DJV-Chef Konke: Meinungsanarchie, die mit Journalismus nichts zu tun hat
abgelegt im Archiv abgebloggt am 05.02.08
Gerade lese ich die Februar-Ausgabe des "Journalist" und stolpere über die Kolumne "Netzanarchie" von Michael Konken, dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes. Ja, genau der. Der mit seinen kruden Wortmeldungen immer wieder Aufsehen in der Bloggerszene erregt. Gelernt hat er daraus offensichtlich nichts.
Dabei klingt es erst einmal ganz verständnisvoll: "Blogs sind interessante mediale Bereicherungen, Betreiber von Blogs in totalitären Staaten sichern die Meingsfreiheit."
Doch dann kommt wieder der Hammer: "Es gibt aber auch solche, die meinen, sie handeln journalistisch, müssten sich dem ungeachtet aber an keine journalistischen Regeln handeln. Sie fühlen sich fälschlicherweise als Gründer eines neuen Journalismus, der keine Grenzen kennt. Eine Meinungsanarchie, die mit Journalismus nichts zu tun hat. Es handelt sich um virtuelle Anarchen, für die eine grenzüberschreitende Meinungsäußerung wichtiger ist als journalistische Sorgfaltspflichten und Persönlichkeitsrechte. Wer diese aber ablehnt, verwirkt seine Rechte als Journalist, mißachtet die ihm mit diesem Beruf übertragene Verantwortung ... Betätigen sich Journalisten in Blogs oder Foren und öffnen der freien, oft anonymen Meinungsäußerung Tür und Tor, dann haben sie eine besondere Verantwortung. Eine Verantwortung, die darin besteht, in moderierender Weise durch die Themen zu leiten, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten zu erkennen und zu ahnden".
Alleine schon die Wortwahl: "Rechte verwirken","Verstöße ahnden". In welcher Welt lebt dieser "Scharfrichter" Konken eigentlich? Es ist schon so viel gesagt worden zur Verantwortung von Journalisten in den Printmedien, die schlampig oder auch gar nicht recherchieren, ungeprüft PR-Meldungen veröffentlichen oder gleich ganze Text- und Bildstrecken an den Meistbietenden verkaufen. Da hört man vom DJV nur sehr selten einen kritischen Ton. Haben die Bildzeitungsredakteure, die in Hessen die Koch-Kampagne gegen "kriminelle Ausländer" publizistisch mit Munition belieferten, eigentlich auch ihre Rechte als Journalist verwirkt?
Woher nimmt sich Herr Konken das Recht, bloggenden Journalisten Vorschriften über ihre Arbeitsweise zu machen? Jeder ernsthafte Blogger ist sich seiner Verantwortung bewußt und wird auch ohne die "Ratschläge" des DJV-Chefs darauf achten, dass es zu keinen Auswüchsen in den Kommentarspalten seines Blogs kommt und Trollen das Wort entziehen. Rational ist die Verbissenheit, mit der Michael Konken seit Monaten gegen die "anonymen Blogschreiber" wettert, kaum zu erklären. Offensichtlich kommen hier - wie Tief kürzlich sehr schön analysiert hat - persönliche Betroffenheit, Unwissenheit und Angst zusammen. Und das ist keine gute Mischung.

Tags: DJV Konken Blogger
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Wong
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Kommentar von:
Peterchen weiß Bescheid
Interessant ist, dass er den Begriff des "neuen Journalismus" verwendet, nur um diesen sofort wieder zu negieren.
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