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Web 2.0
von wolfgang am 18.11.06

Hintergrund der Aktion: Die Wirtschaftswoche will an einem konkreten Beispiel zeigen, welche Spuren man heute - ob gewollt oder ohne Absicht - im Internet hinterlässt. "Digitale Reputation" oder "Googlability" heißt das Schlagwort.
"Der Internet-Leumund ist zu einem Faktor geworden, der die Karriere entscheidend beeinflusst. Das zeigt eine befragung, die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) exklusiv für die WirtschaftsWoche unter mehr als 300 Personalberatern und Personalentscheidern vorgenommen hat. Ergebnis: 28 Prozent klopfen schon heute regelmäßig via Internet Lebensläufe von Kandidaten auf Schwachstellen ab. Referenzen, fachliche Eignung, Vergangenheit, Kompetenzen, Meinungsäußerungen, Freizeitaktivitäten - alles wird gesammelt und ausgewertet", schreibt das Magazin.
Besonders krass finde ich diese Information aus dem Artikel: "Die Berater von Heidrick & Struggles unterhalten zum Beispiel gleich eine ganze Fahndungsabteilung für Webprofile. Im indischen Bangalore arbeiten mehrere Mitarbeiter im so genannten Knowledge Management Center und erstellen auf Anfrage 5- bis 25-seitige Dossiers zu Zielpersonen, die sich von denen der Kripo kaum noch unterscheiden." Heidrick & Struggles ist nach eigenen Angaben immerhin "die führende Personalberatung weltweit und in Deutschland". Hinter deren Kulissen allerdings mächtig was los ist, wie Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer schon vor einiger Zeit zu berichten wußte. Die dort beklagte "Amerikanisierung der Sitten" scheint sich auch auf die Recherchetätigkeit der Headhunter auszuwirken.
Der virtuelle Reiner Fakeman hält auf jeden Fall in seinem Blog fest: "Was da entsteht, ist ein gigantisches globales Zentralarchiv, ein Online-Gedächtnis, das alles sieht und weiß und fast nichts mehr vergisst. Und das ist das Problem. Immer mehr Personaler werten dieses Wissen systematisch aus, durchforsten die Online-Vita eines Kandidaten, achten auf Lücken oder Widersprüche, auf eine seriöse Darstellung sowie darauf, ob jemand die Schlüsselpersonen seiner Branche kennt und umgekehrt. ... Profiling heißt das im Fachjargon - jeder mustert jeden in der virtuellen Welt. So ist auf einmal für jeden erkennbar, wo und mit wem jemand zur Schule gegangen ist, für welche Vereine oder Verbindungen er sich engagiert hat, wer seine oder ihre Freunde sind und was die so treiben. Aber auch die Schattenseiten einer Vita - ein missglücktes Projekt, Verleumdungen, die Rache eines verschmähten Liebhabers, Jugendsünden - stehen plötzlich für alle sichtbar im Cyberspace. Das Netz mutiert nicht nur zu einem allumfassenden Wissensspeicher, sondern auch zum Reservoir der Indiskretion. Ein enormes Wissen - und eine enorme Macht. Das Netz macht Lebensläufe transparenter als es vielen recht ist. Mal eben ein paar Ausrutscher retuschieren und die eigene Laufbahn schönen - das ist kaum noch möglich. Wahr ist, was digital geschrieben steht. Und das hat Folgen."
Die Wirtschaftswoche hält in ihrer gedruckten Ausgabe auch eine ganze Reihe von Tipps bereit, wie man seine digitalen Spuren verwischen kann. Der Wichtigste dabei: Man sollte es erst gar nicht soweit kommen lassen und immer genau überlegen, ob und wie man seine persönlichen Daten öffentlich macht. Die aktuellen Diskussionen um StudiVZ zeigen sehr deutlich das Risiko.
Ich bin sehr gespannt, wie das Experiment mit Reiner Fakemann weitergeht. Vielleicht wird er zu einer Kultfigur, die ein Eigenleben entwickelt und sich im Netz immer weiter verbreitet. Jochen Mai pflegt in seinem Blog eine aktuelle Liste der Veröffentlichungen und geht in den Kommentaren nochmal auf die allgemeine Konfusion ein, wer den nun wer ist.
Trackback: http://publish.creative-weblogging.com/publish/mt-tb.pl/42974
del.icio.us - Readster - Lycos - Alltagz - Folkd - Wong - Wikio - Newstube - DIGG
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Kommentar von:
Peter Turi
(19.11.06 7:43 Uhr)
Kommentar von:
kl.-m. meyer
(20.11.06 23:21 Uhr)
Wir haben das Interview mit dem "echten" Reiner Fakeman aus der Wiwo! ist gerade online gegangen! grusz klm
Kommentar von:
Das CIO Weblog
Manchmal wird aus dem Spaß sehr schnell blutiger Ernst: Während etliche Blogs sich mit der Googlability von "Reiner Fakeman" beschäftigen, wird seit einigen Stunden verstärkt nach den digitalen Spuren von ResistantX gesucht. Denn das war ...
Kommentar von:
Martina Kausch
dabei hatte ich bereits an anderer Stelle "abgehandelt", vielleicht noch in einem anderen Kontext, aber im Kern doch die
Gesamtproblematik ansprechend. Klar, wenn ich nicht alles damals in kleinen leicht verdaulichen Häppchen verpackt
hatte, ich bin a...
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