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Gastkommentare
von wolfgang am 15.02.07

Das Schimpfen auf die CeBIT hat Tradition: "Zu generisch, zu unfokussiert" lautet alle Jahre wieder die Kritik vieler Marktbeobachter, wenn die weltgrößte IT-Messe ihre Pforten öffnet. Tatsächlich ist die Positionierung der CeBIT auch ein halbes Jahrzehnt nach dem Platzen der Dotcom-Blase für die meisten Betrachter unklar. Was hat die CeBIT - außer dem Label "weltgrößte IT-Messe" - noch an Besonderheiten zu bieten - insbesondere gegenüber der Vielzahl an branchen- und fachspezifischen Messeevents?
Eine Möglichkeit, sich gegenüber fokussierten Wettbewerbern auf dem Messemarkt zu behaupten, ist die Einrichtung von Sonderflächen, die einen aktuellen Trend aufgreifen und interessierten Kunden dazu eine Orientierung zu bieten. Auch die CeBIT-Macher versuchen sich in dieser Strategie. Sie wird jedoch nicht aufgehen, wenn die Themen hierfür wiederum "zu generisch, zu unfokussiert" gefasst sind. Ein Beispiel dafür ist der seit 2005 für Halle 8 ausgewiesene Sonderbereich "Outsourcing Services".
Denn was erwartet den interessierten Besucher in Halle 8? Sicher werden sich unter dem Schlagwort "Outsourcing Services" wieder zahlreiche ausländische IT-Dienstleister aus Indien, Russland oder Papua Neuguinea versammeln, um die Standortvorteile ihres jeweiligen Landes anzupreisen. T-Systems als Premiumsponsor des integrierten Outsourcing-Solution-Forums kündigte derweil an, über Möglichkeiten des Bezugs von IT-Dienstleistungen aus der Steckdose zu referieren. Erwartet werden auch einige Rechtsanwälte, die über Fallstricke bei großen IT-Auslagerungsvorhaben aufklären wollen. Fraglich ist nur, was die Offshore-Dienstleister, T-Systems und die Rechtsanwälte thematisch verbindet - außer dem Dachbegriff "Outsouring Services" zur Beschreibung der Leistungsangebote.
Tatsächlich wird in der IT-Dienstleistungsbranche kein Begriff so vielschichtig - besser noch beliebig - verwendet wie das berühmte Kunstwort, dessen Ursprung (laut Wikipedia) im Begriff "outside resource using" liegt. In einem aktuellen Report im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes INTERDIG setzte sich Berlecon Research mit der Systematisierung von IT-Dienstleistungen und deren Handelbarkeit auseinander. Zwangsläufig stellt sich dabei die Frage: "Was ist eigentlich Outsourcing?". Wer darauf eine einfache und eindeutige Antwort erwartet, der wird enttäuscht.
Denn im weitesten Sinne lassen sich unter Outsourcing alle extern erbrachten IT-Dienstleistungen fassen. So tönen auch die CeBIT-Macher bei der Beschreibung des Schwerpunktes auf ihrer Website: "Im Mittelpunkt steht die Wertschöpfung - die Konzentration auf die Kernkompetenz im Unternehmen bedeutet Qualitätsvorteile zu erzielen! Der Bedarf an externen IT Dienstleistungen wächst stetig - bedingt durch die Fokussierung auf effiziente Prozesse im Unternehmen!". Generischer oder unfokussierter geht es kaum. Es bleibt offen, wovon die CeBIT-Macher sprechen, wenn Sie als Vorteil für die Aussteller herausstellen: "Die Zentralisierung von Outsourcing-Lösungen in einer gemeinsamen Area sorgt für hohes Besucherinteresse." Mit der gleichen Logik könnten die Messemacher auch einen Themenschwerpunkt IT-Lösungen einrichten.
Und da sind wir auch schon beim Kern des Problems: "Outsourcing" ist ein Dachkonzept, das für die Vergabe von IT-Dienstleistungen an externe Provider steht und zahlreiche Spielarten aufweist. Je nach Diskussionsgegenstand finden sich unterschiedliche Abgrenzungen: IT-Outsourcing im Gegensatz zu Insourcing bezeichnet nahezu alle professionell angebotenen Dienstleistungen. IT-Outsourcing im Gegensatz zu IT-Projektgeschäft fasst alle Leistungen zusammen, die über längere Frist und SLA (Service Level Agreement)-basiert i.d.R. für den Betrieb der Unternehmens-IT angeboten werden. Für Puristen unter den Outsourcing-Spezialisten ist schließlich auch diese Definition noch zu weit gefasst. Für sie gehört zum IT-Outsourcing der Übergang ganzer IT-Abteilungen mit Mann und Maus - oder akademisch ausgedrückt von Personal und Vermögensgegenständen (Assets) - zwingend dazu. Die Spielarten lassen sich noch beliebig erweitern, wenn z.B. der Standort des Providers (Onsite, Offsite, Nearshore, Offshore), das Objekt (IT-Infrastruktur, Applikationen, Businessprozesse) oder der Umfang (Selective, Full) betrachtet werden.
Dem Anwender dürften diese Spitzfindigkeiten in der Definition egal sein, er sucht nach geeigneten Anbietern, die eine Lösung für seine Probleme parat haben. Dass Outsourcing an sich jedoch kein Allheilmittel zur Lösung von Problemen darstellt, ist nicht neu. Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, das Thema des Spezialbereichs einmal zu überdenken.
Dabei würde die Fokussierung auf einen einzelnen Aspekt des "IT-Outsourcing" als Sonderbereich durchaus Sinn machen. Ein mögliches Thema könnte zum Beispiel der "Internationale Bezug von IT-Dienstleistungen" sein. Er könnte den Kunden Orientierung bieten, was denn unter den häufig propagierten globalen Liefermodellen und Marketingslogans wie Rightshoring, Best und Intelligent Sourcing zu verstehen ist. "IT aus der Steckdose" wäre ebenso ein interessantes Thema für einen Sonderbereich, in dem Kunden präsentiert werden könnte, was tatsächlich hinter Konzepten wie On Demand Computing und Software as a Services steckt und inwieweit sie heute realisierbar sind. Schließlich wäre das Thema "Rechtliche Aspekte und Compliance-Anforderungen beim IT-Bezug" auch ein interessanter Schwerpunkt.
Ungeachtet der Kritik wünschen wir der CeBIT 2007 ein gutes Gelingen und den Ausstellern und Besuchern viele interessante Kontakte. Denn es gehört ja auch zur CeBIT-Tradition, dass wir uns trotz allen Schimpfens im Vorfeld letztlich doch alle in Hannover wieder sehen.
*Dr. Andreas Stieler ist Analyst bei der Berlecon Research GmbH und schreibt auch im Weblog des Beratungsunternehmens.
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Wong
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