Google China: Lied der reichen Ernte oder Kettenhund?

Google China: Lied der reichen Ernte oder Kettenhund?

Nachdem vor wenigen Tagen Google-Chef Eric Schmidt in Peking verkündet hat, warum sich der Suchmaschinen- betreiber den chinesischen Zensurbestimmungen beugt, und einen neuen Namen für das Land der Mitte vorstellte, formiert sich nun der Protest. Im Internetforum www.noguge.com wird bereits über Alternativen zur Bezeichnung "Gu Ge" – die für "Lied auf die reiche Ernte" steht – abgestimmt.

Google hatte diesen Namen aus 1800 lautähnlichen Vorschlägen ausgesucht, weil die Originalbezeichnung für Chinesen nur sehr schwer auszusprechen ist. Das amerikanische Unternehmen will mit dem neuen Begriff auf die gute Ernte hinweisen, die seine Suchmaschine verspricht. Mancher Chinese – so das Handelsblatt in einem Artikel – wird den Namen aber auch als "Tal-Lied" lesen. Denn das erste Zeichen Gu könne auch "Tal" heißen, eine weitere klassische Bedeutung sei "hohl" – sicher keine assoziation, die Google bei der Namensgebung im Sinn gehabt habe.

In dem Internetforum www.noguge.com, auf dessen Eingangsseite die Schriftzeichen "Gu Ge" mit roter Farbe durchkreuzt sind (eine Schmähung, die nach chinesischer Tradition nur der politische Gegner verdient), geht es dagegen noch viel härter zur Sache. Die meisten Nutzer dort stimmten für "Gou Gou" als neuen Namen von Google China. Der Begriff bedeutet im Chinesischen "Hündchen" und löst bei vielen die Assoziation zum Schimpfwort "Zou Gou" (der Kettenhund) aus. Etliche Nutzer schlugen auch "Gu Gou" vor, dem Wortsinn nach "Diensthund", andere votierten für "Gou le" (Es reicht uns) oder "Gu Gu" (Tantchen).

Immerhin: Google China will, so ein Bericht der "Peking Abendzeitung", gegen das Internet-Forum nicht gerichtlich vorgehen, sondern den Dialog mit den Kritikern suchen. "Vor dem Markteintritt in China sollten Unternehmen sehr genau überprüfen, ob der gewählte Name die Kunden auch wirklich anzieht statt abschreckt", empfiehlt das Handelsblatt. Positive Beispiele sind der Reisekonzern TUI, der sich in China "Tu Yi" ("angenehmer Weg") nennt. Oder der Bulettenbrater McDonald's, der sich im Land der Mitte als "Mai Dang Lao" ("Weizen zur Arbeit") bezeichnet. Am Besten hat es aber laut Handelsblatt der Hamburger Beiersdorff-Konzern gemacht: Dessen Creme Nivea wird in China mit "Ni Wei Ya" übersetzt, was wörtlich "Mädchen – samtig – anmutig" heißt.


Posted on Sonntag, April 30th, 2006 at 11:58 and is filed under Freistil. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply

Impressum