Deutsche Bank Research: Riesiges Potenzial für RFID

Deutsche Bank Research – nach eigenen Worten der "Think Tank" des größten deutschen Geldinstituts – hat einen aktuellen Forschungsbericht zum Einsatz von RFID vorgelegt (kostenloser Download hier).
Seine Kernthesen:
1. Die Zukunftstechnologie Radio Frequency Identification (RFID) ist längst in unserer Gegenwart verankert. Sie wird von der effizienten Lagerhaltung, über die Erfassung von Fahrzeugen bei der Maut, bis hin zur individuellen Zeitmessung einzelner Sportler bei Massenveranstaltungen bereits heute in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Aufgrund ihres enormen Potenzials sind Funkchips völlig zu Recht in aller Munde.
2. Funkchips verbinden die physische Welt der Produkte mit der virtuellen Welt digitaler Daten. Die Technologie trifft den Bedarf von Unternehmen, die in einer eng vernetzten Wertschöpfungskette kooperieren. Bald wird RFID in der Wertschöpfungskette nicht mehr wegzudenken sein.
3. Ineffizienzen in der Wertschöpfung und die Bemühungen um die innere Sicherheit treiben die Nachfrage nach Funkchips voran. Der Einzelhandel spielt bei der Umsetzung von RFID-Projekten in der Fläche eine entscheidende Rolle.
4. RFID steht für ein umfassendes Strukturkonzept in der Wirtschaft, das weit über den Regimewechsel weg vom Strichcode hinausgeht.
5. Verarbeitungsgeschwindigkeit, Fehlerhäufigkeit des Ausleseprozesses, Berücksichtigung von Datenschutz und Privatsphäre, Fortschritt der Standardisierung und Investitionskosten sind heute noch Herausforderungen und entscheiden künftig über das Potenzial von RFID. RFID-Projekte, die auf Transparenz, Zuverlässigkeit oder Geschwindigkeit der Prozesse abzielen, sind besonders erfolgreich.
6. RFID-Systeme werden weiter rasant an Bedeutung gewinnen. Dies gilt insbesondere dort, wo sie zur Steuerung der Prozesse innerhalb der Wertschöpfungskette eingesetzt werden. Insgesamt dürfte zwischen 2004 und 2010 der Markt für RFID-Systeme global von EUR 1,5 Mrd. auf 22 Mrd. (durchschnittliche Wachstumsrate: +57% p.a.) anwachsen. Im gleichen Zeitraum dürfte sich der RFID-Markt in der EU-15 von EUR 0,4 Mrd. auf 4 Mrd. (+47% p.a.) vergrößern.
Der Bericht verschweigt auch nicht die Schwachstellen, Sicherheitsbedenken und Aktzeptanzprobleme gegenüber der Technologie, verharmlost sie allerdings zum Teil. So heißt es:
"Den Aspekt der Sicherheit haben die Anbieter von RFID-Systemen bislang zumeist nicht sehr hoch priorisiert. Die akzeptanz der Funkchips ist allerdings unmittelbar an die Fortentwicklung und Kommunikation der erreichten Sicherheitsstandards gekoppelt. Die ausstehende Lösung muss über die digitale Verschlüsselung der gespeicherten Daten hinausgehen. Doch die Forderung nach mehr Sicherheit treibt die direkten Kosten und steht damit – zumindest zunächst – dem Einsatz im Massenmarkt entgegen. Der Einsatz der RFID-Technologie eröffnet Dritten neue Möglichkeiten, um unberechtigt in die Privatsphäre der Anwender einzugreifen. Zum verbesserten Schutz der Privatsphäre rufen Verbraucherschützer den Einzelhandel dazu auf, allein deaktivierbare Transponder einzusetzen. Allerdings ist bei diesem Vorschlag zu bedenken, dass der Deaktivator die Identifikationsnummer des Transponders technisch bedingt nicht löscht. Somit kann der Transponder auch nach dem Deaktivieren eindeutig in den Kontext einer Metadatenbank gestellt werden. Gleichwohl ist die Realitätsnähe des Schreckensbildes vom allzeit rückverfolgbaren gläsernen Kunden zu relativieren. Die "berwachungsmöglichkeit mit RFID wird tendenziell überzeichnet. Dies gilt insbesondere für die passiven Transponder mit ihrer äußerst geringen Funkreichweite von maximal fünf Metern. Doch im Umfeld der RFID-Systeme muss nicht nur der Eingriff in die Privatsphäre, sondern auch Sabotage problematisiert werden. So kann die geforderte Deaktivierbarkeit von RFID-Transpondern im Einzelhandel für Käufer und Verkäufer auch nachteilig sein. Denn allein wiederbeschreibbare Transponder können deaktiviert werden.
Produkt- und Metadaten könnten daher auch zweckentfremdend verändert werden. Beispielsweise besteht bei wiederbeschreibbaren Transpondern die Gefahr, dass das Verfallsdatum von verderblicher Ware nachträglich manipuliert wird. Daneben könnte ein Saboteur Einzelhandelsprodukte virtuell "verderben" oder "verstellen" bzw. Informationen zu Preisen und Altersbeschränkung (bei jugendgefährdenden Gütern) verändern. Der RFID-Markt steht im Spannungsfeld zwischen der Forderung nach preisgünstigen Lösungen und der Forderung nach einem hohen garantierten Sicherheitsniveau, das zusätzliche Investitionen voraussetzt."
Zu dem Thema gibt es ein gutes Standardwerk, das die DB Autoren sicherlich inspiriert hat: “RFID and beyond” von Claus Heinrich. Das Buch beschreibt ziemlich schön, wie RFID zu “Realworld-Awarness” führt und aufgrund seiner vielfältigen Funktionen die Geschäftswelt verändern wird (laut Autor). Persönlich würde ich das Thema ja nicht so dicht mit einer bestimmten Technik verknüpfen sondern eher einen Begriff wie Smart-Tagging verwenden. Vielleicht ist die Radiotechnik ja bald überholt?