Cisco schießt ein Eigentor

Cisco schießt ein Eigentor

Vorhin habe ich beim Frühstück in der "Welt am Sonntag" eine halbseitige Anzeige des Netzwerkausrüsters Cisco entdeckt. Darin macht das Unternehmen Werbung für sein Unified Communications-Angebot und stellt auf mehreren Bildern als Testimonial "einen Skater aus Australien" vor, der "direkt mit einem Produktmanager in Seattle zusammenarbeiten kann – ohne dabei die Halfpipe zu verlassen". Klingt gut.

Die Anzeige ist Teil der Human-Network-Kampagne von Cisco, deren Videoclips auch hier im Blog manchmal als (deutlich erkennbare) Werbung zu sehen sind. Solche Anwenderberichte können eine gute Sache sein und potenzielle Interessenten überzeugen. Dazu müssen sie allerdings echt und authentisch sein. Und das genau ist das aktuelle Problem bei der Skateboard-Story von Cisco.

Das Weblog PR-Kloster stellte dieser Tage die Human Networking-Plattform des Netzwerkausrüster vor, auf der neben professionell erstellten Case Studies aus Unternehmen auch Stories rund um die Cisco-Produkte zu finden sind, die von einfachen Anwendern geschrieben werden. "Jetzt kam aber offensichtlich jemand im Cisco-Marketing auf die (wenig) glorreiche Idee, dass dort doch auch eine Geschichte über einen Hersteller von Skateboards zu lesen sein sollte. Denn das kommt bei einer jugendlichen Zielgruppe bestimmt gut an", schreibt das PR-Kloster.

Und weiter: "Weil man die case study wohl nicht aufwendig recherchieren und schreiben wollte, wurde einfach eine passende Story gefaked. Das vorgestellte Traditionsunternehmen "Thundersk8″ und der dort beschäftigte Produkttester Dave Wein sind nämlich frei erfunden. Nun leben wir ja im Zeitalter des Web 2.0 und so kam es, wie es kommen musste: Blogger, die sich in der Materie auskennen, enttarnten den Schwindel und wiesen im Detail zahlreiche Fehler in der erdachten Geschichte nach. Derzeit zieht diese Story ihre Kreise und Cisco hat den Imageschaden".

Dumm gelaufen, würde ich sagen. Und ziemlich dreist, mit der Kampagne (siehe "Welt am Sonntag" von heute) einfach weiterzumachen, als sei inzwischen nichts geschehen. "Der Weltmarktführer bei den Netzwerken hat garantiert irgendwo auch einen Skateboardhersteller unter seinen Kunden, vermutlich sogar die Top-Firmen der Branche. Warum hat man nicht einfach mit einem von denen geredet, einen Journalisten vorbeigeschickt und einen schicken Anwenderbericht schreiben lassen? Wegen ein paar Euro oder Zeitmangel seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen, ist einfach nur dumm", schreibt das PR-Kloster. In der Tat.


Posted on Sonntag, April 6th, 2008 at 12:46 and is filed under Web 2.0. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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