Enterprise 2.0: Viele Entscheider verstehen nur Bahnhof

So ein "Reality Check" zwischendurch ist immer mal gut. Wenn man sich die ganze Zeit mit Web 2.0 beschäftigt, hält man das leicht für den Nabel der Welt. Doch die Realität ist (leider) anders. Das zeigt gerade wieder einer aktuelle Studie des Berliner Marktforschungsunternehmens Berlecon Research. Danach kennt trotz des aktuellen Hypes um das Thema fast ein Viertel der befragten Fachbereichsleiter in Unternehmen den Begriff "Web 2.0" nicht. Und von denen, die ihn kennen, glaubt jeder Vierte, dass Web 2.0 für Unternehmen nicht relevant ist.
Ebenso ernüchternd – so Berlecon-Analystin Nicole Dufft – ist die noch geringe Verbreitung von Web2.0-Anwendungen in deutschen Unternehmen: Tools wie Social Networks, Blogs, Wikis, RSS Reader oder Social bookmarking werden – wenn überhaupt – derzeit vor allem von vereinzelten Mitarbeitern genutzt. Nur ein marginaler Anteil der Unternehmen setzt Web2.0-Anwendungen bisher abteilungsübergreifend (3-10 Prozent) oder gar unternehmensübergreifend (2-6 Prozent) ein.
Dabei glauben annähernd 90 Prozent der Unternehmen, die Berlecon Research für die Studie befragt hat, "dass die Anforderungen an eine effiziente Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen in den vergangenen Jahren stark oder sehr stark gestiegen sind". Gleichzeitig fühlt sich jedoch weniger als die Hälfte der Befragten bei diesen Herausforderungen ausreichend durch Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützt. Und das trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der technologischen Errungenschaften der letzten Jahre. Die Befragten kämpfen beispielsweise mit irrelevanten Informationen, die mit der massenhaften Nutzung von E-Mails einhergehen oder können die Relevanz der vielfältig verfügbaren Informationen im Inter- oder Intranet nur schwer beurteilen.
Enterprise2.0-Konzepte und -Technologien könnten hier de Lösung sein. Denn sie sollen es Unternehmen z.B. ermöglichen, effizienter mit Informationen umzugehen, kollaborative Prozesse besser zu unterstützen und dabei interne und externe Partner flexibler einzubinden. "Ohne eine übergreifende Vernetzung entstehen mit der Einführung von Web2.0-Anwendungen in Unternehmen jedoch nur weitere Wissensinseln, die einer effizienten Nutzung von Wissen und Informationen eher im Wege stehen als förderlich sind", warnt die Analystin. Fehle beispielsweise die Möglichkeit einer anwendungs- und unternehmensübergreifenden Suche von Informationen und Ansprechpartnern, bleibe der Nutzen von Web2.0-Anwendungen sehr begrenzt. Ebenso trage die vereinzelte Nutzung von Wikis oder Bewertungs-Tools einiger Mitarbeiter wenig zur Informationseffizienz bei. "Kein Wunder also, dass für fast zwei Drittel der Befragten der unklare Nutzen ein Hindernis für die Umsetzung von Web2.0-Technologien in ihrem Unternehmen ist", zieht Nicole Dufft als Fazit.
Die nach Aussagen der Verfasser "repräsentative" Studie wurde von Berlecon Research im Sommer 2007 im Auftrag des Content-Management-System-Herstellers CoreMedia durchgeführt und umfasste die Befragung von 156 leitenden Angestellten in Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern aus so genannten wissensintensiven Wirtschaftszweigen.