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Evangelischer Kirchentag: Blogger sind bäh
abgelegt im Archiv Freistil von wolfgang am 08.06.07
Evangelischer Kirchentag: Blogger sind bäh
So ein evangelischer Kirchentag, wie der gerade in der Katholiken-Hochburg Köln eröffnete, ist eine bunte Sache. Sogar Blogger gibt es, die live berichten. Es könnten sogar noch ein paar mehr sein, wenn das mit der Technik und der Organisation besser klappen würde. Aber vielleicht ist das auch gar nicht notwendig. Denn "Web 2.0-Inhalte sind kein Journalismus". Zumindest kein ernsthafter. Und deshalb brauchen wir diese Bloggerei eigentlich auch gar nicht.

Das hat heute der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, auf einer Kirchentagsveranstaltung in Köln erklärt. Er fuhr gleich schweres Geschütz auf: "Der Begriff vom Bürgerjournalismus ist Etikettenschwindel". Relevante Inhalte zu generieren, strukturieren, aufbereiten und die Debatten in den verschiedenen Lebensbereichen zu moderieren, das sei ein kompliziertes Handwerk, welches nur "von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten" erledigt werden könne.

Der Zeitungsverleger-Boss hob sogar hervor, dass guter Journalismus teuer sei: "Er kostet Geld für intelligente und engagierte Mitarbeiter, er kostet Geld für deren Ausbildung, er kostet Geld für Produktionstechnik und er kostet Geld für die Freiräume, die für die wirklich neuen Geschichten und für die investigativen Recherchen erforderlich sind." Wahre Worte, denen in den Verlagshäusern dieser Republik aber nur noch selten Taten folgen. Der Abbau fester Stellen in den Redaktionen und das Drücken der Honorare für freie Mitarbeiter zieht sich leider durch die Redaktionsstuben der BDZV-Mitglieder von Nord nach Süd.

Aber zurück zum Kirchentag nach Köln. Helmut Heinen kritisierte, dass Medien Handy-Fotos und Filmbeiträge von Prominenten veröffentlichten, die ihnen Leser oder Zuschauer in die Redaktion schickten: "Es ist nicht gutzuheißen, wenn durch diese so genannten Laienreporter oder Leserreporter ein kollektives Paparazzitum angeregt wird." Größer werde dadurch vor allem auch "die Zahl der journalistisch schlichtesten Angebote".

Auch da ist sicher was dran. Trotzdem sollte sich der BDZV-Chef nicht so auf das hohe Roß setzen. Denn natürlich werden z.B. in etlichen Blogs viele interessante Sachen geschrieben und sogar Skandale enthüllt. Ohne dass die Autoren "talentierte und gut ausgebildete Journalisten" sind (was das auch immer sein mag). Ganz kann aber wohl auch der Verband der Zeitungsverleger die neuen Trends in der Medienenwicklung nicht ignorien. "Darstellungsformen im Internet wie Blogs und Wikis" - so seine Empfehlung - sollten von den "Traditionsmedien genutzt werden, um neue Wege zum Publikum zu finden".

Da macht es sich der Herr Heinen aber wieder sehr einfach. Web 2.0 ist nun wirklich mehr als ein zusätzlicher Kanal für die Printmedien zur Verbesserung der Leser-Blatt-bindung. Aber das werden die Vertreter der etablierten Medien, die ihre Felle davonschwimmen sehen, wohl nie kapieren.

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Tags: Heinen  BDZV 
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