Computer-Analpabetismus gefährdet Standort Deutschland
Für Jürgen Gallmann, Deutschland-Chef von Microsoft, bestätigen die aktuellen Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat die schlimmsten Befürchtungen. Danach hatten im Jahr 2005 rund 21 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland keinerlei Computer-Grundkenntnisse. Weitere 23 Prozent stuften ihr Wissen als auf diesem Gebiet als "gering" ein. "Der Umgang mit neuen Medien und Technologien ist heute neben Lesen, Schreiben und Rechnen zur vierten Kulturtechnik geworden", sagt Gallmann. Wenn größere Teile der Bevölkerung nicht über digitale Medienkompetenz verfügen, sei langfristig der Standort in Gefahr.
Zwar schneiden die Deutschen in der Eurostat-Statistik besser ab als der Durchschnitt der EU-Länder mit einem Anteil von insgesamt 37 % Einwohner ohne Computerwissen. Doch das Beispiel des Spitzenreiters Dänemark, wo nur 10 % der Bevölkerung noch nie einen Rechner benutzt hat, zeigt den Nachholbedarf in Deutschland. Denn die fehlenden Kenntnisse auf diesem Gebiet – so die Studie – schmälern die beruflichen Chancen enorm. Kein Wunder, dass der Anteil der Arbeitslosen bei den Computer-Analphabeten überdurchschnittlich hoch ist. "Das Problem fängt bereits in unseren Schulen an, den laut der PISA-Studie der OECD haben hier zu Lande nur 23 Prozent der 15-Jährigen im Unterricht einen PC zur Verfügung", kritisiert Uwe Schöpe, Geschäftsführer der Bonner akademie. Die Weiterbildungseinrichtung ist Initiator der "Bildungsoffensive 2006", die von einer Reihe namhafter Firmen unterstützt wird.
Erstes Projekt war das EduBook – ein mit allerlei Lernprogrammen ausgestattetes Notebook zu einem subventionierten Preis. Auch eine Schulklasse in St. Georgen im Schwarzwald wurde damit kostenlos ausgerüstet und ein pädagogisches Konzept für den Einsatz der mobilen Rechner entwickelt. "Schließlich haben wir auch gemeinsame EduBook-Trainingskurse für Eltern und Kinder angeboten", nennt der Bildungsexperte ein weiteres Beispiel.
Anfang August wollen die in der "Bildungsoffensive" zusammengeschlossenen Unternehmen einen weiteren Anlauf unternehmen und eine Neuauflage der mobilen Lernstation anbieten. "Natürlich kann dieses privatwirtschaftliche Engagement angesichts der immensen Probleme im Bildungsbereich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein", räumt Uwe Schöpe ein, "aber irgendjemand muss ja anfangen, etwas zu tun". Denn die Ausstattung sämtlicher Schülerinnen und Schüler in Deutschland mit einem Computer kostet nach Expertenberechnungen insgesamt rund 40 Milliarden Euro und würde den Staat völlig überfordern.
Nun gut. Die Leute, die Windows XP benutzen und dazu nur noch surfen, werden auch keine Ahnung haben, gerade bei den Älteren Generationen. Warum sollten die auch?