencing-System aus einer Hand, welches HD-Video-, PC-Video- und Sprachteilnehmer, Präsenzmanagement und Funktionen für die Zusammenarbeit (Collaboration) in einer Unified-Communications-Umgebung integriert", heißt es zungenbrecherisch in der Pressemitteilung dazu. Damit wolle man einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von Reisekosten und - im weitesten Sinn - zur Verringerung von CO2-Emissionen leisten.
"OpenScape Video" ist Teil der neuen Software-Infrastruktur für sämtliche Kommunikationsanwendungen in Unternehmen, die SEN unter der Bezeichnung "OpenScape Unified Communications Server" auf der CeBIT vorstellt. Dieser Server bündelt alle Kommunikationsanwendungen wie Festnetztelefonie, mobile Telefonie, E-Mail-Verkehr, Instant Messaging und Videokonferenzen in einer Softwareplattform. Damit bewegt sich SEN nach eigenen Angaben weiter in "Richtung softwareorientiertes Unternehmen" und weg von der stolzen Vergangenheit als reiner Hersteller von Telefonanlagen.
Der UC-Server setzt auf dem für die Sprachübertragung optimierten Session Initiation Protocol (SIP) und auf der serviceorientierten Architektur OpenSOA von Siemens auf. Gleichzeitig nutzt er zentrale Webservices-Komponenten, die auf offenen Schnittstellen basieren. Die vorhandenen HiPath-8000- und HiPath-OpenExchange-Anwendungen (OpenScape Voice) wurden laut eigenen Angaben so adaptiert, dass sie auf dem Server im Native-Modus laufen und Sprache und IP Least-Cost-Routing bereitstellen können. Die Suite läuft auch in Multivendor-Umgebungen und lässt sich in komplementäre Applikationen wie beispielsweise IBM Sametime oder Microsoft Office Communication Server integrieren.
Die Software, die zum 30. April lieferbar sein soll, wird es in drei Versionen geben: Die Medium Edition (ME) ist eine Single-Server-Lösung mit optionaler Redundanz für bis zu 1000 Nutzer. Die Large Edition (LE) ist eine Multiserver-Konfiguration für bis zu 100.000 Anwender. Die Hosted Edition (HE) schließlich enthält zusätzliche Anwendungskomponenten zur Unterstützung der speziellen Anforderungen von Service-Providern und Hosting-Anbietern.
Etwas Skepsis, was den schnellen Durchbruch von Unified Communications angeht, zeigte auf einer CeBIT-Diskussionsrunde allerdings Bernhard Steimel vom Beratungshaus Mind Business Consultants. Er sieht diese Technologie noch längst nicht auf breiter Front beim Anwender angekommen: "All das dauert länger als gedacht. Ein mittelständischer Anwender muss geschult werden - vieles erinnert an das Beispiel DSL. Erst wenn der Anwender einen klaren Nutzen erkennen kann, wird investiert." Bei Siemens Enterprise Communications, so war am Stand mehrfach zu hören, brummt derzeit allerdings - trotz des aktuellen Krisenbildes in der Öffentlichkeit - das Geschäft und die Auftragsbücher sind voll.
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