Corporate Weblogs – ohne Zukunft?

Corporate Weblogs - ohne Zukunft?

Während eine Studie der Fachhochschule Mainz gerade einen künftigen Bedeutungsgewinn für Unternehmens-Weblogs ("Corporate Blogs") prognostiziert, erwartet Medien-Blogger Peter Turi eher das Gegenteil.

In einem Beitrag für das Magazin Tomorrow, der sich mit der Medienwelt im Jahr 2017 beschäftigt, schreibt er: "In einigen Feldern erleben die Blogs allerdings nicht den prognostizierten oder erhofften Aufschwung: Es blühen die i-Blogs für individuell-unmittelbare Äußerung von Menschen mit radikal subjektiver Perspektive. Dagegen verkümmerten Corporate Blogs, auf denen Unternehmen eine Zeit lang versuchten, mit Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren. Sie starben am mangelnden Interesse der Nutzer für diese Art der gefilterten Kommunikation."

Ansonsten ist der Autor aber schon der Überzeugung, dass das Bloggerwesen in den nächsten 10 Jahren regelrecht erblühen wird: "Einen Aufschwung erleben Blogs als Medium für Spezialthemen. Für jedes Hobby, jeden Beruf und jede Frage des täglichen Lebens gibt es Spezialisten, die in ihren Ballett-, Steuerberater-, Vegetarier- oder Frisbee-Blogs authentisch und kompetent Lebenshilfe organsieren und Informationsaustausch organisieren."

Nun ist der liebe Peter genauswenig ein Hellseher wie ich. Von daher wäre ich mit solchen Vorhersagen etwas vorsichtig. Muss die Kommunikation in einen Corporate Weblog tatsächlich so gefiltert werden, dass sie langweilig wird und die Leser ausbleiben? Klar ist das – gerade in Großunternehmen – nicht einfach. "Als Mitarbeiter in einem Konzern, der aus 100.000 Indianern und 10.000 Stammeshäuptlingen besteht, würdest auch Du ganz schnell jeden Tag im Büro Deines Chefs hocken, dass sich schon wieder einer der Häuptlinge beim Oberstammesführer über Dich beschwert hat", hat Robert Basic gerade das Problem in einer Diskussion über die fehlenden Mitarbeiterblogs in Deutschland auf den Punkt gebracht.

Klar – damit muss man rechnen. Vermutlich ist es am Besten, wenn die Chefs selber bloggen. In den USA gibt es dafür ja einige Beispiele, auch aus Großkonzernen. In Deutschland sind es eher Mittelständler, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Ein paar Beispiele werden bei Basic Thinking genannt.

Irgendwie passt das noch nicht ganz mit der Studie der Fachhochschule Mainz zusammen, für die "500 der größten Unternehmen in Deutschland repräsentativ befragt" wurden. Danach "wollen die Menschen die Gesichter der Wirtschaft sehen" und die Presseabteilungen haben das erkannt. Zu den Kommunikationszielen der Chef-PR gehören u.a. , "positive Abstrahleffekte für das Unternehmen zu erzeugen", "Themen zu besetzen, über die sich die Firma profilieren kann", ein "eigenes Chefimage aufbauen" und die "Bekanntheit der Nr. 1" zu steigern. Ein CEO-Blog könnte dafür doch ein gutes Mittel sein. Immerhin 37 Prozent der Befragten sehen für das "Weblog des Unternehmens-Chefs" in Zukunft eine wachsende Bedeutung.

Jetzt müssen dieser Erkenntnis nur praktische Taten folgen. Sonst behält Peter Turi am Ende doch noch Recht.


Posted on Samstag, Juli 21st, 2007 at 18:15 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Corporate Weblogs – ohne Zukunft?”

  1. Peter Turi sagt:

    “Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen”, soll John Maynard Keynes gesagt. Wir legen’s einfach auf Wiedervorlage am 21.7.2017. ;-)

    Schönes Wochenende noch!

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