Deutsche Bank Research sieht Medienrevolution
abgelegt im Archiv Web 2.0 am 13.09.06
Der "Think Tank" des größten deutschen Geldinstituts, die Deutsche Bank Research, hat eine kostenlose Studie "Medienwirtschaft vor größtem
Umbruch seit Gutenberg - Der Medienkonsument auf dem Weg zum Medienmacher" vorgestellt. Die Bilanz fällt zwiespältig aus. Auf der einen Seite heißt es:
"Seit der Erfindung der Druckerpresse hat sich die Medienwirtschaft im Grundsatz kaum verändert. Bis heute prägen wenige professionelle Medienhäuser und viele passive Konsumenten die gesellschaftlich wichtige Branche. Der Siegeszug der innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) sorgt nun für einen fundamentalen Umbruch der Medienwirtschaft. Die Veränderungen zeigen sich bei den klassischen (Massen-)Medien selbst, noch deutlicher aber bei den neuen Angeboten im Internet."
Auf der anderen Seite schreiben die Autoren:
"Obgleich sich Rezipienten massenhaft tummeln, ist das Web 2.0 kein Massenmedium im klassischen Sinn. Dem Web 2.0 fehlt dafür die einheitliche Grundstruktur. Infolge dieser diffusen Struktur verfangen sich alle Versuche, das Web 2.0 zu definieren, zwischen IT-Kürzeln (z.B. atom, AJAX, API, RSS, SVG, XML, XUL) und visionärem Berater-Vokabular (z.B. Prosument, Mini-Preneur, Generation Tekki 2.0, kollektive Intelligenz, User Generated Content, Citizen Journalism, Weisheit der Massen, Ecocast). Denn im Gegensatz zum Web 1.0 repräsentiert das Web 2.0 keine technische Basisinnovation. Mit Angeboten, wie Blogger.com, Del.icio.us, facebook, Flickr, GarageBand, Habbo-Hotel, MySpace, Linkedin, Spoke, OpenBC, Studylounge, YouTube, Wer-weiss-was oder Wikipedia, dokumentiert das Web 2.0 lediglich die Erkenntnis, dass das Internet niemals nur digitaler Marktplatz, sondern schon immer sozialer Raum zum Austausch von Meinung und Wissen war."
Und das ist das Fazit der Deutsche Bank-Vordenker:
"In der um das Web 2.0 erweiterten dynamischen Medienwirtschaft werden sich die Unternehmen unmittelbar mit den Meinungen und Bedürfnissen ihrer Rezipienten auseinander setzen müssen. Jedoch spielt im informationsdurchfluteten Web 2.0 - noch stärker als im klassischen Mediensegment - die Existenz von Marken, die Größe und Glaubwürdigkeit vermitteln, eine entscheidende Rolle. Wegen dieses ausgeprägten Netzwerkeffekts ist das Web 2.0 längst ein strategisches Feld klassischer Medienhäuser. Folglich werden wir in der Medienwirtschaft auch künftig mächtige Medienhäuser mit Meinungsführerschaft sehen."
Also "User Generated Content" nur als Spielwiese und keine Graswurzeldemokratie? Wir werden sehen, wie die Medienlandschaft in fünf Jahren aussieht? Ich befürchte, die Bankanalysten haben am Ende tatsächlich recht.

Tags: Deutsche Bank Research Web 2.0 Medien bank deutsche+bank
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Wong
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